Einige Lolls-Fans zog es auch ohne Fest auf den Marktplatz

Der etwas andere Lollsmontag in Bad Hersfeld: Partymusik und Buh-Rufe

Das Bild zeigt Nicole Lorenz (links) und Sylke Zuber, die wie viele andere Herschfeller am Montagmittag auf den Marktplatz gekommen waren. Beide tragen T-Shirts mit der Aufschrift Lolls-Schwestern.
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Lolls-Schwestern auch ohne Lullusfest: Nicole Lorenz (links) und Sylke Zuber waren wie viele andere Herschfeller am Montagmittag trotzdem auf den Marktplatz gekommen.

Partymusik und Buh-Rufe waren am Montagmittag rund um die Feuergrube auf dem Bad Hersfelder Marktplatz zu hören. Einige Lolls-Fans waren auch ohne Lullusfest in die Stadt gekommen.

Bad Hersfeld – Enner, zwoon, dräi – die erste Attacke lässt nicht lange auf sich warten, als die Zeiger der Kirchturm-Uhr am Montag punkt zwölf ankündigen. Denn auch wenn das Lullusfest 2020 nicht wie üblich stattfindet, haben sich wie zu erwarten zahlreiche Lolls-Fans am Marktplatz eingefunden, wo normalerweise am Mittag das Fierche entzündet und das Fest damit offiziell eröffnet wird. Und schon fliegen die ersten Kastanien Richtung Feuergrube.

Wo sonst die Flammen hoch lodern, wachsen jedoch in diesem Jahr Blumen. Die Idee eines Besuchers, mit künstlichem Feuerknistern wenigstens für ein bisschen Fierche-Feeling zu sorgen, konmt allerdings nur bei den umstehenden Lolls-Fans gut an. Die Musikbox muss weg, entscheiden die von der Stadt im Vorfeld angekündigten Ordnungshüter. Gleiches gilt für ein kleines Holzkreuz mit der Inschrift „Fierche 2020 – 12.10.2020 - 18.10.2020“.

Laute Buh- und Pfui-Rufe schallen den „Aufpassern“ entgegen, als sie das Symbol der Trauer wegtragen. Auch Richard Krolzig ist sichtlich aufgebracht. Der Hersfelder war nicht nur viele Jahre lang mit dem Riesenrad Bellevue auf dem Lullusfest vertreten, er ist auch ganz privat ein eingefleischter Lolls-Fan und entsprechend enttäuscht, dass das Feuer als Symbol und Treffpunkt in diesem Jahr nicht brennt. „Das ist doch keine Straftat und total übertrieben“, meint er mit Blick auf das kleine Kreuz aus Holz, das gerade entfernt wurde. Man müsse doch den Menschen wenigstens das Trauern ermöglichen.

Freundliche Ordnungshüter: Polizei und Ordnungspolizei hatten das Geschehen im Blick. Für diese verständnisvolle „Aufpasserin“ gab es sogar ein Blümchen.

Wie viele andere, die am Montag trotzdem in die Stadt gekommen sind – Kastanien und Getränke im Gepäck – hätte auch er sich irgendeine Lösung für das „echte“ Feuer gewünscht, und vor allem mehr Kommunaktion und Transparenz. „Mir hat der öffentliche Diskurs gefehlt“, sagt Richard Krolzig. „Das hat das Fest nicht verdient.“

Ähnlich sehen das die mit entsprechenden Fan-Shirts bekleideten Lolls-Schwestern Nicole Lorenz und Sylke Zuber. Sie denken zum Beispiel an Absperrungen und ein Einbahnstraßen-System am Lullusfeuer sowie in der Stadt weit verteilte Buden. „Das ist wirklich traurig“, so Lorenz. „Wir hatten bis zum Schluss gehofft.“ Aber weil man den Hersfeldern ihr Lolls nicht so einfach nehmen könne, sind sie und Sylke Zuber eben trotzdem da. Dass sie neben ihrem Mund-Nasen-Schutz und Desinfektionsspray nun ausgerechnet Corona-Bier aus Flaschen trinken, das ist natürlich kein Zufall.

Eine erneute Attacke und lauter Applaus setzen ein, als Feuermeister Klaus Otto im Ornat auf dem Marktplatz auftaucht. Enner, zwoon, dräi – fast ist es doch wie an jedem Lollsmontag. Aus den Musikboxen einiger jüngerer Feiernden schallen lautstark Partyhits zum Mitgrölen und -schunkeln. Gut ausgerüstet sogar mit eigenem Lullusfest-Stehtisch sind auch die (Ex-) Lollsteufel, die sich auf dem Linggplatz postiert haben. Mit einem Partybus waren schon am Vormittag DJ Ben-H und einige Anhänger über den Stadtring gefahren.

Das Geschehen rund um den Markt- und Linggplatz haben sowohl die Polizei als auch die Ordnungspolizei im Blick. Sie achten etwa darauf, dass Gruppen nicht aus mehr als zehn Personen bestehen und dass Abstand unter den Grüppchen eingehalten wird. Bisher ist alles friedlich und alle hoffen, dass das auch am Abend des etwas anderen Lollsmontag so bleibt. (Nadine Maaz)

Fotos vom Lollsmontag 2020

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