Zwischen Optimismus und Enttäuschung

Neubaustrecke Fulda-Gerstungen: Südkreis hofft weiter auf ICE-Bahnhof Bad Hersfeld

Bad Hersfeld soll weiterhin ICE-Halt bleiben. Das wünschen sich die meisten Bürgermeister im Kreis. Nach den neuesten Plänen stehen die Chancen dafür ganz gut. Arcjov
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Bad Hersfeld soll weiterhin ICE-Halt bleiben. Das wünschen sich die meisten Bürgermeister im Kreis. Nach den neuesten Plänen stehen die Chancen dafür ganz gut. Arcjov

Beim jüngsten Beteiligungsforum der Bahn hat das Unternehmen die möglichen Verläufe der Neubaustrecke Fulda-Gerstungen durch den Landkreis Hersfeld-Rotenburg weiter ausgedünnt.

Hersfeld-Rotenburg – Überraschend Konkurrenz bekommt der ICE-Halt Bad Hersfeld aus Unterhaun – ein Bahnhof auf der grünen Wiese im Haunecker Ortsteil wird nun geprüft. Wir haben erste Reaktionen zusammengetragen.

Im Hersfelder Kreisteil fällt die Reaktion positiv aus: „Ich war die ganze Zeit optimistisch, dass die neue Schnellbahntrasse letztlich über den Bahnhof in Bad Hersfeld führen wird – und dieser Optimismus ist jetzt weiter gestärkt worden“, sagt Paul Niewerth, der Sprecher des Aktivbündnisses Waldhessen, einem Zusammenschluss von Bürgerinitiativen rund um die Bahntrasse. Vieles spreche weiterhin für die sogenannte „Hersfeld-Variante“, zumal der Nutzen für die Bürger bei einem ICE-Halt in Bad Hersfeld am höchsten wäre. Niewerth zeigt Verständnis dafür, dass auch ein möglicher ICE-Halt in Unterhaun geprüft wird, weil sich dort, ebenso wie in Mecklar, zwei Bahnstrecken kreuzen. Dennoch hält Niewerth einen ICE-Bahnhof in Unterhaun für eher unwahrscheinlich.

Das sieht auch Haunecks Bürgermeister Harald Preßmann so, für den der Vorschlag der Bahn für einen Bahnhalt in seiner Gemeinde völlig überraschend kam. „Wir haben aber viel zu wenig Platz für einen Bahnhof und die nötige Infrastruktur“, sagt der Bürgermeister, zumal auch Pendlerparkplätze und die nötigen ÖPNV-Anschlüsse vorgehalten werden müssten. Hinzu kommt, dass im vorgesehenen Bereich am Fuße des Johannesbergs am nördlichen Zipfel von Unterhaun auch viele Entsorgungsleitungen in Richtung Kläranlage Bad Hersfeld verliefen. Auch das Flüsschen Haune und die Autobahn würden das in Frage kommende Gebiet zwangsläufig begrenzen. Preßmann favorisiert deshalb weiterhin Bad Hersfeld als optimalen Standort.

In der Kreisstadt selbst fühlt man sich nach dem Bahnforum bestärkt. Bürgermeister Thomas Fehling ist zwar im Urlaub, hatte aber online an der Veranstaltung teilgenommen. „Wir sind zuversichtlich, dass Bad Hersfeld weiterhin die meisten Pluspunkte bei der Abwägung eines ICE-Bahnhofs hat“, sagt Rathaus-Sprecher Meik Ebert nach dem Forum. Die Bahn hatte angekündigt, bei der endgültigen Entscheidung auch Infrastrukturberechnungen, etwa die erwarteten Fahrgäste sowie die Anbindung, zu berücksichtigen. Hier sei der wirtschaftliche Nutzen in Bad Hersfeld am höchsten, sagt Ebert.

Verhaltener fallen die Reaktionen im Nordkreis aus. „Es gibt im Ronshäuser Rathaus keine Freudensprünge“, sagt Bürgermeister Markus Becker. Denn nun steht fest: Alle vier verbliebenen Trassen laufen südlich der Gemeinde zusammen und weiter in Richtung Hönebach. Für Becker ist beim Aussortieren der Bahn der für Ronshausen schlechteste Steckenverlauf übrig geblieben. Er soll parallel zu den bestehenden Gleisen oberirdisch und nicht wie andere Vorschläge weiter östlich in Tunneln geführt werden, die auch durch Konflikte mit dem unterirdischen Salzabbau sehr kostenintensiv wären. „Die Belastung für die Ronshäuser muss trotz steigender Zugzahlen aber geringer werden“, so der Bürgermeister, der daher einen besseren Schallschutz auch für die Bestandsstrecke fordert.

Bebras Stadtentwicklungschef Stefan Pruschwitz lässt durchschimmern, dass er beim Beteiligungsforum nicht allzu warm empfangen worden ist. Pruschwitz hatte im Vorfeld kritisiert, dass die Bahn und die im Forum vertretenen Interessensgruppen eine Beteiligung der SEB erst auf mehrfaches Drängen ermöglicht hatten. „Ich muss das erst einmal sacken lassen“, so Pruschwitz mit Verweis auf die Fülle der präsentierten Informationen. Sein Eindruck sei allerdings, dass Bad Hersfeld als Fernverkehrshalt favorisiert wird. Ob es noch zur Gründung eines Vereins kommt, der für Bebra als ICE-Bahnhof kämpfen soll, werde in der kommenden Woche entschieden. Pruschwitz: „Für uns ist der Standort Mecklar spannend, weil er nah dran ist am Nahverkehrsknoten Bebra.“ (kai/cig)

Michael Roth: Gute Chancen für die Kreisstadt

Unter den nach dem jüngsten Bahnforum verbleibenden vier Trassenkorridoren der Neubaustrecke Fulda-Gerstungen durch den Landkreis Hersfeld-Rotenburg sei eine „vielversprechende Variante über den Bahnhof in Bad Hersfeld“, so der Staatsminister und heimische Bundestagsabgeordnete Michael Roth (SPD) in einer Pressemitteilung. „Die Chancen für den Fortbestand des Fernverkehrshalts in der Festspielstadt haben sich damit deutlich erhöht.“

Die Streckenführung über Bad Hersfeld bringe viele Vorteile für die ganze Region mit sich – auch, weil bereits vorhandene Infrastruktur genutzt werden könne und betriebliche Flexibilität gewährleistet sei. Lob hat Roth auch für die Planer der Bahn: „Alle Trassenvorschläge, auch die aus der Mitte der Bevölkerung, werden anhand objektiver Kriterien sorgfältig geprüft. Jetzt sollten wir Tempo machen bei den Planungen, damit wir rasch Klarheit darüber haben, wie es mit dem größten und wichtigsten Infrastrukturprojekt im Landkreis weitergeht.“

Bei allem derzeit vorherrschenden Optimismus warnt die Bebraer Ortsgruppe der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL): Der „Wunsch nach einem Halt in Bad Hersfeld“ sei lediglich auf einer von vier Trassen möglich. Der von der Bahn neu ins Spiel gebrachte ICE-Halt Unterhaun habe aber den klaren Nachteil, dass die stark befahrene Bestandsstrecke erst ganz im Süden entlastet werde. Die zunehmende Verlagerung auf die Schiene beim Güterverkehr werde aber unweigerlich zu mehr Verkehr auch in unserem Landkreis führen.

„Fatal wäre es, die gleichen Fehler wie vor 40 Jahren bei der Trassenführung der bestehenden Schnellfahrstrecke Würzburg-Hannover zu wiederholen“, heißt es in dem Schreiben der GDL. Die Strecke führt zwar durch den Landkreis Hersfeld-Rotenburg – einen Halt gibt es allerdings nicht. (red/cig)

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