Serie: Die weite Welt und wir

Ostern unter Palmen: Hersfelder lebt ein Jahr in der Dominikanischen Republik

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Im Nationalpark Salto de Jimenoa: Der Bad Hersfelder mit seinem jüngsten Gastbruder und dessen Cousin.

Santiago de los Caballeros/Bad Hersfeld. Während die Meteorologen davon ausgehen, dass es an Ostern hierzulande kälter werden soll als an Weihnachten, feiert Maximilian Zipf aus Bad Hersfeld in der Dominikanischen Republik – bei 26 Grad und strahlendem Sonnenschein.

In seinem Bericht schildert der 18-Jährige, der für ein Jahr als Austauschschüler in der 600 000-Einwohner-Stadt Santiago de los Caballeros lebt, wie man in der Karibik Ostern feiert, wie die Kinder dort unterrichtet werden und warum er sich mit der Großmutter seiner Gastfamilie auf Deutsch unterhält.

„Auf das Osterfest in der Dominikanischen Republik bin ich ziemlich gespannt, da hier zu jedem Anlass immer gerne gefeiert wird. Mit meiner Gastfamilie ist geplant, dass wir über die Feiertage in ihr Ferienhaus ans Meer bei Cabarete fahren, einem kleinen Badeort mit Korallenriff. Wir verbringen dort öfters spontan die Wochenenden.

Laut meiner Gastfamilie geht es an Ostern bei den Einheimischen immer sehr hoch her. Am Strand wird zu den mitreißenden Samba- und Merengueklängen die „Fiesta Grande“ gefeiert, es wird tagelang getanzt. Und natürlich fließt viel weißer Rum. Im ganzen Land finden Prozessionen statt, um den Leidensweg Christi zu symbolisieren. Auch meine Klasse hat am letzten Schultag vor den Osterferien diesen Leidensweg nachgestellt. Ob es in der Dominikanischen Republik auch Ostereier gibt, wurde mir bis jetzt noch nicht verraten, aber den Osterhasen soll es hier geben.

Gruppenfoto mit Gastfamilie: Maximilian Zipf (Zweiter von links) lernt das Land auf vielen Ausflügen kennen – hier mit Panoramablick auf eine Lagune. 

Grundsätzlich ist es so, dass man hier an Feiertagen mit Besuchen bei Familie und Freunden und gemeinsamem Essen beschäftigt ist, was stets sehr üppig ausfällt. Typische Gerichte sind Emponade (Teigtaschen mit verschiedenen Füllungen), Platanos (gebratene Salami mit Ei), gegrilltes und frittiertes Hühnchen, Fisch, Reis, Gemüse und besonders gerne als Grundlage für viele Gerichte: schwarze Bohnen.

Meine Gastfamilie besteht aus meinen Gasteltern und meinen vier Gastbrüdern. Die Patchworkfamilie hat von Seiten des Großvaters deutsche Wurzeln und meine Gastgroßmutter freut sich immer, wenn ich mich mit ihr in Deutsch unterhalte. Da ich Spanisch erst jetzt vor Ort lerne, ist das für mich außer den telefonischen Kontakten zu meiner Familie zu Hause, die einzige Zeit, in der ich Deutsch spreche.

Der Schulalltag ist mit dem, den ich aus Bad Hersfeld kenne, nicht zu vergleichen. Der Tag beginnt hier immer mit dem Läuten der Schulglocke um 7 Uhr. Dann stehe ich vom Frühstückstisch auf, um in die einen Block entfernte Schule „Colegio Padre Fortine“ zu gehen, um pünktlich zum Schulappell um 7.45 Uhr zu sein. Der Appell mit Schulhymne und Gebet findet in der katholisch geführten Schule täglich auf dem Schulhof statt und ist verpflichtend, ebenso wie die Schuluniform, die wir auch im Sportunterricht tragen müssen. Übrigens: Hier sind es durchschnittlich 30 Grad heiß, bei hoher Luftfeuchtigkeit.

Ich bin in der Abschlussklasse, die einerseits vergleichbar ist mit unserer 13. Klasse, andererseits jedoch nicht ganz unserem Niveau entspricht. Es stehen monatlich Prüfungen an und ich erhalte auch monatlich ein Zeugnis. Die Klassen bestehen aus rund 40 Schülern.

Unterricht heißt in der Dominikanischen Republik vor allem: Frontalunterricht. Es wird stundenlang etwas an die Tafel geschrieben, da immer eine extreme Lautstärke im Klassenzimmer herrscht, was in der lebenslustigen und kommunikativen Art der Dominikaner begründet liegt.

Doch so laut und chaotisch das Leben hier für uns Europäer wirkt – die Dominikaner sind liebenswerte, offene und gastfreundliche Menschen.“

Kontakt:

Wenn auch Sie, liebe Leser, jemanden kennen, der ausgewandert ist oder im Ausland lebt, melden Sie sich gerne telefonisch unter 06621/161149 und per E-Mail an redaktion@hersfelder-zeitung.de.

Zur Person

Maximilian Zipf aus Bad Hersfeld hat bis zum Sommer die 12. Klasse der Modellschule Obersberg besucht. Später möchte er Jura studieren. Er reist gerne. Da sein Vater in Thailand eine Tauchschule hat, hat er ihn dort bereits mehrfach besucht und auch Tauchen gelernt. Zudem begeistert er sich für den Segelflug. Bis vor kurzem war er Turner und feierte auf hessischer Ebene einige Erfolge. (js/ses)

Steckbrief Dominikanische Republik: Karibik-Staat so groß wie Niedersachsen 

• Lage: Die Dominikanische Republik liegt auf der Insel Hispaniola in der Karibik, zwischen Kuba und Puerto Rico 

• Einwohner: 11 Millionen, also etwa so viele wie Baden-Württemberg 

• Fläche: 48 230 Quadratkilometer, entspricht der Fläche von Niedersachsen • Bevölkerungsdichte: 215 Einwohner pro Quadratkilometer (Deutschland: 231) 

• Hauptstadt: Santo Domingo (3 Millionen Einwohner) 

• Amtssprache: Spanisch 

• Regierungssystem: Präsidentielle Demokratie 

• Staatsoberhaupt und Regierungschef: Präsident Danilo Medina Sanchez (66) 

• Währung: Dominikanischer Peso • unabhängig seit: 1844 (von Haiti) 

• Arbeitslosenquote: 5,5 Prozent 

• Bruttoinlandsprodukt: 72,2 Millarden US-Dollar (Deutschland: 3,5 Billionen US-Dollar) 

• wichtige Exportgüter: Avocados, Bananen, Gold, Kakao, Nickel, Rum, Zucker (ses)

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