Bauarbeiten „so schonend wie möglich“

Mega-Baustelle steht in Bad Hersfeld bevor: Neue Hochbrücke für rund 45 Millionen Euro

Die Hochbrücke in Bad Hersfeld, also die Überführung der B 324 über die Bahngleise, soll neu gebaut werden. Das komplexe Bauwerk hat mehreren Rampen und eine Unterführung.
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Wichtiges „Einfallstor“: Die Hochbrücke in Bad Hersfeld, also die Überführung der B 324 über die Bahngleise, soll neu gebaut werden. Das komplexe Bauwerk hat mehreren Rampen und eine Unterführung.

30.000 Fahrzeuge pro Tag rollen über die Hochbrücke in Bad Hersfeld. Sie muss jetzt saniert werden und das wird ein Mega-Projekt.

Bad Hersfeld – Dass der Neubau der 280 Meter langen Hochbrücke in Bad Hersfeld ein Mega-Projekt wird, das nicht nur Bürger, Pendler, Stadt und Planer vor große Herausforderungen stellt, wurde schon bei der ersten Vorstellung des Vorhabens Ende 2019 deutlich. Jetzt haben die Planer weitere Details rund um die bevorstehende Großbaustelle vorgestellt.

Fünf Jahre Bauzeit in zwei Abschnitten sind für die neue Überführung der B 342 über die Bahngleise vorgesehen, die Kosten werden sich Stand heute „in etwa bei insgesamt 45 Millionen Euro bewegen“, so Wolfram Eberhardt von der DEGES. Die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH, kurz DEGES, ist der Vorhabenträger.

Das bestehende 1968 fertiggestellte Bauwerk sei trotz umfangreicher Sanierung durch Hessen Mobil 2016 „am Zenit seiner Lebensdauer“ angekommen, die Restnutzungsdauer laufe 2025 ab. Die Planungen für einen Ersatz sind bereits seit 2017 im Gange. Im Herbst will die vom Land Hessen mit der Planung und Umsetzung beauftragte DEGES beim Regierungspräsidium in Kassel die notwendigen Unterlagen für das Baurechtsverfahren einreichen. Wolfram Eberhardt und sein Kollege Detlef Kopp hoffen auf einen Baubeginn zum Jahreswechsel 2023/2024. Bei der Planung berücksichtigt sei auch ein eventueller Ausbau der ICE-Strecke von drei auf vier Gleise, betonten sie.

Um den Verkehr zumindest einstreifig in beide Richtungen einigermaßen aufrecht erhalten zu können, soll „hälftig“ gebaut werden – begonnen wird auf der nördlichen Brückenseite, sodass der südliche Teil weiter genutzt werden kann. Im Zuge des Neubaus wird auch die Unterführung neu und barrierefreier gestaltet. Auf der Brücke wird es keinen Fuß- und Radweg mehr geben.

Wegen der für innerstädtische Verhältnisse sehr hohen Zahl von rund 30 000 Fahrzeugen pro Tag sind auch künftig vier Fahrstreifen vorgesehen. Die neue Brücke soll mindestens 80 Jahre halten.

Bürgermeister Thomas Fehling ist vor allem ein gut durchdachtes Verkehrskonzept mit weiträumigen Umleitungen während der Bauzeit wichtig, um Chaos sowie Behinderungen der Feuerwehr zu vermeiden.

Die Hochbrücke in Bad Hersfeld von oben: Die Überführung der B 324 über die Bahngleise muss samt Rampen und Unterführung neu gebaut werden.

Fragen und Antworten zum Neubau der Hochbrücke

Vor 53 Jahren ist mit der Hochbrücke in Bad Hersfeld eines der wohl bedeutsamsten Bauwerke in der Kreisstadt fertiggestellt worden. Nun stehen Abriss und Neubau bevor. Die Pläne für das Mega-Projekt stellten Vertreter der mit Planung und Umsetzung beauftragten DEGES (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) am Dienstabend in der Stadthalle vor.

Warum muss überhaupt neu gebaut werden?

Dass „schon“ nach knapp über 50 Jahren neu gebaut werden muss, hat laut Ingmar Biehler von der DEGES mehrere Gründe. Zum einen habe es damals Fehler bei der Ausführung gegeben. Zum Anderen seien Technologien und Verkehrslast heute eine ganz andere. Um die Tragfähigkeit über die nur noch bis 2025 geltende Lebensdauer des Bauwerks zu gewährleisten, würden in den kommenden Jahren zusätzliche Brückenprüfungen stattfinden.

Wie wird die neue Hochbrücke aussehen?

„Der Neubau wird im Wesentlichen so aussehen wie der Bestandsbau“, erklärte Detlef Kopp von der DEGES anhand von Bildern und Bauzeichnungen. Allerdings soll das das rund 280 Meter lange Brückenbauwerk knapp einen Meter schmaler und etwas höher werden. Auf der Brücke wird es keinen Fuß- und Radweg mehr geben. Dieser sei ohnehin kaum genutzt worden, und für den Fuß- und Radverkehr sei die Unterführung da. Diese soll und muss ebenfalls neu und barrierefreier gestaltet werden. Derzeit sind die Treppen und die steilen, schmalen Rampen weder für Gehbehinderte noch Rollstuhl- und Fahrradfahrer gefahrlos nutzbar. An der Rampe Ost soll es künftig einen Aufzug geben. Erneuert und mit Wartehäuschen ausgestattet werden sollen auch die Bushaltestellen auf beiden Seiten der Frankfurter Straße. Verlängert wird im Zuge des Neubaus die Linksabbiegerspur für den Fahrzeugverkehr zur B 27. Außerdem soll Richtung Neustadt eine zwei Meter hohe Lärmschutzwand installiert werden.

Zu Beginn der Planungen seien auch diverse andere Varianten wie eine Unterführung der B 324 unter der Bahnstrecke oder ein „Turbokreisverkehr“ geprüft worden, diese seien jedoch allesamt nicht umsetzbar gewesen, sodass letztlich nur der Ersatzneubau an gleicher Stelle in Frage gekommen sei. Eine Tunnellösung sei unter anderem wegen der Nähe zur Fulda und möglichem Hochwasser problematisch.

Was wird aus den Parkplätzen?

Die Parkplätze unter der Brücke sollen weitestgehend erhalten bleiben, ein Teil wird allerdings wegfallen. Betroffen sind die Parkplätze gegenüber dem neuen Verwaltungsgebäude, weil dort eine neue barrierefreie Rampe für die Unterführung entsteht.

Ab wann wird gebaut?

Gebaut werden kann erst, wenn Baurecht besteht. Dafür ist ein sogenanntes Planfeststellungsverfahren nötig, für das die DEGES als Vorhabenträger aktuell die Unterlagen zusammenstellt. Im Herbst will die DEGES einen Antrag beim Regierungspräsidium einreichen. Die Unterlagen werden dann geprüft, öffentlich ausgelegt und erörtert. Sowohl Träger öffentlicher Belange als auch Anlieger können Einwände geltend machen. Erst wenn nach Abwägung aller Interessen der Planfeststellungsbeschluss steht und niemand dagegen klagt, besteht Baurecht. Dann können auch erst die notwendigen Ausschreibungen auf den Weg gebracht werden. Detlef Kopp und Projektleiter Wolfram Eberhardt hoffen auf einen Baubeginn zum Jahreswechsel 2023/2024, wenn niemand klagt. Für Pfingsten 2024 ist die erste Bahnstreckensperrung angemeldet.

Stellten die Pläne für den Ersatzneubau der Hochbrücke vor: Detlef Kopp (links) und Wolfram Eberhardt. Über 100 Zuhörer kamen in die Stadthalle.

Gebaut wird „hälftig“ in zwei Abschnitten, damit der Verkehrsfluss mit rund 30 000 Fahrzeugen pro Tag einstreifig in beide Richtungen einigermaßen aufrecht erhalten werden kann. Begonnen wird mit der nördlichen Brückenseite, sodass der Verkehr jeweils einspurig auf der Südseite weiter rollen kann. Für den ersten Bauabschnitt sind etwa zwei Jahre vorgesehen, für den zweiten drei Jahre.

Was soll der Ersatzneubau kosten?

Die Planer gehen aktuell von insgesamt rund 45 Millionen Euro brutto aus, wobei sich Wolfram Eberhardt mit Blick auf die aktuellen Preissteigerungen in der Baubranche und die lange Bauzeit bewusst vorsichtig ausdrückte. Den Brückenbau zahle der Bund über das Brückenerhaltungsprogramm. Mehr als die Hälfte steuere der Bund zudem für die barrierefreie Unterführung bei. Einen Teil wird aber wohl auch die Stadt tragen müssen. Beziffern ließen sich diese Kosten jedoch noch nicht, so Bürgermeister Thomas Fehling, der potenzielle Fördermöglichkeiten ausschöpfen will.

Wer ist bei dem Projekt mit im Boot?

Für das Mega-Projekt, für das allein 30 einzelne Pläne nur für die Hauptbauphasen vorlägen, muss die DEGES sich nicht nur eng mit der Bahn und der Stadt abstimmen, sondern zum Beispiel auch mit der Telekom, die wegen des Neubaus Leitungen verlegen muss, mit der Polizei und den Rettungsdiensten. Für die Verkehrsanlagenplanung ist als lokaler Partner das Ingenieurbüro Battenberg & Koch mit Niederlassung in Bad Hersfeld mit im Boot. Eine „immense Herausforderung“ seien auch die sehr nah angrenzenden Wohn- und Gewerbebauten.

Was kommt auf Bürger, Besucher und Pendler zu?

Neben den Verkehrsbehinderungen sind Lärm und Staub unvermeidlich. „Es geht nicht ohne Belästigungen“, betonte Eberhardt. Man wolle aber nicht nur beim Abbruch „so schonend wie möglich“ vorgehen und bei den Ausschreibungen auf entsprechende Anforderungen achten. Vollsperrungen werden wohl nur kurzzeitig notwendig sein, allerdings wird die Unterführung voraussichtlich zeitweise nicht passierbar sein. Für diese Zeit sei ein Treppenturm geplant. Applaus erhielt Bürgermeister Fehling für seinen eindringlichen Appell für ein umfassendes Verkehrskonzept inklusive des überregionalen Verkehrs, ähnlich wie beim Hessentag. Sonst drohten bei Unfällen auf der A 4 und A 7 Chaos und Gefahr.

Welche Bedenken gibt es?

Vor den Folgen für den Schulbusverkehr mit dem Rendezvous an der Breitenstraße warnte MSO-Leiter Karsten Backhaus. Immerhin besuchten 3800 Schüler den Obersberg. Man sei mit dem NVV im Gespräch, so Eberhardt. (Nadine Meier-Maaz)

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