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Lullusfest: Abschied fürs Leckermäulchen - Norbert Weiher geht in den Ruhestand

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Von: Kim Hornickel

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Ein ganzes Leben lang Schausteller: Norbert Weiher vom Leckermäulchen war jahrelang auf dem Lollsfest in Bad Hersfeld zu Gast. Zu seinem Abschied gibt er noch einmal einen Einblick hinter die Kulissen.
Ein ganzes Leben lang Schausteller: Norbert Weiher vom Leckermäulchen war jahrelang auf dem Lollsfest in Bad Hersfeld zu Gast. Zu seinem Abschied gibt er noch einmal einen Einblick hinter die Kulissen. © Kim Hornickel

Norbert Weiher hat sein ganzes Leben auf Volksfesten verbracht. Schon als Kind kam er zum Lullusfest nach Bad Hersfeld. Jetzt geht er in den Ruhestand

Bad Hersfeld – Hinter den Kulissen des „Leckermäulchen“ auf dem Lollsfest herrscht um 10 Uhr morgens schon Gewusel. Während die Lollsbude von vorne noch im Schlaf zu liegen scheint, ist hinter den geschlossenen Rollos geschäftiges Treiben angesagt. Mitten im morgendlichen Chaos steht Norbert Weiher.

Der 65-Jährige hat seinen Süßigkeiten-Wagen zwar bereits an Familienmitglied Sandra Geibel und ihren Ehemann Daniel übergeben und will sich zur Ruhe setzen, aber noch ist er mitten drin im Geschäft. „Ich kann die ja nicht so ins kalte Wasser werfen“, sagt der bisherige Inhaber und grinst. Auf seinem Weg vorbei an dutzenden Zuckerwatte-Tüten und Bergen von Popcornmais-Säcken teilt er launige Sprüche an die Mitarbeiter aus.

Weiher hat an diesem kühlen Morgen die Hände in den Taschen seiner braunen Weste vergraben. Tiefe Lachfalten ziehen sich um seine Augen, als er sich auf einen Klappstuhl setzt, mit dem Arm auf einem Stapel Schokokuss-Boxen abgestützt, und sich an seine Zeit als Schaustellerkind erinnert. „Damals habe ich unter der Theke geschlafen, wenn die Eltern in der Bude gearbeitet haben. Das ging nicht anders“, sagt Weiher. „Das war eine spannende Zeit.“

Der Schausteller erinnert sich gern an seine Kindheit auf den Volksfesten. In Bad Hersfeld ging er auf die Lingg-Schule. 1996 übernahm Weiher dann die Bude der Eltern. Von Dezember bis März war er mit Ehefrau Anna-Maria auf Achse. „Nach den Volksfesten kommen die Weihnachtsmärkte. Wir sind im Dauerstress“, sagt Weiher.

Für Generationen von Leckermäulchen das Größte: (v.r.) Sandra Geibel, Tochter Charlize und Norbert Weiher sind Schausteller aus Überzeugung.
Für Generationen von Leckermäulchen das Größte: (v.r.) Sandra Geibel, Tochter Charlize und Norbert Weiher sind Schausteller aus Überzeugung. © Kim Hornickel

Sein ganzes Leben hat er auf den Volksfesten verbracht. Vor drei Jahren hat sich Weiher dann noch einmal eine neue Bude gekauft. „Die Alte war mit ihren 16 Metern einfach zu groß“, sagt er und zeigt ein Foto des gewaltigen Wagens mit der verschnörkelten Außendekoration und den vielen Schubladen. Weiher schrumpfte das Süßigkeiten-Angebot zusammen und kaufte einen kleineren Wagen.

Statt dutzender kleiner Zuckerwaren – wie süße Perlen in kleinen Fläschchen – beschränkte sich Weiher seitdem auf die Dauerbrenner – unter anderem Lebkuchenherzen, Waffeln, Früchte und Popcorn. „Früher hingen an den Herzen noch Plüschtiere, die Kinder wussten immer, wie die Figuren heißen“, sagt Weiher. „Darüber haben sich die Kleinen immer so gefreut“, erinnert er sich an die Zeit, als seine Auslage noch umfangreicher war.

Isst er denn selbst noch Süßigkeiten, oder hat er genug davon? – Norbert Weiher lacht und winkt ab. „Ne, ne, ich esse nichts Süßes mehr.“ Bei der Qualitätskontrolle nehme er sich aber schon hier und da mal etwas, sagt Weiher, um den frischen Geschmack zu testen.

„Ich muss immer überall dabei sein“, erklärt er und freut sich. Auch jetzt, nach der Geschäftsübergabe, mischt Weiher gerne mit. „Ich komme immer mal vorbei und helfe auch“, sagt er und Sandra Geibel nickt. „Ja klar“, sagt sie.

So ganz zur Ruhe setzen will sich Weiher aber noch nicht. „Ich fahre mit einer Bude noch auf den Kasseler Weihnachtsmarkt“, sagt er. Was er mit seiner Zeit im Ruhestand anfangen möchte, weiß er noch nicht genau. „Dass lasse ich spontan auf mich zukommen, so bin ich“, sagt Weiher.

Ein Hobby hat er bisher nicht. „Dafür hatte ich keine Zeit“, sagt der Schausteller. Den Hersfeldern sagt Weiher zum offiziellen Abschied in den Ruhestand: „Ich war gerne hier, macht weiter so.“ (Kim Hornickel)

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