Mehr Chancen

Kirchengemeinden haben künftig mehr Entscheidungsfreiheit bei der Nutzung der Kollekten

App statt Klingelbeutel: Kirchen kämpfen um Kollekte
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Ab diesem Jahr können die evangelischen Kirchengemeinden die im Gottesdienst gesammelten Kollekten freier für die eigene Arbeit einsetzen. 

Ab diesem Jahr können die evangelischen Kirchengemeinden im Kreis Hersfeld-Rotenburg die im Gottesdienst gesammelten Kollekten freier für die eigene Arbeit einsetzen.

Hersfeld-Rotenburg – Möglich wird das durch eine Änderung der Kollektenordnung der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck (EKKW): Statt bisher 30 müssen die Gemeinden nur noch zehn Kollekten pro Jahr komplett an die Landeskirche abgeben.

Dr. Frank Hofmann

Künftig gehen von jeder der rund 55 vor Ort verbleibenden Kollekten am Jahresende 85 Prozent in einen Gemeindetopf. 15 Prozent werden für überregionale Empfänger wie Altenheimarbeit, Bahnhofsmission, Telefonseelsorge, Kirchenmusik, Jugendarbeit oder Friedensarbeit eingesetzt – die auch schon vorher über den Kollektenplan der Landeskirche gefördert wurden. Auslöser ist eine Sparmaßnahme, erklärt Pfarrer Lars Hillebold, Referatsleiter Gottesdienst bei der EKKW. So sollen Verwaltungskosten und Buchungsaufwand reduziert werden. „Bargeld ist teuer“, sagt Hillebold. Kleingeldzählungen und Einzahlungen bei einer Bank kosteten heute oft mehr als fünf Euro, viele Einzel-Buchungen verursachten hohen Aufwand.

2019 erhielt die EKKW 190,4 Millionen Euro aus der Kirchensteuer und 1,3 Millionen Euro aus den Kollekten. Im Kirchenkreis Hersfeld-Rotenburg waren es 129 555,10 Euro an Kollekten für die eigene Gemeinde und 40 123,88 Euro für außergemeindliche Zwecke, berichtet Dekan Dr. Frank Hofmann.

Ebenso wie Dekanin Gisela Strohriegl begrüßt er die Neuregelung, die eine radikale Vereinfachung der Verwaltung mit sich bringe und die Verantwortung der örtlichen Kirchenvorstände stärke. Unterstützt würden damit nicht nur Projekte der jeweiligen Gemeinden, sondern zum Beispiel auch die Tafel oder die Partnerschaftsarbeit mit Gemeinden in Indien.  fst/zac

Dekan Hersfeld-Rotenburg

So ist die Lage bei katholischen Gemeinden 

Auch im katholischen Bistum Fulda machen die Kollekten nur einen Bruchteil der Einnahmen aus. 2019 kamen 75,7 Prozent (104 Mio. Euro) der Erträge aus der Kirchensteuer, nur 0,24 Prozent (330 000 Euro) aus Kollekten/Spenden. Jedem Gottesdienst wird ein Zweck zugewiesen – Kollekten für Hilfswerke oder die Priesterausbildung werden weitergeleitet, die für Gemeinden bleiben komplett vor Ort. Zahlen für einzelne Kreise werden nicht erhoben, sagt ein Sprecher. fst/zac

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