Schon mehrfach negativ aufgefallen

Messer ins Knie: Bewährungsstrafe für 21-Jährigen

Bad Hersfeld. Zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe nach Jugendstrafrecht ist jetzt ein 21-Jähriger vom Jugendschöffengericht am Amtsgericht in Bad Hersfeld verurteilt worden.

Zudem muss er einige Auflagen erfüllen, etwa ein Anti-Aggressionstraining besuchen. Die Freiheitsstrafe wurde auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Der junge Mann, der in Pakistan geboren wurde und inzwischen mit seiner Familie von Bad Hersfeld ins Werratal gezogen ist, ist für Gericht und Staatsanwaltschaft kein Unbekannter. Er sah sich gleich vier Anklagen gegenüber, von denen eine wegen Handelns mit Betäubungsmitteln aber letztlich eingestellt wurde.

Verurteilt wurde der Angeklagte wegen gefährlicher Körperverletzung in drei Fällen, einmal in Tateinheit mit Verstoß gegen das Waffengesetz, zwei einfachen Körperverletzungen und einem Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Nach einer zunächst verbalen Auseinandersetzung an der Bad Hersfelder Breitenstraße hatte der 21-Jährige einem jungen Mann aus Afghanistan am 26. Oktober 2017 ein Messer ins Knie gestoßen (wir berichteten damals). Bei seiner anschließenden Festnahme fanden die Polizisten zudem Marihuana.

Die anderen Vorfälle hatten sich bereits im Februar 2017 ereignet. Der Angeklagte räumte im Gerichtssaal alle Vorwürfe weitestgehend ein und gelobte Besserung. 

Beleidigungen sollen Gewalttat vorausgegangen sein

Eigentlich hatte er nur gemütlich mit seiner Freundin spazieren gehen wollen, sagte der 21-Jährige, der sich jetzt vor dem Jugendschöffengericht unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten musste. Am Ende hatte ein fast gleichaltriger Afghane ein Messer im Knie und der Angeklagte lag etwas später von der Polizei festgenommen brüllend am Boden. 

Vor Gericht begründete der Angeklagte den Angriff am 26. Oktober 2017 mit zunächst verbalen Beleidigungen gegenüber seiner Freundin und schließlich der Bedrohung seiner Person mit einem axtähnlichen Gegenstand. 

„Das hat sich irgendwie hochgeschaukelt, wir wollten ganz normal um die Ecke gehen und uns schlagen“, so der 21-Jährige. Dann sei jedoch plötzlich ein zweiter Kontrahent dazugekommen. Er könne sich selbst nicht erklären, warum er so ausgerastet sei, gab der Angeklagte an, fügte aber hinzu: „Der hat mich provoziert, er wollte das unbedingt.“ Dass das mitgeführte Messer verboten ist, habe er indes gewusst. Das Opfer der Messerattacke konnte vor Gericht nicht mehr befragt werden, denn der Geschädigte befände sich inzwischen wieder in seinem Heimatland Afghanistan. Die Verletzung war jedoch in Wort und Bild dokumentiert. Als Zeugen sagten unter anderem zwei weitere junge Männer aus, die im Februar vergangenen Jahres ebenfalls von dem Angeklagten verletzt worden waren. Dem einen soll dieser zunächst ein Handy abgenommen und die Nase gebrochen haben, als er geringfügige Schulden für einen gemeinsamen Bekannten eintreiben wollte. Bei einer späteren Begegnung soll er ihn dann erneut angegangen und verletzt haben. Bei dem Versuch, gemeinsam mit Kumpels besagtes Handy zurückzuholen, kam es außerdem zu einer weiteren körperlichen Auseinandersetzung, in deren Verlauf der Angeklagte mit einer Art Brechstange zuschlug. 

Vieles blieb während der Verhandlung im Detail unklar, die wesentlichen Vorwürfe räumte der 21-Jährige aber selbst ein. Auf die Vernehmung weiterer Zeugen inklusive der Freundin des Angeklagten wurde schließlich verzichtet. 

Kein gutes Bild hat der bereits in Jugendarrest gewesene Ex-Hersfelder bisher bei der Jugendgerichtshilfe gemacht, die ihn als unzuverlässig und reifeverzögert beschrieb. Mit dem Urteil folgte das Gericht dem auch von der Staatsanwalt und der Verteidigung geforderten Strafmaß. Der Angeklagte und sein Verteidiger nahmen selbiges gleich an, es ist damit rechtskräftig. Der 21-Jährige bekommt nun einen Bewährungshelfer an die Seite, er muss jeden Wohnsitzwechsel melden, an einem Anti-Aggressionstraining teilnehmen sowie am Projekt „Voll klar“, ein Angebot der Diakonie, das sich an junge Menschen mit Suchtproblemen richtet. 

Die Bewährung habe der Angeklagte seinem Geständnis zu verdanken, so Richterin Michaela Kilian-Bock, die ihm zudem folgendes mit auf den Weg gab: „Ich will Sie hier nicht wiedersehen, nutzen Sie ihre Chance!“ „Ich kriege die Kurve“, versprach dieser. Im November wird er in einer anderen Sache vor einem anderen Richter des Amtsgerichts sitzen. (nm)

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa

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