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Neue Stolpersteine in Bad Hersfeld und Niederaula verlegt

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Von: Mario Reymond

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Teilnehmer bei Verlegung der Stolpersteine im Kreis stehend vor der Kirche in Niederaula
Besonderes Lied: Zu Beginn der Stolperstein-Aktion vor der evangelischen Kirche in Niederaula sangen die Teilnehmer „Hevenu schlom aljchem“ ( Wir wünschen Frieden euch allen“). © Mario Reymond

Der Berliner Künstler Gunter Demnig hat im Gedenken an die jüdischen Opfer des Naziregimes in Deutschland Stolpersteine verlegt: drei in Bad Hersfeld und 13 in Niederaula.

Bad Hersfeld/Niederaula – An der Dudenstraße 27 in Bad Hersfeld zeigte sich dabei der Erste Stadtrat Gunter Grimm froh über diese besondere Aktion und er hieß den Künstler Gunter Demnig herzlich willkommen.

„Das ganze Ausmaß der Verfolgung von Menschen, die alleine deshalb verfolgt wurden, weil sie Juden waren, sowie die detailbesessene Planung der Mordmaschinerie in den Vernichtungslagern, sie übersteigen jedes Vorstellungsvermögen.

Es ist die Aufgabe der Gegenwart, von uns allen, dafür zu sorgen, dass verbrecherische Abschnitte unserer Vergangenheit nicht aus dem Gedächtnis gelöscht werden“, sagte Grimm. In Bad Hersfeld erinnern nun 78 dieser Stolpersteine an ehemalige jüdische Mitbürger.

Ebenso wie Grimm hob die Grünen-Bundestagsabgeordnete Awet Tesfaiesus die besondere Qualität dieser Stolpersteine hervor: „Sie sind Mahnmale, auf die man trifft, ohne sie gesucht zu haben.

Ihre Allgegenwärtigkeit erinnert uns daran, dass der Schrecken nicht nur auf Orte wie Dachau oder Auschwitz begrenzt war. Der Terror an Nachbarn, Freunden und Kollegen begann mitten in unseren Städten“, sagte Tesfaiesus. Und sie mahnte Erinnerung an, denn erinnern heiße verändern.

Zu den beiden Stolperstein-Aktionen in Bad Hersfeld und Niederaula hatte der Rotenburger Mitorganisator und Historiker Dr. Heinrich Nuhn auch Nachkommen der Menschen vor Ort erwartet, an die gestern mit den Stolpersteinen erinnert wurde.

Jedoch sei dies aus vielerlei Gründen nicht möglich gewesen, so Nuhn, der allerdings eine Nachricht von Robert Daniel aus New Jersey erhalten hatte. Darin äußerte dieser, dass sich seine Familie geehrt fühle, dass Mitglieder der eigenen Familie bei diesem unglaublichen Stolperstein-Projekt berücksichtigt würden.

„Die Stolpersteine verfolgen das Ziel, die Erinnerung an frühere Bewohner Ihrer Stadt deren jetzigen Bewohnern in besonderer Weise ins Bewusstsein zu rufen“, so Daniel. Er selbst war 1980 mit seinem Vater Edgar zu Besuch in Niederaula und Bad Hersfeld. Mein Vater war sehr stolz und glücklich, seine Heimatstadt zu besuchen und einige Klassenkameraden zu treffen“, erinnert sich Robert Daniel.

In Niederaula hatte derweil Pfarrer Werner Ewald erwähnt, dass die Stolpersteine an alle Menschen erinnern mögen, die ihre Heimat unfreiwillig verlassen mussten, die vertrieben wurden. Für ihn sei an dieser Aktion ganz besonders wichtig, dass Namen genannt werden, die so nicht in Vergessenheit geraten würden.

Und seine Hersfelder Kollegin Ann-Cathrin Fiß erhofft sich von den besonderen Steinen, dass darüber nicht nur die Füße, sondern auch die Herzen stolpern mögen.

Die gerade in Niederaula von einer breiten Masse getragene Stolperstein-Aktion – dort gibt es gar einen Arbeitskreis Stolpersteine – hat aber auch einige wenige Kritiker. So hatte Bürgermeister Thomas Rohrbach vor einigen Tagen ein anonymes Schreiben eines ewig Gestrigen erhalten, der das alles für nicht gut befand. „Wir lassen uns von so etwas nicht Schrecken“, verdeutlichte Rohrbach an den Verfasser des Pamphlets gerichtet.

(Mario Reymond)

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