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Zwischen den Zeilen: Neue Partner, tote Dichter und leere Läden

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Von: Christine Zacharias

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Christine Zacharias
Christine Zacharias © Maaz, Nadine

Mit dem Wandel in der Bad Hersfelder Innenstadt, Städtepartnerschaften und Neuansiedlungen befasst sich Christine Zacharias in der Kolumne Zwischen den Zeilen.

Der Krieg in der Ukraine lässt auch den scheidenden Bad Hersfelder Bürgermeister Thomas Fehling nicht los. Entsprechend einer Anregung von Bundespräsiden Frank-Walter Steinmeier hat Fehling den Stadtverordneten jüngst vorgeschlagen, eine Städtepartnerschaft mit einer ukrainischen Stadt einzugehen. Wenn die Stadtverordnetenversammlung dies wünschen sollte, wäre er persönlich bereit, sich im kommenden Jahr darum zu kümmern.

Er wolle dann Kontakte knüpfen, Vorschläge ausarbeiten und die ins Auge gefasste Stadt dem Magistrat oder auch der Stadtverordnetenversammlung vorstellen. Auch wenn die Distanzen weit seien, erachte er eine Städtepartnerschaft als vielversprechendes Instrument, um bei Wiederaufbau der Ukraine zu helfen. So habe beispielsweise auch die Partnerschaft mit Sumperk in den vergangenen Jahrzehnten viele wertvolle Impulse gegeben und einen Know-how-Transfer ermöglicht, so der Bürgermeister.

Der „Club der toten Dichter“ in der Fassung von Joern Hinkel und Tilman Rabke wandert hinaus in die Welt. Das umjubelte Theaterstück wird im kommenden Jahr auch in Bad Vilbel bei den Burgfestspielen zu sehen sein. Das Original gibt es allerdings weiterhin nur in Bad Hersfeld auf der Bühne der Stiftsruine – zum dritten Mal. Wer dann allerdings den Lehrer Keating spielen wird, ist noch nicht bekannt.

Beim Schlendern durch die Bad Hersfelder Innenstadt kann man zurzeit schwermütig werden. Immer mehr Läden stehen leer, weitere kündigen ihre Schließung an. Der Schuhladen „Reno“ schließt noch diese Woche, das Traditionsgeschäft „Jeans Riegel“ macht Ausverkauf, ebenso Meyers Home am Linggplatz – dort wird die Tür am 15. Dezember endgültig zu gemacht. Ende Februar schließt dann auch das „Tausendschön“ in der Weinstraße seine Pforten. Die Ursachen für die Schließungen sind vielfältig: persönliche Lebensplanung, fehlendes Personal, gesunkene Umsätze, dem Vernehmen nach auch mal Konflikte mit dem Vermieter. Jeder hat seinen eigenen Grund, aufzuhören. Da aber überwiegend inhabergeführte Läden betroffen sind, einige auch mit einem hochwertigen Angebot, das von Touristen und Festspielgästen geschätzt wird, tun die Schließungen der Einkaufsstadt richtig weh. Immerhin, an anderer Stelle tut sich was: Die bereits im Sommer geschlossene Bad- und Wohngalerie am Hanfsack wird gerade zurückgebaut. Dann wollen die Eigentümer in Ruhe nach einem neuen Konzept suchen. Der ehemalige Stoffladen gegenüber von der City-Galerie hat jetzt Fenster bekommen, drinnen wird eifrig gearbeitet. Und auch aus der früheren Kaufhalle, zuletzt Adler, hört man Arbeitsgeräusche. Bäcker Nolte in der Breitenstraße erweitert sein Café – es ist also durchaus noch Bewegung in der Stadt. Hoffen wir, dass das Stadtmarketing bald wieder einen kreativen Kopf an die Spitze bekommt, der daran arbeitet, die Stadt wieder zu beleben.

Zur Eröffnung des neuen Kabel-Zwischenlagers für die Suedlink-Trasse in Röhrigshof wurde quasi im Nebensatz noch eine weitere Neuansiedlung auf dem ehemaligen Werra-Plastic-Gelände bekannt gegeben: In das Verwaltungsgebäude des früheren Kunststoffwerks wird neben den Mitarbeitern von TransnetBW auch die Praxis eines Arbeitsmediziners einziehen. Das allerdings lässt Raum für Spekulationen: Der mit Abstand größte Arbeitgeber im Werratal hält für dieses Aufgabenfeld bislang noch eigenes Personal vor.

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