Für Autofahrer soll sich aber nichts ändern

Neue GmbH des Bundes übernimmt Autobahnen im Kreis Hersfeld-Rotenburg

Das Archivfoto zeigt den Umbau des Kirchheimer Dreiecks mit Baufahrzeugen im Vordergrund.
+
Eines der größten Autobahn-Projekte in der Region: Der Umbau des Kirchheimer Dreiecks hat im Dezember 2015 begonnen und dauert voraussichtlich bis Ende 2025. Ab Januar werden die Arbeiten von der Außenstelle Fulda der neuen Autobahn-GmbH betreut.

Zum Jahreswechsel übernimmt der Bund von den Ländern den Bau und die Unterhaltung der Autobahnen. Das gilt somit auch für die Fernverkehrsstraßen im Kreis Hersfeld-Rotenburg.

Hersfeld-Rotenburg - Für die Fernverkehrsstraßen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg ist damit ab 1. Januar nicht mehr die landeseigene Straßenbauverwaltung Hessen Mobil zuständig, sondern die Niederlassung Nordwest in Hannover der im Jahr 2018 gegründeten Autobahn GmbH des Bundes. In der Hand von Hessen Mobil bleibt weiterhin die Betreuung der Bundes-, Landes und Kreisstraßen.

„Im Idealfall werden die Autofahrer den Wechsel auf den Autobahnen nicht bemerken“, betont Peter Wöbbeking, der bislang regionaler Bevollmächtigter bei Hessen Mobil für Osthessen war und künftig die Außenstelle Fulda, eine von insgesamt sechs Dependancen der Autobahn-Niederlassung Nordwest, leitet. Für die Autobahnen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg wird neben Fulda auch die Außenstelle Kassel zuständig sein. Die Aufgabenverteilung sei dabei nicht strikt geografisch, sondern orientiere sich an Tätigkeitsberiechen und Projekten erklärt Wöbbeking. So seien die Autobahnmeistereien Hönebach mit Stützpunkt in Kirchheim, Alsfeld und Fulda – und damit der Betrieb der Autobahnen in der Region – der Außenstelle Fulda zugeordnet. Von dort aus werde auch, wie schon jetzt bei Hessen Mobil, der Umbau des Kirchheimer Dreiecks koordiniert. Der Ausbau der A 4 falle in die Zuständigkeit der Außenstelle Kassel, die mit 110 Mitarbeitern personell stärker aufgestellt sei als Fulda mit rund 60 Beschäftigten. „Die Außenstelle Kassel ist tatsächlich ein Standort mit langer Autobahn-Tradition“, sagt auch deren Leiter Bernhard Klöpfel.

Neben den Außenstellen in Kassel und Fulda unterhält die Niederlassung Nordwest auch ein Projektbüro in Eschwege, in dem sich rund 20 Beschäftigte um die Planung der Erhaltungsmaßnahmen für die A 4 sowie die Planung von Ausbau und die Erhaltung der Tunnelanlagen der A 44 kümmern werden.

Bisher hat der Bund als Eigentümer der Autobahnen nur das Geld bereitgestellt, während die Länder für Planung, Bau und Betrieb zuständig waren. Durch die Bündelung der Aufgaben bei der neuen Autobahn-GmbH soll künftig schneller und effizienter geplant und gebaut werden können. Vorerst nicht integriert wird jedoch die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges), die Großprojekte wie Brücken oder neue Autobahnabschnitte plant. Grund sind verfassungsrechtliche Bedenken des Bundesrechnungshofs. Peter Wöbbeking geht davon aus, dass die erwarteten Synergieeffekte mittelfristig spürbar werden. In der Anfangsphase stehe ein möglichst reibungsloser Übergang von den 16 Landesstraßenbauverwaltungen zur bundesweiten GmbH im Vordergrund.

Mit den Aufgaben der Autobahnverwaltung wechseln nach Auskunft von Hessen-Mobil-Sprecher Joachim Schmidt zum 1. Januar auch rund 900 Mitarbeiter – rund ein Drittel der Beschäftigten der Landesbehörde – zur Autobahn GmbH sowie zum Fernstraßen-Bundesamt. „Sie hatten im Zuge des regulären Betriebsübergangs die Wahlmöglichkeit, Beschäftigte des Landes Hessen zu bleiben oder Beschäftigte der Autobahn GmbH beziehungsweise des Fernstraßen-Bundesamts zu werden“, erklärt Schmidt.

Nach aktuellen Stand werden rund 80 Prozent der betroffenen Hessen-Mobil-Beschäftigten ihren Arbeitgeber wechseln. Die nicht wechselbereiten Landesbediensteten werden künftig auf Basis der Personalgestellung oder Zuweisung für den Bund bei der Betreuung der Autobahnen tätig sein. Fotos: Jan-Christoph Eisenberg/AUTOBAHN GMBH/

Hessen Mobil setzt neue Schwerpunkte

Für Hessen Mobil sei mit dem Wegfall der Autobahn-Betreuung eine Neuausrichtung verbunden, erklärt Pressesprecher Joachim Schmidt.

Diese folge – neben den im Koalitionsvertrag festgeschriebenen Vorgaben hessischer Verkehrspolitik – insbesondere dem Ziel, transparente Strukturen zu schaffen. Alle bisherigen Standorte von Hessen Mobil behielten dabei ihren derzeitigen regionalen Zuschnitt. „Die beiden künftigen Abteilungen Planung und Bau sowie Betrieb und Verkehr werden für die operative Umsetzung der klassischen Aufgaben einer Straßen- und Verkehrsverwaltung wie Sanierungsoffensive, Radwegeprojekte, Ingenieur- und Brückenbauwerke, Ortsumgehungen, Verkehrssteuerung und Straßenbetriebsdienst verantwortlich sein“, verdeutlicht Schmidt. In jeder der sechs Regionen werde es für diese beiden Abteilungen jeweils einen verantwortlichen Leiter geben, der einerseits für die operative Umsetzung der vereinbarten Projekte und Maßnahmen verantwortlich sei und andererseits als regionaler Ansprechpartner bei fachlichen Angelegenheiten Hessen Mobil als Behörde nach außen vertrete – etwa gegenüber der regionalen Politik.

Den Zielvorgaben hessischer Verkehrspolitik solle die künftige Abteilung Mobilität und Radwege gerecht werden. „Handlungsfelder dieser neuen Abteilung sind Schienenverkehr, öffentlicher Personennahverkehr, Netzkonzepte, Radverkehr, Wirtschaftsverkehr, Nahmobilität, Verkehrssicherheitskonzept, Förderung von Maßnahmen nach dem Mobilitätsfördergesetz und die Beratung von Verkehrs-Aufgabenträgern“, erklärt der Hessen-Mobil-Sprecher, der zum 1. Januar zur neuen Autobahn-GmbH wechseln wird. Mit Ausnahme des Bereichs Verkehrsinfrastrukturförderung, der in der Region vertreten sein werde, um die Zuwendungsempfänger direkt beraten zu können, werde diese neue Abteilung zunächst jedoch keinen weiteren Unterbau in den Regionen des Landes haben. (Jan-Christoph Eisenberg und Boris Naumann)

Autobahnnetz soll fit für die Zukunft gemacht werden

Die Verlagerung der Bundesfernstraßenverwaltung von der Länder- auf die Bundesebene steht auch im Zusammenhang mit der Neuregelung der Finanzbeziehungen sowie des Finanzausgleichs zwischen Bund und Ländern. Ziel ist es, effizientere Strukturen sowie bundesweite Qualitätsstandards zu etablieren. „Damit soll das deutsche Autobahnnetz fit für die Zukunft gemacht werden“, sagt Bernhard Klöpfel, Leiter der Außenstelle Kassel. Die zunehmende Digitalisierung des Verkehrs und der Verkehrssteuerung – auch was großräumige Umleitungen betrifft –, die aufkommende E-Mobilität sowie autonomes Fahren seien nur einige Themen, die Lösungen aus einem Guss mit Blick auf das Autobahnnetz erforderten. „Wenn da jedes Land weiter eigene Sache machen würde, würde es schwer werden, einheitliche Konzepte und Standards zu entwickeln“, sagt Klöpfel. In jedem Fall blieben durch die Reform das ganze Know-how und die guten Kontakte zu den Landesstraßenbaubehörden erhalten. „Wir sehen das an Kassel: Das Kollegium hat sich ja nicht groß geändert – nur, dass die mit Autobahnaufgaben betrauten Mitarbeiter von Hessen Mobil dann für den Bund arbeiten werden.“ Die enge Zusammenarbeit mit den Kollegen von Hessen-Mobil, die sich weiter um Bundes-, Landes-, und Kreisstraße kümmern, werde damit weiter laufen. Das sei wichtig, denn egal, ob es um Autobahnen oder das nachgeordnete Straßennetz ginge: „Das alles zusammen bildet einen einzigen Verkehr, der immer als Ganzes betrachtet werden muss.“ (bon)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.