Prozess unterbrochen

Missbrauch auf dem Schulhof? 20-Jähriger soll sich an jungem Mädchen vergangen haben

Ein 20-Jähriger muss sich aktuell wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs vor dem Amtsgericht Bad Hersfeld verantworten.
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Ein 20-Jähriger muss sich aktuell wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs vor dem Amtsgericht Bad Hersfeld verantworten.

Ein 20-Jähriger soll ein junges Mädchen auf dem Schulhof sexuell belästigt haben. Der Prozess gegen ihn wurde nun unterbrochen.

Bad Hersfeld – Weil Aussage gegen Aussage steht, ist am Montag ein Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht Bad Hersfeld unterbrochen worden. Auf der Anklagebank saß ein 20-Jähriger, der vor rund zwei Jahren als Heranwachsender ein damals unter 14 Jahre altes Mädchen gegen dessen Willen zu sexuellen Handlungen gezwungen haben soll.

Konkret ging es um einen Vorfall, der sich am frühen Abend des 23. November 2019 auf dem Schulhof der Werratalschule in Heringen ereignet habe. Laut Anklageschrift soll der junge Mann das Mädchen auf einem Trampolin geküsst und einen Finger in ihre Vagina eingeführt haben. Anschließend sei er ihr noch hinterhergelaufen.

Das Treffen auf dem Schulhof bestätigte der inzwischen in Bad Hersfeld lebende Angeklagte, und ihm sei auch bewusst gewesen, dass das Mädchen noch ein Kind gewesen sei. Alles andere stimme aber auf gar keinen Fall. Zudem seien damals noch andere junge Leute dabei gewesen. „Wir waren nie alleine“, gab er vor Richterin Michaela Kilian-Bock zu Protokoll. Wieso er falsch beschuldigt werde, könne er sich nicht erklären – vielleicht, weil viele seine Familie nicht leiden könnten und er früher „viel Scheiße gebaut“ habe.

Prozess wegen Missbrauch: Mädchen sagt vor Gericht aus

Die Zeugenaussage des heute 14 Jahre alten Mädchens, das den Gerichtssaal anschließend mit Tränen in den Augen verließ, fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Ihr Vater trat im Prozess als Nebenkläger auf.

Weil die Aussage der Zeugin jetzt jedoch in mehreren Punkten von der bei der Polizei abgewichen sei, verständigten sich Gericht, Staatsanwältin, Verteidiger und Nebenklagevertreter nach einem längeren Rechtsgespräch schließlich darauf, ein Glaubwürdigkeitsgutachten einzuholen und den Prozess erst danach fortzusetzen. „Das Gericht muss ohne jeden Zweifel entscheiden können“, erklärte Kilian-Bock dem Mädchen die Situation, zumal das Geschehen bereits zwei Jahre zurückliege.

Auch die zahlreich geladenen Zeuginnen und Zeugen wurden somit ohne Aussage wieder entlassen.

Ein Gutachten über den Angeklagten, der schon in der Kinder- und Jugendpsychiatrie gewesen sein soll, hatte zuvor die Vertreterin der Jugendhilfe im Strafverfahren ins Spiel gebracht. Nicht nur weil er mehrere Termine nicht wahrgenommen habe, sei eine qualifizierte Aussage unmöglich. „Da liegt einiges im Argen“, vermutete sie.

Prozess wegen Missbrauch auf dem Schulhof - Gutachten soll Glaubwürdigkeit prüfen

Die Glaubwürdigkeit von Zeugen hat bei der Beweisaufnahme vor Gericht eine besondere Bedeutung, gerade wenn Aussage gegen Aussage steht und es außer dem mutmaßlichen Opfer und dem mutmaßlichen Täter keine direkten Zeugen gibt. Das Gericht kann in solchen Fällen einen Sachverständigen beauftragen, der die Glaubwürdigkeit des entscheidenden Zeugen mittels Glaubwürdigkeitsgutachten überprüfen soll. Bei Sexualstrafsachen ist dies besonders oft der Fall. (Nadine Meier-Maaz)

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