Feierliche Grundsteinlegung wegen Coronavirus abgesagt

Neues Druckzentrum bei Libri in Bad Hersfeld ist ein Millionen-Projekt

Luftbild von Lars Griesel, Ihr Überflieger, linke Gebäude Libri in Bad Hersfeld
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Libri in Bad Hersfeld: Der Anbau für das eigenen Angaben nach größte und modernste Print-on-demand-Zentrum bei Libri (Komplex rechts im Bild) entsteht aus dieser Perspektive oberhalb der bestehenden Gebäude an der Europaallee links von der A 4 in Richtung Höchster Hütte.

Europas größtes und modernstes Print-on-demand-Zentrum soll am Libri-Standort in Bad Hersfeld entstehen. Die feierliche Grundsteinlegung wurde wegen des Coronavirus aber abgesagt. 

Ursprünglich sollte die Grundsteinlegung am heutigen Mittwoch feierlich begangen werden. Die gemeinsamen Pläne für das neue Druckzentrum auf 20 000 Quadratmetern auf dem ehemaligen Hoechst-Gelände an der Europaallee hatten der Buchgroßhändler Libri und das Schwesterunternehmen BoD (Books on Demand) bereits im Herbst 2018 vorgestellt. Denn ursprünglich hatte mit den Bauarbeiten schon im vergangenen Jahr begonnen werden sollen.  

Zwischenzeitlich wurden aber noch weitere Flächen zugekauft, zudem sei die besondere Lage in den Fuldawiesen mit Blick auf Planung und Umsetzung eine Herausforderung gewesen. Libri und BoD investieren im Firmenverbund einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag, konkreter will man sich dazu nicht äußern.

100 neue Arbeitsplätze bei Produktion und Logistik

Bis Ende 2020 soll das neue Gebäude stehen, sodass der Betrieb 2021 starten könne. Aktuell arbeiten rund 650 Menschen bei Libri in Bad Hersfeld, etwa 100 neue Arbeitsplätze in den Bereichen Produktion und Logistik sollen mit der Standorterweiterung in der Kreisstadt entstehen, wie Franziska Hampel, Leiterin Marketing und PR bei Libri, berichtet.

Die Libri-Schwester BoD ist seit über 20 Jahren Partner für Autoren und Verlage und Anlaufstelle für das Publizieren von E-Books und Büchern ab einem Exemplar. Neu ist nun die Integration in die Libri-Logistik. „Mit der Zusammenführung der BoD-Produktion in die Libri-Logistikabläufe gehen wir den nächsten Schritt, damit Millionen von deutschen und internationalen Titeln auf schnellstem Weg in den Buchhandel kommen“, sagt Jörg Paul, Leiter Logistik bei Libri. „Mit dem Print-on-demand-Zentrum erweitern wir das verlegerische Spektrum, fördern kulturelle Vielfalt und sorgen überall für eine immerwährende und sofortige Verfügbarkeit von Büchern.“

Die Verwaltungen beider Unternehmen bleiben auch nach dem „Zusammenzug“ in Bad Hersfeld in Hamburg und Norderstedt.

Millionen Buchtitel sollen am Morgen nach der Bestellung in der Buchhandlung sein

Leser, Autoren, Verlage und der gesamte Buchhandel sollen von dem neuen Print-on-demand-Zentrum in der Kreisstadt Bad Hersfeld profitieren, mit dessen Bau jetzt begonnen werden soll. „BoD und Libri sorgen gemeinsam für eine unendliche Büchervielfalt“, heißt es in einer Mitteilung zur Grundsteinlegung auf dem ehemaligen Hoechst-Gelände an der Europaallee.

So soll es einmal aussehen: Die Visualisierung zeigt den Libri-Standort samt neuem Print-on-demand-Zentrum.

Da das Titelangebot weiter wachsen, aber die Absätze pro Titel sinken würden, sei die digitale Lagerung aller Titel und die Just-in-time-Herstellung, sobald sie nachgefragt werde, die einzig wirtschaftliche und ökologisch sinnvolle Möglichkeit. Ziel sei es, dass nahezu alle Titel am Morgen nach der Bestellung in der Buchhandlung seien. Die Print-on-demand-Produktion wird mit dem neuen Zentrum vollständig in die Großhandelslogistik mit ihren physisch lagernden Büchern integriert. Bisher wird nur im Norden Deutschlands gedruckt. 

„Mit der digitalen Lagerung und dem Druck ab Bestellung sorgen wir künftig für eine dauerhafte, sofortige und umweltfreundliche Verfügbarkeit von Millionen deutscher und internationaler Titel“, teilen Libri und BoD mit. Man gestalte damit ein einzigartiges Angebot im europäischen Buchmarkt, von dem letztlich alle profitieren würden.

Bad Hersfeld als "logistische Mitte Deuschlands" 

Seit gut zehn Jahren erstrecke sich die Nachfrage auf eine immer größer werdende Anzahl von Titeln. Libri habe sein Lager seit 2014 von 500 000 auf eine Million Titel verdoppelt, denn sofortige Lieferbarkeit führe zu mehr Absatz. Nun arbeite man daran, das sogenannte Longtail-Lager mit allen relevanten Titeln wirtschaftlich zu optimieren. Nach der Longtail-Theorie gewinnen Nischenmärkte beziehungsweise Nischenprodukte im Internetzeitalter gegenüber Massenmärkten beziehungsweise Massenprodukten an Bedeutung. Virtuelle Güter bedeuten geringe Herstellungs-, Lager- und Vertriebskosten, gleichzeitig wird eine Vielzahl potenzieller Kunden angesprochen. 

Blick hinter die Kulissen: So sieht es im Lager des Buchgroßhändlers Libri aus.

Mit Blick auf die Standortwahl für das neue Print-on-demand-Zentrum und die Kooperation teilen die Projektpartner mit: „Bad Hersfeld als logistische Mitte Deutschlands und Logistikstandort von Libri bringt die besten Voraussetzungen mit."

Hintergrund: Book on demand und print on demand

Book on demand heißt so viel wie Buch auf Bestellung. Print on demand steht entsprechend für Druck auf Bestellung. Seit Mitte der 90er-Jahre gibt es das sogenannte Print-on-demand-Publikationsverfahren, das auf Digitaldrucktechnik basiert. Druckvorlagen sind digitale Datensätze, die auf Dauer und nahezu kostenfrei vorgehalten werden können. Zum Druck beziehungsweise zur Produktion kommt es erst nach Bestellung, mitunter wird nur ein Exemplar gedruckt.

Hintergrund: Libri-Logistik sitzt seit rund 20 Jahren in Bad Hersfeld

Libri ist seit über 90 Jahren Handelspartner zwischen Verlag und Buchhandel. Als der Dienstleister Ende der 90er-Jahre an seine Kapazitätsgrenze stieß, fiel die Entscheidung für eine radikale Erneuerung der Logistik – und in Bad Hersfeld in der „logistischen Mitte“ Deutschlands sollte ein hochmodernes Distributionszentrum entstehen, das nach einer Bauzeit von fast zwei Jahren Ende Mai 2000 den Testbetrieb aufnahm. Bei Libri arbeiten je nach Saison insgesamt rund 800 Mitarbeiter.

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