Zu wenig Geld und Personal

Naturtourismus: Matthias Glotz sieht nicht nur Bad Hersfeld schlecht aufgestellt

Das Bild zeigt ein Schild für Wanderer mit Einschussbeulen am Wanderparkplatz Lange Heide in Bad Hersfeld.
+
Mit dem Anbringen von Schildern für Wanderer alleine ist es nicht getan. Sie müssen auch regelmäßig erneuert werden, wie dieses schief stehende Schild mit Einschussbeulen am Wanderparkplatz Lange Heide zeigt.

Kulturell ist die Stadt Bad Hersfeld zwar mit den Festspielen ganz gut aufgestellt, in Sachen „Natur und Kultur“ scheint es jedoch erheblichen Handlungsbedarf zu geben.

Bad Hersfeld - Das machte Matthias Glotz, Leiter des Fachbereichs Stadtmarketing, bei einer Sitzung des Ausschusses für Soziales und Sport deutlich. Dort ging es um den Sachstand und einen Aktionsplan als Reaktion auf einen Antrag der SPD-Fraktion vom Juni, in dem der Magistrat beauftragt wurde, ein Konzept für Wander-, Spazier- und Nordic-Walking-Wege sowie Mountain- und E-Bike-Touren unter dem Thema „Natur und Kultur“ zu erstellen.

Was Matthias Glotz und seine Kollegin Nacy Hampel zu berichten hatten, war wenig erfreulich. Der Trend gehe seit einiger Zeit zur Freizeit in der Natur und auch zum Urlaub im eigenen Land. Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg gebe es aber dafür eine schwache Infrastruktur, sagt Glotz. Was zum Beispiel zertifizierte Premium-Wanderwege angehe, da sei die ganze Region zwischen Fulda und Kassel, Alsfeld und Heringen ein großes Loch auf der hessischen Landkarte. Es gebe kaum entsprechende Wege. Dabei suchten Wandertouristen gezielt im Internet nach gut beschilderten und begehbaren, abwechslungsreichen Wegen durch die Natur mit schönen Ausblicken, Ruhebänken und einer Anbindung an Städte und Dörfer, in denen dann auch Sehenswürdigkeiten oder kulturelle Veranstaltungen zu erleben seien und die ein ansprechendes gastronomisches Angebot bereit hielten.

Bei diesem Thema müsse man über die Stadtgrenzen hinausdenken, machte Glotz deutlich. Alle Kommunen entlang eines Wander- oder Radweges müssten mitmachen, das Thema müsse beim Landkreis verortet werden. Gute Chancen sieht Glotz in der Assoziation zum neu gegründeten Naturpark Knüll. Dort sei die Ausweisung von 22 neuen, zertifizierten Wegen geplant, die die ganze Region diesbezüglich aufwerten könnten.

Generell bemängelte Glotz, dass alle touristischen Organisationen, wie die Grimmheimat Nordhessen oder das Rotkäppchenland oder eben auch der Fachbereich Stadtmarketing in Bad Hersfeld mit viel zu wenig Geld und viel zu wenig Personal in Anbetracht der Fülle der Aufgaben ausgestattet seien. Er sprach von „schwachen Strukturen“ und einen Rückstand von zehn bis 15 Jahren. Die Stadt und der Kreis müssten hier investieren und finanzieren, betonte Glotz. In Bad Hersfeld sollten nun drei Wege neu ausgewiesen werden und zwar gemeinsam mit dem Hersfelder Wanderverein, sagt Glotz" Kollegin Nancy Hampel: Der Katharinenweg, der bereits fertig sei, der Stellerskuppenweg und der Haukuppenweg. Zusammen mit dem Kinderweg Solztal seien das 25 Kilometer Wanderwege, die das traditionelle Wanderpublikum bedienten.

Alleine mit dem Ausweisen sei es aber nicht getan. Wege müssten unterhalten und gepflegt und die Beschilderung regelmäßig überprüft werden, machte Hampel deutlich. Sowohl die Ausweisung als auch die Unterhaltung kosteten Geld. In den vergangenen Jahren sei aber so gut wie nichts investiert worden, stellte Matthias Glotz fest. Im Haushalt sollten deshalb zunächst 40 000 Euro für die laufende Unterhaltung eingestellt werden. Er regte an, dann Schritt für Schritt weiter vorzugehen.

Bei den Fernradwegen sieht Glotz die Stadt Bad Hersfeld dagegen gut aufgestellt. Der Fuldatalradweg und der Deutschlandradweg von Bonn nach Berlin seien gut bewertet. Auch nach Bewertungen suchten Touristen. (Christine Zacharias)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.