Büros für 220 Mitarbeiter

Michael Koch plant Neubau beim Hersfelder Landratsamt

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Landrat Dr. Michael Koch und die Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz zeigen auf die Stelle links neben dem Hauptgebäude des Landratsamts, wo der Anbau entstehen soll.

Hersfeld-Rotenburg. Landrat Dr. Michael Koch möchte die Kreisverwaltung an der Friedloser Straße in Bad Hersfeld um einen etwa 6000 Quadratmeter großen Anbau erweitern.

In dem neuen Gebäudetrakt, der seitlich auf den bisherigen Park- und Garagenflächen entstehen soll, könnten rund 220 Mitarbeiter untergebracht werden, die derzeit an verschiedenen Standorten beschäftigt sind.

„Es gibt viele gute Gründe, die für einen Anbau sprechen, jetzt gilt es, die Kommunalpolitik davon zu überzeugen“, sagt Koch. Der Kreisausschuss und die Fraktionen wurden bereits über das Vorhaben informiert. Auch die Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz steht den Überlegungen „sehr positiv“ gegenüber. Die Entscheidung trifft aber letztlich der Kreistag.

Zwischen zehn und 20 Millionen Euro könnte das Bauvorhaben je nach Ausführung kosten schätzt Koch. Derzeit bezahle der Kreis jährliche „mehrere 100 000 Euro“ an Miete für Außenstellen etwa in der ehemaligen US-Kaserne auf der Hohen Luft, in der früheren Hoechst-Kantine am Europa-Kreisel, im Stadthaus oder Hubertusweg.

Das Luftbild zeigt das Landratsamt an der Friedloser Straße und die derzeitigen Nebengebäude. Auf der Seite der Wever-Hallen (links) könnte innerhalb der blauen Linien der langgestreckte Verbindungsbau zwischen dem alten Landratsamt und dem dahinter gelegenen Trakt entstehen.

Mittelfristig könnten diese Mietkosten gespart werden, rechnet Koch vor. Er könnte sich auch einen Mietkauf vorstellen, bei dem die neue Immobilie nach einer gewissen Zeit ins Eigentum des Kreises übergeht. Koch spricht von einem „Verwaltungs-Campus“ mit kurzen Wegen.

Ein weiteres Argument, das für den Anbau spricht, sind neue Vorgaben für die Leitstelle, die künftig mehr Raum für ihre Arbeit und die Einrichtung von etwaigen Krisenstäben benötigt. Die Leitstelle könnte aus ihren bisherigen Räumen unter dem Dach des Landratsamtes in den bisherigen Kreistags-Sitzungssaal ziehen. Für Sitzung und Veranstaltungen könnte stattdessen im neuen Anbau auch ein Multifunktionsraum entstehen.

Neue Büros statt Hexenhäuschen

Hinter den Kulissen des Landratsamts sieht es nicht besonders einladend aus. Das alte Gebäude, das eigentlich als Kreiskrankenhaus gebaut wurde, ist in die Jahre gekommen und platzt inzwischen aus allen Nähten. Auf dem Hof hinter dem vierstöckigen Landratsamt stehen unansehnliche Garagen, eine Laube und ein Sammelsurium an kleineren Gebäuden, wie etwa dem „Hexenhäuschen“, in denen derzeit einige Büros untergebracht werden sollen.

Hier könnte nach Vorstellung von Landrat Dr. Michael Koch noch in dieser Legislaturperiode ein Anbau entstehen. Er soll die bisherigen Parkplätze auf dem Hof teilweise überspannen und das alte Hauptgebäude des Landratsamtes mit dem dahinter gelegenen neueren Trakt verbinden.

Einsparmöglichkeiten

Koch verweist bei seinen Anbau-Überlegungen auf Einsparmöglichkeiten bei der Miete für die jetzigen Außenstellen. Derzeit sind rund 200 Mitarbeiter des Landratsamtes in angemieteten Büros untergebracht. Außerdem gibt es auch neue Vorgaben für die Unterbringen der Leitstelle. Die derzeit niedrigen Zinsen begünstigen die Pläne für einen Anbau.

Rückendeckung erhält der Landrat von der Ersten Kreisbeigeordneten Elke Künholz. Gerade der ihr unterstelle Sozialbereich platzt derzeit aus allen Nähten. „Wegen diverser neuer Aufgaben, wie etwa dem Unterhaltsvorschuss für den künftig der Kreis zuständig ist, müssen wir neue Stellen schaffen, und diese Mitarbeiter brauchen auch Büros“, erklärt Künholz. Auch die Kommunikationswege könnten durch neue Räume effektiver gestaltet werden. Ein weiteres Argument sei der Datenschutz. Derzeit teilten sich mehrere Mitarbeiter ein Büro und müssten dort oft sehr vertrauliche Gespräche führen, wofür Einzelbüros besser geeignet wären. In dem Anbau könnte zugleich ein großer Multifunktionsraum gebaut werden. Neben den Kreistagssitzungen könnten in dem neuen Saal Besprechungen und Veranstaltungen stattfinden.

Bis zu 200 Veranstaltungen

Die Kreistagssitzungen machten nur einen Bruchteil der Nutzung des Sitzungssaals aus, in dem jährlich bis zu 200 Veranstaltungen stattfinden.

Landrat Koch betont, dass alle Überlegungen noch ganz am Anfang stehen. Für die ersten Planungen wurden die notwendigen Mittel im Haushalt bereitgestellt.

„Jetzt müssen wir die Kreispolitiker von diesem Vorhaben überzeugen – und auf diesen Weg machen wir uns gerade“, sagt Koch. Denn das letzte Wort hat natürlich der Kreistag.

Kommentar von Kai A. Struthoff:

Wenn Politiker Neubauten planen und darin noch dazu die eigenen Leute unterbringen wollen, dann werden die Bürger meist hellhörig. Schnell wird dann der Vorwurf laut, man wolle es sich auf Kosten der Steuerzahler schön machen oder sich gar sein eigenes Denkmal setzen.

Landrat Dr. Michael Koch weiß um diese Befindlichkeiten und geht frühzeitig mit guten Argumenten in die Offensive. Viele Gründe sprechen für einen Anbau: Der Platzbedarf der Verwaltung, kürzere Wege, Einsparungen bei den bisherigen Mietkosten, eine zentrale Anlaufstelle für die Bürger und nicht zuletzt Energieeffizienz in einem modernen Gebäude.

Besonders repräsentativ ist schon das bisherige, immer noch leicht nach Krankenhaus müffelnde Landratsamt nicht. Ein neuer Seitentrakt würde aus dem Gebäude keinen Protzbau machen, wahrscheinlich aber die Arbeit der Verwaltung verbessern. Davon gilt es nun, die Kommunalpolitik zu überzeugen – denn die Entscheidung liegt bei den gewählten Volksvertretern im Kreistag.

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