1. Startseite
  2. Lokales
  3. Rotenburg / Bebra
  4. Bad Hersfeld

Ostermärsche stehen unter dem Eindruck des Ukraine-Kriegs

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Beten für den Frieden: Rund 100 Teilnehmer zogen am Mittwochabend auf Einladung der Hef-Church und der Evangelischen Allianz vom Schilde-Park aus durch Bad Hersfeld. 
Beten für den Frieden: Rund 100 Teilnehmer zogen am Mittwochabend auf Einladung der Hef-Church und der Evangelischen Allianz vom Schilde-Park aus durch Bad Hersfeld.  © Kai A. Struthoff

Die Ostermärsche stehen in diesem Jahr unter dem Eindruck des Kriegs in der Ukraine.

Hersfeld-Rotenburg – Ostern ist seit den 1950er-Jahren auch die Zeit der Ostermärsche der Friedensbewegung und anderer pazifistischer Gruppierungen. Auch wenn die Ostermärsche in den vergangenen Jahren etwas kleiner geworden sind, gibt der Ukraine-Krieg nun guten Grund, um für den Frieden zu demonstrieren.

So zogen am Mittwochabend bei einem von der Hef-Church und der Christlichen Allianz organisierten Friedensmarsch rund 100 Menschen getreu dem biblischen Motto „Selig sind die Friedfertigen“ durch Bad Hersfeld. „Wir Christen beten zusammen für den Frieden, denn wir wollen nicht wegschauen“, sagte Pastor Philipp Häde von der Hef-Church.

Die Friedensinitiative Hersfeld-Rotenburg hat zur Teilnahme am Kasseler Ostermarsch aufgerufen, der am Samstagvormittag stattfindet. Die Teilnehmer kommen um 12 Uhr vor dem Kasseler Rathaus zu einer Abschlusskundgebung zusammen.

„Der Angriffskrieg Russlands in der Ukraine ist ganz klar zu verurteilen“, sagt unmissverständlich Lucas Sichardt von der Friedensinitiative Hersfeld-Rotenburg. Er reagiert damit auf Vorwürfe, die Organisatoren des Kasseler Ostermarsches würden in ihrem Aufruf die russische Aggression nicht deutlich genug kritisieren.

Der russische Angriffskrieg habe inzwischen auch überzeugte Pazifisten daran zweifeln lassen, „ob heute noch die Prinzipien gelten, die wir bisher gepredigt haben“, beschreibt Sichardt das Dilemma auch in der örtlichen Friedensbewegung.

Gleichzeitig registriert er seit Beginn des Ukraine-Krieges ein verstärktes Interesse und viel Zuspruch für die Arbeit der Friedensinitiative, die seit Kriegsbeginn eine Mahnwache mittwochs am Lullusbrunnen veranstaltet. Dort fänden sich zunehmend auch Menschen aus anderen gesellschaftlichen Gruppierungen ein, alle geeint in ihrer Sorge um den Frieden.

Deshalb müsse auch die inhaltliche Auseinandersetzung wieder intensiviert werden. „Um diesen Konflikt zu lösen, müssen beide Seiten wieder miteinander reden, das braucht Feingefühl, aber auch die Bereitschaft, die Sichtweisen der anderen Seite nachzuvollziehen – selbst wenn man diese nicht teilt“, meint Sichardt.

Die örtliche Friedensinitiative stehe in Kontakt mit dem heimischen Bundestagsabgeordneten Michael Roth (SPD), der auch Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags ist und gerade die Ukraine besucht hat. Ziel der Friedensbewegung sei „ein gemeinsames Diskussionsgespräch insbesondere über die Verwendung der angekündigten Mehrausgaben im Bereich der Verteidigung“, erklärt Sichardt.

„Frieden schaffen ohne Waffen“ – der Glaube an diese Grundfeste der Friedensbewegung mag erschüttert sein, aber die Hoffnung darauf stirbt zuletzt.

Prostest gegen nukleare Aufrüstung

Die Ursprünge der Ostermärsche gehen auf britische Atomwaffengegner und ihre Kampagne für nukleare Abrüstung mit den „Aldermaston Marches“ in den 1950er Jahren zurück. In Deutschland gab es 1959 einen ersten Ostermarsch in Offenbach. Ihren Höhepunkt hatten die Ostermärsche in den 1980 Jahren nach dem Nato-Doppelbeschluss. Die Nuklearkatastrophe von Fukushima sorgte 2011 für neuen Zulauf bei den Ostermärschen, zumal man in diesem Jahr auch des 25. Jahrestages der Katastrophe von Tschernobyl gedachte. Auch in Bad Hersfeld gab es regelmäßige Mahnwachen. 2019 fanden in rund 100 Städten Ostermärsche statt. Wegen der Corona-Pandemie gab es in den vergangenen beiden Jahren vor allem virtuelle Veranstaltungen.  (Kai A. Struthoff)

Auch interessant

Kommentare