1. Startseite
  2. Lokales
  3. Rotenburg / Bebra
  4. Bad Hersfeld

Mit Händen, Füßen und Ohren - Dr. Brönneke-Born aus Bad Hersfeld nutzt Ruhestand für Flüchtlingshilfe

Erstellt:

Von: Nadine Meier-Maaz

Kommentare

Dr. Johannes Brönnecke-Born, hier mit dem iranischen Übersetzer Daniel, war in Flüchtlings-Camps in Griechenland im Einsatz..
Dr. Johannes Brönnecke-Born, hier mit dem iranischen Übersetzer Daniel, war in Flüchtlings-Camps in Griechenland im Einsatz.. © Johannes Brönnecke-Born/privat

Dr. Johannes Brönnecke-Born aus Bad Hersfeld nutzt seinen Ruhestand, um für den Verein „German Doctors“ ehrenamtlich Menschen zu helfen. Er betreute Flüchtlings-Camps in Griechenland.

Bad Hersfeld – Im Ruhestand nur die Füße hochlegen, das kommt für Dr. Johannes Brönneke-Born nicht in Frage. Der Allgemeinmediziner und Psychotherapeut aus Bad Hersfeld, der seine 1991 eröffnete Hausarztpraxis vor rund 1,5 Jahren geschlossen hat, war deshalb nun ehrenamtlich für den Verein „German Doctors“ im Einsatz.

Sechs Wochen lang, von Ende Februar bis Anfang April, war der 68-Jährige in griechischen Flüchtlingscamps tätig, um bei der medizinischen Versorgung der in Containern lebenden Menschen zu helfen. Das dortige Projekt betreiben die „German Doctors“ gemeinsam mit der Partnerorganisation Arsis.

Brönneke-Borns berufliche Erfahrung war in gleich in vier verschiedenen Lagern gefragt, von denen drei im Umkreis von rund 60 Kilometern rund um die Hafenstadt Thessaloniki liegen – Nea Kavala, Vagiohori und Diavata. Das vierte – Joannina – befindet sich circa drei Autostunden entfernt im bergigen Südwesten des Landes. Hinzu kamen Einsätze in sogenannten Sheltern für unbegleitete Jugendliche, in denen vor allem Impfaktionen angeboten und ärztliche Atteste ausgestellt werden, die für die Weiterleitung in Flüchtlingsheime oder für den Schulbesuch benötigt werden. „Den meisten fehlt die komplette Grundimmunisierung“, berichtet der ehemalige Hausarzt, der für den Ruhestand nach Möglichkeiten suchte, sich weiterhin zu engagieren.

Ein Kollege machte ihn schließlich auf die Projekte von „German Doctors“ aufmerksam. 2020 besuchte er ein erstes Einführungsseminar und bewarb sich für einen Einsatz in Bangladesch, der aufgrund der Corona-Pandemie allerdings nicht zustande kam. Ebenso scheiterte ein zweiter geplanter Einsatz auf den Philippinen, zu dem der 68-Jährige eigentlich 2021 aufbrechen wollte.

Warten auf den „German Doctor“: Zu Brönneke-Borns Patienten zählten viele Kinder.
Warten auf den „German Doctor“: Zu Brönneke-Borns Patienten zählten viele Kinder. © Johannes Brönnecke-Born/privat

„Ich habe immer sehr gerne gearbeitet und nur der Ruhestand hätte mich nicht befriedigt“, erklärt Brönneke-Born und lacht fast entschuldigend. Denn auch zu Hause legt er die Füße noch nicht hoch. So ist er aktuell noch beim ärztlichen Bereitschaftsdienst aktiv und gibt Kurse an einer Ergotherapieschule.

Männer, Frauen und Kinder aus 25 Ländern von Pakistan bis Elfenbeinküste hat er in Griechenland behandelt. „Viele leben für zwei bis drei Jahre in solchen Camps“, weiß Brönneke-Born. Nicht wenige Kinder kommen im Lager zur Welt. In den regelmäßigen Sprechstunden hatte er mit Infektionskrankheiten, Hauterkrankungen, Rückenbeschwerden, aber auch psychosomatischen Leiden zu tun, und mitunter auch mit Erkrankungen, die hierzulande nicht vorkommen, wie zum Beispiel Lepra.

Hilfe bei der Verständigung bekam Brönneke-Born von mehr oder weniger versierten ebenfalls ehrenamtlichen Übersetzern, mitunter kamen jedoch auch Hände und Füße sowie Handy-Apps und Google-Übersetzer zum Einsatz, dazu noch ein paar Brocken Englisch und Französisch. Doch nicht nur sprachlich war die Arbeit eine Herausforderung, auch medizinisch: Denn für klinische Untersuchungen sind bis auf ein Blutdruck- und Blutzuckermessgerät kaum technische Hilfsmittel vorhanden. Diagnostiziert wird mit den Händen und den Ohren, durch gutes Zuhören. „Da kommt einem die lange Berufserfahrung zugute. Man muss fit in seinem Beruf sein und viel Einfühlungsvermögen haben“, sagt der Mediziner, dem die Geschichten seiner Patienten durchaus nahegingen.

Das griechische Flüchtlingslager Joannina.
Containercamp statt Hausarztpraxis: Das griechische Flüchtlingslager Joannina. © Dr. Johannes Brönnecke-Born/privat

„Die Camps sind oft trostlos und von Stacheldraht umgeben. Bei vielen Menschen herrscht große Hoffnungslosigkeit. Gleichzeitig bieten sie eine gewisse Sicherheit, regelmäßige Mahlzeiten und Betreuung.“ Und auch Konflikte blieben bei so vielen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen auf engem Raum natürlich nicht aus. Er selbst hat während der sechs Wochen in einer simpel eingerichteten, aber zentral gelegenen Altbauwohnung in Thessaloniki gewohnt, von wo aus es dann an fünf Tagen in der Woche zu den verschiedenen Einsatzorten ging.

Berührungsängste kennt Brönneke-Born, der aus einer katholischen und sehr engagierten Familie kommt, nicht: „Ich hatte schon immer Interesse an Menschen aus Randgruppen und mit besonderen Schicksalen.“ In Bad Hersfeld leitete er neben dem normalen Praxisbetrieb jahrzehntelang die Substitutionsambulanz für Heroinabhängige aus dem ganzen Landkreis.

Konkrete Pläne für einen erneuten Auslandseinsatz hat der 68-Jährige mit Rücksicht auf seine Familie noch nicht, aber große Lust auf ähnliche Projekte. „Ich mache das gerne und es hält jung.“ (Nadine Meier-Maaz)

Auch interessant

Kommentare