Ein Besuch im Altenzentrum Hospital: Zuversicht nach zweitem Impfdurchgang

Mit einem „leichten blauen Auge“ durch die Corona-Zeit

Das Foto zeigt von links Gudrun Möller, Pflegefachkraft Nicole Jung und Elisabeth Rothenberger im Aufenthaltsraum des Altenzentrums Hospital in Bad Hersfeld.
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Auch harte Zeiten gehen irgendwann wieder vorbei: von links Gudrun Möller, Pflegefachkraft Nicole Jung und Elisabeth Rothenberger im Aufenthaltsraum des Altenzentrums Hospital in Bad Hersfeld.

Corona stellt die Bewohner von Senorienheimen auf eine harte Probe. Im Altenzentrum Hospital in Bad Hersfeld sind die Bewohner zum zweiten Mal geimpft worden. Wir waren vor Ort.

Bad Hersfeld – Gudrun Möller (76) aus Meckbach und Elisabeth Rothenberger aus Kerspenhausen sitzen im lichtdurchfluteten Gemeinschaftsraum des Evangelischen Altenzentrums Hospital. Ein Schwätzchen am Morgen. Alles sieht ganz normal aus. Wäre da nicht die Pandemie. „Dieses Corona hat alles kaputtgemacht“, sagt Gudrun Möller

Gerade die betagten Bewohner von Seniorenheimen trifft der Lockdown mit den Besuchsverboten besonders hart. „Ich vermisse meine Söhne Udo und Thomas. Obwohl wir viel telefonieren, freue ich mich schon wieder auf ihre Besuche und gemeinsame Ausflüge“, erzählt die Meckbacherin, die auf den Rollstuhl angewiesen ist und seit vier Jahren im Seniorenheim lebt. Ausdrücklich lobt sie die gute Betreuung im Altenzentrum.

Immer an ihrer Seite in diesen schweren Stunden ist Altenpflegerin Nicole Jung, die versucht, es den Heimbewohnern so angenehm wie möglich zu machen. Durch die strengen Kontaktbeschränkungen sind die Pflegekräfte noch mehr als sonst gefordert – auch und gerade als Gesprächspartner, zum Zuhören und auch zum Trösten. „Natürlich ist es viel mehr Arbeit als sonst, aber Corona hat unser Team noch stärker zusammengeschweißt.“

Am Samstag hat Nicole Jung gemeinsam mit 168 Heimbewohnern und Pflegekräften ihre zweite Corona-Impfung erhalten. Sie selbst war zunächst unsicher, ob sie sich impfen lassen soll. „Die Ungewissheit über die Nebenwirkungen hat mir Angst gemacht, denn als Alleinerziehende bin ich doch auch für meine vierjährige Tochter verantwortlich“, sagt sie. Als dann aber eine Bewohnerin des Heims positiv getestet wurde, „hat das bei mir den Schalter umgelegt.“

Die Impfungen hat sie gut vertragen, trotzdem hat Nicole Jung Verständnis für jene Kollegen, die sich nicht impfen lassen. „In unserem Beruf gibt es viele junge Frauen, die vor allem mit Blick auf etwaige Nebenwirkungen bei einer Schwangerschaft skeptisch sind“, erklärt sie.

Das versteht auch Marilyn Karius von der Heimverwaltung. „Bei uns wird niemand gedrängt, trotzdem liegt die Impfbereitschaft bei 90 Prozent“, erzählt sie. Dennoch gab es in den vergangenen Monaten Momente, in denen die Geduld des Teams auf eine harte Probe gestellt wurde. Auch deshalb habe man sich täglich in einer Pandemie-Arbeitsgruppe getroffen und den Austausch gesucht. Sie sei dankbar für „das Vertrauen und das Verständnis der Angehörigen, denn auch für sie – oder vielleicht sogar besonders für sie – ist es nicht leicht“, sagt Marilyn Karius.

Ein gutes Team und strenge Schutzmaßnahmen sind wohl der Grund dafür, dass das Altenzentrum Hospital „bislang mit einem leichten blauen Auge“ durch die Pandemie gekommen ist, wie Heimleiter Ernst-Olaf Mende erzählt. Bei 101 Bewohnern gab es nur zehn Corona-Fälle, aber auch ein Todesfall war zu beklagen. „Wir haben sehr frühzeitig und hartnäckig unsere Schutzmaßnahmen umgesetzt“, erklärt der Heimleiter: Zugangsbeschränkungen, regelmäßige Schnelltests und Fiebermessen. „Das war für alle bitter und die psychologische Belastung ist hoch“, weiß Mende. Aber diese Konsequenz habe sich ausgezahlt, die vergleichsweise niedrige Infektionsrate bestätige den strikten Kurs.

Auch Mende versteht die Impfzurückhaltung gerade junger Mitarbeiterinnen, die im Altenzentrum in Reilos noch etwas ausgeprägter sei als im Hospital. In Reilos gab es allerdings auch noch gar keine Corona-Fälle, sagt Mende. Er meint, es fehle an seriöser Aufklärung in den Medien, stattdessen würden in den sozialen Netzwerken auch viele Gerüchte die Runde machen. Umso glücklicher ist auch der Heimleiter, „dass wir bislang so gut durch die Pandemie gekommen sind.“

Trotzdem sind es harte Monate für alle im Altenzentrum. „Es ist eine schlimme Zeit, aber die geht wieder vorbei“, sagt Bewohnerin Gudrun Möller mit der Gelassenheit des Alters. „Wenn wir ein Tief haben, dann heulen wir auch mal. Aber dann spielen wir gemeinsam eine Runde ,Mensch ärger dich nicht’, und dann geht es wieder“. (Kai A. Struthoff)

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