Überfall und Randale

„Hatten Angst um unser Leben“: Tankstellen-Pächter sind schockiert

Nur die kaputte Tür zeugt noch von der Randale: In der Total-Tankstelle an der Carl-Benz-Straße ist am Sonntagmorgen ein 18-jähriger Iraker festgenommen worden. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Einen Tag nach dem Überfall auf ihre Total-Tankstelle an der Carl-Benz-Straße sind die Pächter Erwin und Irina Klingspon immer noch sichtlich geschockt – und verärgert.

Die beiden standen am Sonntag im Laden, als um kurz nach 9 Uhr ein schwarz gekleideter junger Mann eintrat. Die Kapuze tief ins Gesicht gezogen und laute Rap-Musik hörend.

Drei Päckchen Zigaretten habe er kaufen wollen, doch dann habe er in gebrochenem Deutsch plötzlich „einhundert Euro, sofort“ gefordert.

Unter der Jacke des Täters kommt eine dicke Metallkette wie bei einem Fahrradschloss zum Vorschein. Mit dieser schlägt er auf das Regal am Tresen ein, bevor er weiteren Schaden anrichtet. Auch Süßigkeiten steckt er ein.

„Der war offenbar vorbereitet“, meint Erwin Klingspon mit Blick auf die Bewaffnung. „Der hat sich hier wohl gefühlt und uns wie Dreck behandelt“, sagt seine Frau, die nach dem Vorfall unter Schock stand und ärztlich behandelt werden musste. „Wir haben schon einiges erlebt, aber das war das Schlimmste“, sind sich die Klingspons einig. Selbst zwei Überfälle mit vorgehaltener Waffe scheinen das Pächterehepaar weniger beeinflusst zu haben.

„Da wusste man was passiert und es war schnell vorbei“, erklärt Erwin Klingspon. „Am Sonntag hatten wir Angst um unser Leben“, sagt Irina Klingspon. „Diese kalten Augen werde ich nie vergessen.“ Die 55-Jährige flüchtete in die Büroräume, ihr Mann wollte den Randalierer aussperren, doch irgendwie sei dieser dann im Laden eingesperrt gewesen.

Mit der Metallkette schlägt er immer wieder gegen die Tür, er versucht es mit Tritten und vollem Körpereinsatz.

Ein Video von dem sonntäglichen Überfall hat Erwin Klinspon auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht. Vom deutschen Rechtsstaat ist der 61-Jährige offenbar enttäuscht. „Die Politik hat versagt“, meint der Tankstellenbetreiber. Dass der 18-jährige Iraker wieder auf freiem Fuß ist, macht Erwin Klingspon wütend. „Die lachen uns doch aus.“

Kein Haftgrund

Der Randalierer wurde bei der Polizei vernommen und erkennungsdienstlich behandelt. „Ein Haftgrund lag nach der Strafprozessordnung nicht vor“, erklärt Polizeipressesprecher Manfred Knoch. „Der junge Mann mit festem Wohnsitz wird behandelt wie jeder andere auch.“ Bei dem 18-Jährigen handelt es sich um einen anerkannten Asylbewerber, der als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling in den Landkreis gekommen ist.

Laut Kreissprecher Dirk Herrmann wurde der Betreuer des jungen Mannes informiert, bei dem dieser nun vorsprechen muss. Der Amtsarzt soll eventuell Aufschluss über möglichen Drogenmissbrauch bringen. „Solche Taten sind nicht tolerierbar und nicht hinnehmbar. Bei der eindeutigen Sachlage wundert es mich, dass keine U-Haft angeordnet worden ist“, sagt Sozialdezernentin Elke Künholz. (nm)

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