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Lieferengpässe bei Antibiotika, Husten- und Fiebersäften

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Lücken in den Regalen: Saskia Hildwein von der City-Apotheke in Bad Hersfeld.
Lücken in den Regalen: Saskia Hildwein von der City-Apotheke in Bad Hersfeld. © Marius Gogolla

Auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg ist die Lage bei Ibuprofen und Paracetamol angespannt

Hersfeld-Rotenburg – Im Kreis Hersfeld-Rotenburg machen sich die Lieferengpässe von Medikamenten in den Apotheken bemerkbar. Momentan fehlen so viele Arzneimittel, dass die Versorgungslage kritisch ist.

Vor allem Medikamente für Kinder, die auf den Wirkstoffen Ibuprofen und Paracetamol basieren, sind kaum noch verfügbar. „Schmerz- und Fiebersäfte für Kinder werden nicht nachgeliefert“, sagt Saskia Hildwein, Inhaberin mehrerer Apotheken in Bad Hersfeld. „Aber auch Antibiotika und andere Medikamente sind von der Knappheit betroffen.“

Die aktuelle Krankheitswelle verschärfe den Medikamentenmangel zusätzlich, was auch zum Problem für die hiesigen Ärzte werde, wie Dr. Martin Ebel, Sprecher der Hausärzte im Kreis, erläutert. „Wir müssen uns auf die veränderte Lage einstellen“, sagt Ebel. „Zwar können alternative Behandlungsmethoden statt der gängigen Medikation angewandt werden, diese mindern jedoch teilweise die Effizienz der Behandlung.“

Dr. Martin Ebel Sprecher der Hausärzte im Kreis
Dr. Martin Ebel Sprecher der Hausärzte im Kreis © Privat

Die Beschaffung der immer schwieriger zu besorgenden Medikamente sei mit einem enormen Zeitaufwand verbunden, berichtet Dr. Jürgen Leimbach. „Man muss hinter allem Möglichen herlaufen“, sagt der Apotheker aus Heringen. „Wir passen Dosierungen an, halten engen Kontakt mit den Arztpraxen und stellen teilweise auf andere, gleichwirkende Substanzen um.“ In der Rotenburger Hubertus-Apotheke wird bereits an der Eigenproduktion von Fiebersäften für Kinder gearbeitet, wie Inhaber Dietrich Grimme mitteilt.

Die Gründe für den Medikamentenmangel seien gestörte Lieferketten, die Produktion der Medikamente im außereuropäischen Ausland und die zu niedrigen Erstattungssummen, welche die Krankenkassen an die Produzenten zahlten, erklärt Dr. Martin Ebel. Zusätzlich sei die Nachfrage nach Erkältungsmedikamenten aufgrund der Corona-Pandemie und der in dieser Saison früh auftretenden Influenzawelle stark angestiegen.

Zukünftige Lösungsansätze zur besseren Versorgung mit Medikamenten könnte eine Verlagerung der Produktion nach Deutschland bzw. in EU-Staaten sein.

Durch die Verlagerung der Medikamenten-Produktion aus Deutschland und anderen EU-Staaten sei eine große Abhängigkeit von Asien entstanden, so Dr. Martin Ebel. Laut einer Studie von Pro Generika kommen etwa zwei Drittel der Arzneimittelwirkstoffe in Deutschland aus Ländern wie China oder Indien. Da sogenannte Generika dort günstiger produziert und somit verkauft werden können, sind viele europäische Hersteller aus dem Geschäft ausgestiegen. 

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