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Vor dem Feuerlöschen gab‘s erst mal ordentlich was zu hören von Feuermeister Klaus Otto

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Das Lullusfeuer wird von Stadtpolitikern mit Wasser und Erde begraben.
Das Lullusfeuer wird von Stadtpolitikern mit Wasser und Erde begraben. © Steffen Sennewald

Traditionell wird das Lullusfeuer am Sonntagabend gelöscht, nachdem der Feuermeister seine Rede gehalten hat, in der er Lob und Tadel für die Stadtpolitik verteilt. Hier lesen Sie die Rede im Wortlaut:

„Seid herzlich willkommen, liebe Lollsgemeinde und alle Gäste aus nah und fern, die ihr gekommen seid am Ende unsrer schönen Lulluszeit!

Minuten noch, dann lösche ich unser Fierche aus ... doch bevor ich das tue, muss erst einmal ein kräftiges Bruder-Lolls bei mir zur Kehl’ heraus!

Enner, zwoon...

2019 stand ich das letzte Mal an dieser Stelle, was dann kam, ihr wisst es alle, vergessen wir nicht so schnelle! Zwei Jahre ohne Lolls ... Corona hat’s verursacht, darüber bin ich mir bewusst, aber es hat sich aufgestaut jede Menge Frust.

Enner, zwoon...

Feuermeister Klaus Otto
Feuermeister Klaus Otto © Steffen Sennewald

2020 „Lolls im Herzen“ dann im darauf folgenden Jahr 2021 „Lolls und der andere Herbst“ ... liebe Lollsfans, liebe Mückenstürmer, für alle beiden Jahre wäre für unser geliebtes Fest mehr möglich gewesen. Es wurden gefühlt Bücher geschrieben für Alternativen, die ein wenig „Lollsfeeling“ zugelassen hätten, und das vor allem für unser geliebtes einzig Lullusfeuer. Das Virus hatte uns im Griff, aber letztendlich wurde unser geliebtes Fest von den Entscheidern unter seine Würde und seinen Stellenwert gestellt.

Enner, zwoon ...

Es gibt einen alten Spruch, der besagt: Gute alte Tradition zu bewahren bedeutet nicht, die Asche zu hüten, sondern die Glut weiter zugeben! Doch hier in Hersfeld habe ich das Gefühl, dass die Stadtoberen und auch andere Entscheider Angst haben, sich an dieser Glut die Finger zu verbrennen. Auf Deutsch gesagt: Ihr habt die Hosen voll gehabt, für unser Fest zu entscheiden, weil niemand für diese Entscheidungen Verantwortung übernehmen wollte. Ihr habt null Standing für unser Fest an den Tag gelegt, und es wurden nur diejenigen kritisiert, die versucht haben zu retten, was noch zu retten war! Das hat sich im Besonderen auch im letzten Jahr gezeigt. Oh, wie toll ... wir hatten ein Feuer, jedoch hatte dieses Feuer nichts mit unserem Lullusfeuer zu tun ... es wurde zu einer Unzeit entzündet und auch wieder zu einer Unzeit gelöscht. Beim Entzünden an diesem komischen Lollsmontag war zumindest noch ein recht würdiger Rahmen gegeben, aber was dann am Mittwoch beim Löschen des Feuers folgte, spottet jeder Beschreibung. Ihr stellt den Feuermeister hin ... also mich ... und der soll das Feuer löschen. So weit, so gut ... und wo waren unser Magistrat und der Bürgermeister? Wie gesagt, das Feuer wurde zu einer Unzeit gelöscht, um zu vermeiden, dass so viele Menschen kommen ... da kann ich nur traurig lachen. Doch ich habe an diesem Tag wirklich sehen müssen, wie wenig euch Stadtoberen das Lullusfest bedeutet. Ihr lasst mich am Feuer stehen und von euch allen ist weit und breit nichts zu sehen. Ich hatte noch nicht mal ein Mikrofon und musste mir die Ansprache zum Halse rausschreien, damit überhaupt jemand was mitbekommt, weil es ja weiträumig abgesperrt war ... Schämt Euch!

Enner, zwoon ...

Es ist sehr schwer geworden, den Menschen überhaupt noch eine Freude zu machen oder das Gefühl zu vermitteln, mal wieder fröhlich und friedlich zu feiern.

Denn ihr wisst es alle, wir rutschen von der einen Katastrophe in die andere: Erst die Pandemie, in der vor allem die Kinder und die jüngeren Generationen gelitten haben ... ich sage nur: ausgefallene Konfirmationen, Einschulung, Abitur, ganz zu schweigen von runden Geburtstagen oder Hochzeiten.

Und jetzt dieser unsägliche und grausame Krieg. Dieser Krieg ... wohl gemerkt in Europa ... geht uns alle an und wir können und dürfen uns nicht verstecken. Solidarität zeigen und den Menschen in der Ukraine beistehen sollte für uns selbstverständlich sein – und ich denke, das tun wir! Aber wer hätte je daran gedacht, dass eine rot-grün-gelbe Bundesregierung Waffen und Munition in ein Krisengebiet liefert!? Wäre es nicht besser gewesen, weiterhin humanitäre Hilfe zu leisten, anstatt Waffen ... die für noch mehr Blutvergießen sorgen?! Haben wir aus unserer Geschichte nichts gelernt? Was uns das eingebracht hat, sehen wir ja jetzt, wir sind in eine Energiekrise gestürzt worden, deren Rechnung wir alle teuer bezahlen. Corona hat unsere Gesellschaft schon sehr entzweit, aber wenn jetzt nicht aufgepasst wird! ... Und schon jetzt diskutiert wird, welche Maßnahmen erforderlich sind, um die Energiekrise abzufedern ... z.B. durch das Infragestellen der Weihnachtsmärkte, Schließung von Thermen und Wellnesseinrichtungen. Dann glaube ich, nehmt ihr den Menschen noch ein Stück Lebensmut und Zuversicht weg. Wir können doch die Welt nicht retten, begreift das doch bitte und handelt zum Wohle der Menschen in diesem Land! Kein Krieg ist gerecht und hat auch keinen Gewinner!

Enner, zwoon...

Ein echtes Highlight dieses Jahr waren wieder unsere Festspiele. Es war einfach nur wunderschön zu sehen, wie sich unsere Stadt wieder mit Leben füllte. Tolles Theater in einem super Sommer, was wollte man mehr?... Gut, die Auslastung unserer Festspiele hätte besser ausfallen können, aber ich denke, dass wir in Bad Hersfeld noch sehr gut lagen im Vergleich zu anderen Spielstätten im Bundesgebiet. Für diese schöne Zeit, die wir erlebt haben, sage ich Danke dir, lieber Joern Hinkel, und dem gesamten Ensemble sowie allen, die beteiligt waren an dieser tollen Saison!

Enner, zwoon...

Die Situation in der Unterstadt ist auch nicht besser geworden, obwohl ich schon oft darüber berichtet habe. Im Gegenteil, es erscheint mir, als würde der Bereich um das Stadthaus und die untere Klausstraße weiter veröden. Auch die Problematik der Sicherheit in diesem Bereich beschäftigt viele Menschen und keiner tut etwas, um das zu ändern! Und mittlerweile ist es ja so, dass sich dieses Sicherheitsproblem bis in den Schildepark zieht, wo nach Einbruch der Dunkelheit so manche sehr fragwürdigen Gruppierungen ihr Unwesen treiben ... ganz zu schweigen von dem Vandalismus in diesen Bereichen! Ihr Stadt-Oberen, da muss endlich was getan werden, damit man sich in Zukunft, auch als Frau, wieder unbeschwert in unserem schönen Schildepark bewegen kann!

Enner, zwoon ,...

Bad Hersfeld, „die Einkaufsstadt“... so ist es und so muss es auch bleiben! Jedoch betrachtet man die momentan sehr hohen Leerstände in der Innenstadt, da kann man schon mal Angst bekommen vor der Zukunft! Sind es zu hohe Mieten oder wird zu wenig für unsere Stadt geworben? Ich denke, die Gründe sind vielschichtig. Aber eins ist sicher: Die Mischung des Einzelhandels in der Innenstadt war schon mal besser. Aber na ja, vielleicht täusche ich mich da auch und es siedeln sich noch ein paar Optiker, Bäcker und Friseure an.

Wenn ich zuhause aus dem Fenster schaue, fällt mein Blick unterhalb der Wippersheiner Höhe auf einen großen Onlinehändler hier in Hersfeld. Onlinehandel – alles in kürzester Zeit verfügbar, bequem nach Hause geliefert, wenn’s nicht gefällt einfach Retoure, ist doch Klasse, oder? Aber gerade das ist auch ein Grund für das Aussterben unserer Innenstädte. Muss alles immer und sofort verfügbar sein? Sollten wir nicht lieber unsere Einzelhändler unterstützen, die uns vor Ort beraten, die uns Kundendienst anbieten und auch bei Reklamationen dem Kunden weiter helfen. Ich denke schon, dass es das wert ist, sich über unser Konsumverhalten mal Gedanken zu machen ... es geht schließlich um unsere Arbeitsplätze in der Stadt!

Enner, zwoon, ...

Doch bei allen negativen Geschichten gibt es auch Gutes zu berichten:
Der Weihnachtsmarkt im letzten Jahr fand zwar nicht wie gewohnt auf dem Linggplatz statt, sondern zum ersten Mal im Stift. Doch ihr Lieben, lasst mich sagen, es war ein wunderschöner Weihnachtsmarkt. Das Ambiente im Stift, die Aufteilung der Marktstände, die weihnachtliche Beleuchtung und natürlich, nicht zu vergessen, die tollen Ideen mit dem Märchenpark, die stimmungsvolle Weihnachtsmusik in Verbindung mit unserer tollen Stiftsruine haben diesen Weihnachtsmarkt zu einem echten Highlight werden lassen! Für die Zukunft wünsche ich uns, dass dieser Weihnachtsmarkt weiterhin im Stift stattfindet und viele neue tolle Ideen diesen Markt tragen werden.

Enner, zwoon ,...

Auch der Motorsport-Club Bad Hersfeld hat es sich nicht nehmen lassen, in diesem Jahr wieder ein wirklich tolles Rennen zu organisieren. Nach der langen Pause in der Pandemie, hat diese Veranstaltung wieder ein Stück Normalität für uns zurückgebracht und auch gezeigt, wie sehr sich alle mit euch verbunden fühlen. Dafür sage ich „Danke“ an den MSC. Macht weiter so! Und über eins seid euch sicher: Ihr gehört bei den Veranstaltungen schon lange in den Hersfelder Jahreskreis!

Enner, zwoon ,...

Der scheidende Bürgermeister Thomas Fehling steht heute Abend zum letzten Mal mit uns an der Feuergrube, um unser Feuer zu löschen. Ich als Feuermeister sage: „Danke, lieber Thomas für fast zehn Jahre gute Zusammenarbeit in allen Bereichen die unser Fest betroffen haben.“ Jedoch hast du, wie alle anderen auch, im letzten Jahr ein wenig geschwächelt, was das Feuerlöschen betraf. Ich denke mit Freude zurück an die legendären Generalproben am Lollsmontag hier an der Grube oder an die vielen Termine die wir gemeinsam absolviert haben! Lieber Thomas für dein weiteres Leben wünsche ich dir, beruflich wie auch privat, alles Gute und hoffe, dass du uns hier in Bad Hersfeld erhalten bleibst.

Enner, zwoon,...

Bad Hersfeld hat gewählt ! Die Bürgermeisterwahl im September war geprägt durch eine historisch niedrige Wahlbeteiligung! Liebe Bürgerinnen und Bürger warum geht ihr nicht wählen!? Sind euch die Belange der Stadt wirklich so egal? Es wird an allen Ecken und Enden gemotzt und sich beschwert über Missstände und Fehlentscheidungen, die getroffen werden. Liebe Mitbürger, wer sich positioniert, nicht wählen zu gehen, der darf dann hinterher auch nicht die Schnutt aufreißen!

Anke Hofmann ist unsere neue Bürgermeisterin geworden, die sich in der Stichwahl klar durchgesetzt hat.

Liebe Anke ich gratuliere dir von Herzen zu diesem Erfolg! Du hast jetzt schon Geschichte geschrieben, da du die erste Bürgermeisterin unserer Lullusstadt bist! Ich wünsche dir für deine Amtszeit viel Erfolg und eine glückliche Hand für unsere Stadt.

In diesem Sinne erhebe ich das Fläschen … liebe Anke auf gute Zusammenarbeit!...

Enner, zwoon,...

Danken möchte ich an dieser Stelle auch wieder dem Ski-Club Neuenstein für die gelungene Ausrichtung des Lollslaufes. Ihr Lieben, ihr habt wieder einmal bewiesen,, dass ihr es könnt. Ihr habt den Menschen wieder viel Freude gemacht nach der langen Pause!

Enner, zwoon,...

Besonderer Dank an den Lullusfestverein und die Hersfelder Mönche! Ihr habt in diesem Jahr wieder sehr viel für unser Fest und unsere Stadt getan. Ich denke, wir sind wieder auf einem guten Weg und werden unser Fest weiter voranbringen.

So und jetzt mal ein paar Worte zu unserer kleinen Kastanienmeisterin! Liebe Miley, es hat Riesenspaß gemacht mit dir! Du hast deine Sache toll gemacht und es war immer eine Freude, wenn du an meiner Seite warst! Danke, du kleine Maus! Auf Miley ein donnerndes Enner, zwoon, ...

Der letzte Dank heute Abend gilt unseren Schaustellern! Nach der langen Coronapause habt ihr uns wieder ein tolles Lullusfest beschert und allen, die dieses Fest lieben, viel Freude gemacht. Dafür sag ich „Danke“ aus tiefstem Herzen.

Wenn ich auf den Kirchturm schaue, kriege ich einen Schreck, wo ist die Zeit geblieben, sie ist schon wieder weg!
Eine Woche hat unser Feuer dieses Fest geschmückt
und noch leuchtet uns der Flammenschein,
doch so fordert es der alte Brauch,
dass aus dem Feuer werde Rauch.
Lollsgemeinde, Bürgersleute,
Unsre schönste Lullusfreude,
die uns heilig ist und teuer, unser einzig Lullusfeuer,
soll mit Wasser und mit Erden
ausgelöscht begraben werden.
Was der Flammen ward zum Raube
Asche ward – bedeckt vom Staube,
Soll nun dreihundertachtundfünfzig Tage
ruh´n im dunklen Schoß der Erde,
die es hüte, die es trage,
bis dass ein neuer Lollstag werde.
Nun schüttet in den Flammenschein
des Wassers Todesstrahl
und mit Erde decket ein Feuer und verkohltes Holz,
während wir zum letzten Mal rufen unser
Bruder-Lolls

Enner, zwoon, dräi ... Bruuuder Lolls!“

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