Ein Zeuge griff ein

Mit Jagdmesser dreimal zugestochen: 29-jähriger Bad Hersfelder vor Gericht

Amtsgericht Bad Hersfeld in der Dudenstraße
+
Amtsgericht Bad Hersfeld in der Dudenstraße

Was genau am 28. März 2020 gegen 18 Uhr vorgefallen ist, blieb beim Prozessauftakt im Detail ebenso unklar wie die Hintergründe der Tat.

Bad Hersfeld – Zu widersprüchlich waren – trotz mehrfacher Nachfragen der Richterin, des Staatsanwaltes und des Verteidigers – nicht nur die Angaben des Angeklagten und des Geschädigten, die noch dazu übersetzt werden mussten. Vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Bad Hersfeld muss sich seit Dienstag ein 29-Jähriger aus Bad Hersfeld wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Staatsanwalt Dr. Jan Peter Hofmann warf dem Angeklagten vor, einen heute 32 Jahre alten Ex-Freund seiner Lebensgefährtin nach diversen Belästigungen zunächst mit dem Auto abgepasst und ihn dann im Verlauf einer handgreiflichen Auseinandersetzung gezielt mit drei Messerstichen im Bereich Hals und Oberkörper verletzt zu haben, um ihn zur Rechenschaft zu ziehen.

Das Opfer trug laut Anklageschrift drei teils tiefe Stich- beziehungsweise Schnittverletzungen davon, von denen eine lebensbedrohlich gewesen sei. Der Mann wurde im Klinikum notoperiert und musste drei Tage im Krankenhaus bleiben, hieß es.

Sowohl das Messer – ein Jagdmesser mit Griff und zackiger Klinge – als auch die Narben des Verletzten wurden im Gerichtssaal in Augenschein genommen.

Die Messerstiche gegen den inzwischen in Italien lebenden 32-Jährigen gab der Angeklagte auch von Anfang an zu. Allerdings habe er sich nur zur Wehr setzen wollen, da er sich von dem ehemaligen Arbeitskollegen schon zuvor massiv bedroht gefühlt habe. Zum Schutz habe er deshalb von einem Freund auch das Messer bekommen. „Ich bin ein zurückhaltender und friedfertiger Mensch“, ließ er über seinen Verteidiger René Bahns mitteilen, man habe in ständiger Unsicherheit und Angst gelebt. Zugestochen habe er im Gerangel.

Gegen den körperlich überlegenen Geschädigten lagen laut Richterin Christina Dern zwei Kontaktverbote vor, nach denen er sich der in Bebra lebenden Partnerin des Angeklagten nicht mehr nähern durfte. Dieser wies die Belästigungsvorwürfe aber von sich und sprach von Geldschulden, die die Frau bei ihm gehabt habe. Zudem habe es sich nicht um eine Liebesbeziehung gehandelt, sondern wohl eher um einen Deal mit Aussicht auf eine Aufenthaltsgenehmigung.

Als Zeuge geladen war am ersten Verhandlungstag ein Freund des Angeklagten, der bei der Tat dabei war und zunächst ebenfalls als Beschuldigter geführt wurde. Das Verfahren wurde allerdings eingestellt. Der Mann bestätigte im Wesentlichen die Version des Angeklagten und berichtete von Drohungen seitens des Geschädigten, der als „mafiöser Gewalttäter“ bekannt sei, auch nach der Eskalation noch.

In die Auseinandersetzung eingegriffen und Polizei und Krankenwagen alarmiert hatte schließlich ein zufällig vorbeikommender 19-Jähriger, der jedoch auch nicht genau bezeugen konnte, wer wen und wie zuerst attackiert hatte. Fortgesetzt wird der Prozess kommende Woche. Dann sollen auch die Verlobte und die Polizisten als Zeugen gehört werden. (Nadine Maaz)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.