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Energiekrise: Wie Sportvereine mit steigenden Kosten umgehen

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Am Schießstand: Kathrin Manns, die Vorsitzende der Hersfelder Schützengilde.
Im Schützenhaus: Kathrin Manns, die Vorsitzende der Hersfelder Schützengilde. © Hartmut Wenzel

Die Energiekrise trifft nicht nur Privatpersonen und Firmen, sondern auch Sportvereine. Denn viele bewirtschaften Sporthallen oder Schützenhäuser in Eigenregie. Wir haben uns bei drei Vereinen im Kreis umgehört.

Hersfelder Schützengilde

Die Hersfelder Schützengilde will für die kalten Wochen des Jahres gut vorbereitet sein. Hessens ältester Verein, der schon 1252 erste Erwähnung fand, heizt mit Gas im vereinseigenen Schützenhaus „Am Jägersgraben“ im Geistal. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir eine relativ moderne Anlage besitzen, die in Intervallen getaktet ist“, sagt Kathrin Manns (36), die erste Vorsitzende des rund 120 Mitglieder starken Vereins. Das heißt, die Anlage heizt nur dann, wenn auch auf der Anlage zu den bestimmten Zeiten Wettkämpfe stattfinden oder trainiert wird – danach schaltet sie automatisch wieder ab. Trotzdem wird der Verein sparen, wo er nur kann. „Das gebietet allein der Respekt vor den steigenden Energiekosten.“ Sowieso wird nur der Luftdruckstand beheizt.

Im Gastraum wurde schon vor langer Zeit eine Trennwand gezogen, sodass nur noch etwas mehr als die Hälfte beheizt werden muss. Kathrin Manns, die zusammen mit ihrem Ehemann Michael der Schützengilde vorsteht, betont: „Wir sparen, wo wir können.“ Allerdings betont sie auch, dass das 1906 errichtete Gebäude, das Anfang der 70-er Jahre erneuert und aufgestockt wurde, in Sachen Energiekosten Optimierungsbedarf besitze – wie so viele Häuser aus dieser Zeit.

Weil Gemütlichkeit vorgehe, überlegen sich die Hersfelder, für den Gastraum einen kleinen Holzofen anzuschaffen. „Holz wäre da, aber es muss auch jemand dann bereit sein, den Ofen zu befeuern“, sagt Manns. Holz schneiden, den Ofen ab und zu auch reinigen – da müssten die Mitglieder dann selbst aktiv werden.

TV Hersfeld

Der TV Hersfeld ist mit etwa 1600 Mitgliedern der größte und zudem einer der ältesten der knapp 300 Sportvereine des Kreises. Die sportliche Bandbreite, die der TVH anbietet, reicht von Badminton, Basketball, Gerätturnen, Fitness und Gesundheit, Reha- und Seniorensport über Handball, Judo, Ju-Jutsu, Karate, Kinderturnen, Leichtathletik, Schwimmen bis hin zu Tischtennis, Turnen und Volleyball.

In der vereinseigenen Jahnhalle trainieren zum Beispiel Turner, Badmintonspieler oder Kampfsportler, während die Handballer die Geistalhalle nutzen, die eine Sportstätte des Kreises ist.

Gunter Grimm
Gunter Grimm, Vorsitzender des TV Hersfeld © CDU Bad Hersfeld

Natürlich macht die Energiekrise mit den stark gestiegenen Preisen für unter anderem Strom und Gas auch dem TVH zu schaffen. Deshalb hat man frühzeitig reagiert und vor etwa einem halben Jahr damit begonnen, die Jahnhalle moderner und energie-effizienter auszustatten. „Wir haben die Flure und Kabinen mit LED-Beleuchtung und zusätzlich mit Bewegungsmeldern ausgestattet“, berichtet Gunter Grimm, der Vorsitzende des TV Hersfeld. Auch die alten, wenig effizienten, Heizkörper seien gegen modernere ausgetauscht worden. Die Regeltemperatur der Fußbodenheizung wurde zudem etwas abgesenkt. Die Miete für externe Nutzer – wie zum Beispiel Rehasportler – hat der Verein laut Grimm „moderat“ angehoben. „Sie zahlen jetzt 15 anstatt bisher 12 Euro“, berichtet der Klubchef.

16 800 Euro betrugen die kompletten Energiekosten für Abwasser, Wasser, Gas und Strom im abgelaufenen Geschäftsjahr für die Jahnhalle. Für dieses Jahr seien laut Information der Stadtwerke drei Cent mehr pro Kilowattstunde Strom zu erwarten, so Grimm. Was die Mehrkosten für Gas anbelange, gäbe es noch keine Angaben. „Wir haben in der Jahnhalle erst einmal das gemacht, was wir als Verein leisten können. Was in Zukunft an Mehrkosten auf uns zukommt, können wir nur abwarten“, sagt Grimm gelassen.

TSV Bebra

„Der Sportbetrieb ist nicht gefährdet.“ Das stellt Matthias Hohmann, Vorsitzender des TSV Bebra, klar. Der Turn- und Sportverein betreibt nicht nur die Sporthalle neben der Biberkampfbahn, sondern auch eine nahe Tennishalle in Eigenregie.

Beide Hallen werden mit Gas beheizt, die Tennishalle bekam erst kürzlich eine neue Heizungsanlage im Zuge einer umfangreichen Sanierung.

Ein Schmuckstück: die Sporthalle des TSV Bebra.
Ein Schmuckstück: die Sporthalle des TSV Bebra. © Rainer Henkel

Die Temperatur in den Hallen wurde mittlerweile etwas gesenkt, aber Hohmann weiß, dass das beispielsweise bei Kindergruppen oder im Rehasport nicht unbegrenzt möglich ist. Der TSV hat Kontakt zu Stadt und Landkreis aufgenommen. Während im Kreis keine Fördertöpfe bereitstehen, gibt es laut Hohmann von der Stadt Bebra die mündliche Zusage, „uns nicht im Regen stehen zu lassen“.

Sollten die Mehrkosten aber nicht mehr zu stemmen sein – der TSV rechnet mit einer Verdopplung oder gar Verdreifachung –, „dann müssen wir natürlich über Hallensperrungen sprechen“, fürchtet der Vorsitzende. Es gibt Notpläne, in die stadt- und kreiseigenen Hallen auszuweichen, „dort müsste dann zusammengerückt werden“, so Hohmann. Allerdings wäre es für ihn ein Unding, wenn die Hallen in Kreis- und Stadtregie letztlich anders als die in Vereinsbesitz behandelt würden. „Wir fordern da auf jeden Fall Gleichbehandlung“, sagt er deutlich.

Hohmann sieht ansonsten die konkrete Gefahr, dass Mitglieder wegbleiben. „Die Menschen gewöhnen sich daran, dass der Sport ausfällt“, ist seine Erfahrungen aus den Coronazeiten. Deshalb brächten die Vereine dringend Unterstützung. Und seitens der Stadt sei diese ja bereits zugesagt.
(Hartmut Wenzel, Sascha Herrmann, Rainer Henkel)

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