1. Startseite
  2. Lokales
  3. Rotenburg / Bebra
  4. Bad Hersfeld

Mit reichlich Pauken und Trompeten - Helgo Hahn, Chorverein und Frankfurter Sinfoniker in der Stadthalle Bad Hersfeld

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Blick aus dem Saal der Stadthalle auf die Bühne beim Eröffnungskonzert der 71. Festspielsaison.
Eröffnungskonzert der 71. Festspielsaison: 200 Besucher waren zu Gast in der Stadthalle. © Steffen Sennewald

Beim Eröffnungskonzert der 71. Festspielsaison in Bad Hersfeld präsentierten der Chorverein, die Frankfurter Sinfoniker und Solisten unter der Leitung von Helgo Hahn festliche Musik von Mozart.

Bad Hersfeld – „Neu ist ... Mozarts Fähigkeit, bei vollkommener Wahrung der großen Form in blitzschnellen Wendungen mitten im scheinbar Konventionellen das Ernste, Tiefe, Großartige anzuschlagen.“ Das schrieb der bedeutende Mozart-Biograf Alfred Einstein über die Messe C-Dur KV 317. Ihren Beinamen „Krönungsmesse“ bekam sie nach einem angeblichen Gelöbnis Mozarts, eine Gedenkfeier für das gekrönte Gnadenbild der Gottesmutter in der Wallfahrtskirche Maria Plain oberhalb Salzburgs musikalisch zu verschönern.

Diese jubelnde C-Dur-Messe vom März 1779 bestückte am Sonntagabend den zweiten Teil des Eröffnungskonzerts der 71. Bad Hersfelder Festspielsaison. Coronabedingt waren in der Stadthalle nur 200 Besucher zugelassen, die am Ende freilich mit Beifall nicht sparten.

Noch mehr gab es nach langer Zwangspause zu feiern: Das 150. Bestandsjahr des Chorvereins, zu dem an prominenter Stelle Landrat Torsten Warnecke als Sponsor mit einem Scheckbetrag gratulierte, außerdem einen neuen Vereinsvorstand mit Eckardt Bode an der Spitze und natürlich die neu erwachte sängerische Aktivität. Die Mozartmesse war dafür gut gewählt: nicht zu lang, nicht zu schwierig, nicht zu tiefgründig. Genie blitzt -– wie oben zitiert – nur momentweise auf. Mozart scheint sich der Pflicht eher widerwillig zu entledigen. Mit raschen Tempi, mit reichlich Pauken- und Trompeteneinsatz, mit knapp abgehandelten klingenden Statements, die hauptsächlich durch die textlich-musikalische Großform zusammengehalten werden.

„Nur geschwinde!“, das ist oft Mozarts Aktionsmodus, von der „Entführung“ bis zur „Zauberflöte“ und auch in vielen instrumentalen Werken. Helgo Hahn als Dirigent hielt sich daran, gern mit halb- und ganztaktigen Schlagbewegungen. Und seine 42 Chormitglieder folgen ihm kompakt, reaktionsschnell und präzise (mit kleiner Irritation im „Crucifixus“ des „Credo“-Teils). Durch die wenigen verhaltenen Passagen schimmerte aber auch Beseelung durch. Die Solistenpartien handelt Mozart ebenfalls recht pauschal ab. Einen Minutenzauber konnte Elsbeth Reuter im Sopransolo des „Agnus Dei“ für sich verbuchen. Auch die anderen Drei – Kaja Plessing (Alt), Hubert Schmid (Tenor) und Rolf A. Scheider (Bass) – hatten sich in Bad Hersfeld schon oft bewährt.

Die A-Dur-Sinfonie KV 201 (aus April 1774) ist unter Mozarts vielen Jugendwerken eines der besten. Auch hier geht alles rasch, einfach, profilstark in den Themen und dynamisch kontrastreich zu. Die erfahrenen Frankfurter Sinfoniker führten viel Drive, auch Eleganz, ein paar Ungenauigkeiten, im Ganzen jedoch, wie sie vielleicht sagen würden, einen gesunden Puls vor. Ganz zu Beginn erklang die ukrainische Nationalhymne.

Im Spätjahr steht beim Chorverein wieder einmal Karl Jenkins’ „Stabat Mater“ auf dem Programm. (Siegfried Weyh)

Auch interessant

Kommentare