Von Erfolgen und Misserfolgen

Zwischen den Zeilen: Nach der Wahl ist vor der Wahl

Mit dem Ergebnis der Kommunalwahl befasst sich Kai A. Struthoff in seiner Kolumne Zwischen den Zeilen.

Kai A. Struthoff

„Wir gewinnen zusammen, und wir verlieren zusammen“, schreibt der frühere CDU-Kreisvorsitzende, Hauetals Bürgermeister Timo Lübeck, nach der bitteren Wahlklatsche für seine Partei bei Facebook. Das ist ehrenwert, aber tatsächlich hat der Erfolg viele Väter, der Misserfolg aber ist ein Waisenkind. Es müssen bittere Stunden für den abgewählten Landrat Michael Koch sein, der unpopuläre, aber notwendige Entscheidungen angeschoben hat und dafür jetzt abgestraft wurde. Politik ist manchmal ungerecht.

In der Kreis-CDU gab es deshalb nach dem Wahldebakel wohl ziemlich klare Worte, denn die Partei hat sich nicht gerade geschlossen präsentiert und dafür nicht nur bei der Wahl, sondern auch in vielen Gemeindeparlamenten die Quittung kassiert. Deshalb wurden dem Vernehmen nach auch Konsequenzen gezogen: Ursprünglich wollte wohl der neue Kreisvorsitzende Andreas Börner aus Rotenburg bei der Bundestagswahl gegen Michael Roth antreten. Nun hat er offenbar zurückgezogen, so hören wir. Auch ein anderer Kandidat aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg scheint nicht in Sicht zu sein, sodass es nun vielleicht auf den Bürgermeister von Wanfried, Wilhelm Gebhard, herauslaufen könnte. Er gilt im Werra-Meißner-Kreis als smarter Typ, der sich viel zutraut und Wahlkampf kann. Hier bei uns ist er freilich nur bei Insidern bekannt.

Und noch eine spannende Personalie steht an: Wer wird eigentlich Erster Kreisbeigeordneter unter dem neuen Landrat Torsten Warnecke? Es ist ein offenes Geheimnis, dass er und „Vize-Landrätin“ Elke Künholz seit dem letzten Landratswahlkampf, na, sagen wir mal, nicht so gut miteinander können. Ohnehin hatte die beliebte und fachkompetente Elke Künholz schon angekündigt, altersbedingt keine weitere Amtszeit anzustreben. Und nun? Da Torsten Warnecke zwar gut vernetzt, sehr beliebt und politisch erfahren, allerdings kein Verwaltungsfachmann ist, wäre er gut beraten, sich die entsprechende Kompetenz an die Seite zu holen. Dafür gibt es in der SPD durchaus einige fachlich qualifizierte Kandidaten. Vielleicht bindet aber Warnecke auch eine Oppositionspartei ein, was ein cleverer Schachzug wäre. Im Werra-Meißner-Kreis ist das seit Langem guter Brauch.

Auch in anderen Parteien fielen mir geeignete Leute ein, die zugleich Mehrheiten sichern könnten. Noch hält sich Warnecke bedeckt. Verständlich. Aber dass er ein geschickter Stratege ist, das hat er unter Beweis gestellt.

Zum Abschluss noch ein Glückwunsch: „Unser“ Schaustellerpfarrer Volker Drewes – der Mann mit der Drehorgel – feiert sein 25-jähriges Dienstjubiläum als Seelsorger des fahrenden Volkes. In einem Interview mit einem Fachblatt verriet er seinen größten Wunsch für die Zeit nach Corona: Mit Dankbarkeit auf einen Festplatz gehen und das Leben feiern. Ach ja, das möchte ich auch! (Kai A. Struthoff)

Rubriklistenbild: © LUDGER KONOPKA

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