Leben wie andere auch

Neues Wohnprojekt der Lebenshilfe in Bad Hersfeld

Das Foto zeigt Annika, Patrik und Nadine in ihrer Wohnung bei der Lebenshilfe. Dafür, dass alles klappt, sorgt Caroline Engel. Im Hintergrund zeigt ein Dienstplan mit
+
Annika, Patrik und Nadine leben gerne gemeinsam in der eigenen Wohnung bei der Lebenshilfe. Dafür, dass alles klappt, sorgt Caroline Engel. Im Hintergrund zeigt ein Dienstplan mit

Die Lebenshilfe hat in Bad Hersfeld eine neue Wohngruppe ins Leben gerufen, um drei jungen Menschen dieses selbstständige Leben zu ermöglichen.

Bad Hersfeld – Menschen mit Behinderungen haben das gleiche Recht auf ein selbstbestimmtes Leben wie alle anderen auch. So sieht es die UN-Behindertenrechtskonvention vor, die in Deutschland im Jahr 2009 ratifiziert wurde. Die Lebenshilfe hat nun in Bad Hersfeld eine neue Wohngruppe ins Leben gerufen, um drei jungen Menschen dieses selbstständige Leben zu ermöglichen.

Annika, Nadine und Patrik, die nur ihre Vornamen in der Zeitung sehen wollen, leben wie in einer Wohngemeinschaft zusammen. Jeder von ihnen hat ein eigenes Zimmer, das nach dem persönlichen Geschmack eingerichtet wurde. In der Wohnung gibt es zwei Bäder, eine Küche, einen Hauswirtschaftsraum, Wohn- und Esszimmer.

Die Mahlzeiten können gemeinsam eingenommen werden – oder aber einzeln jeder für sich, ganz nach Wunsch. Auch den Speiseplan gestalten die drei Bewohner gemeinsam und finden in der Regel einen Kompromiss, mit dem alle glücklich sind.

Natürlich funktioniert so eine Wohngemeinschaft bei Menschen mit großem Hilfebedarf nur mit Unterstützung. Dafür sind Caroline Engel und weitere fünf Mitarbeiterinnen (teilweise in Teilzeit) zuständig, Sie moderieren die Alltags- und Freizeitplanung und begleiten die drei Bewohner bei ihren Aktivitäten. Auch beim Einkaufen, Kochen, Aufräumen und Putzen ist Anleitung und Unterstützung notwendig.

Und natürlich auch bei allen finanziellen Fragen. Patrik, Nadine und Annika haben die freistehende Wohnung im ersten Stock über den Räumen der Lebenshilfe gemietet. Alle Unterstützungsleistungen müssen sie sich einkaufen – bei einem ambulanten Betreuungsdienst, bei der Lebenshilfe oder anderen Trägern. Und das muss natürlich finanziert werden. Für die ersten fünf Jahre wird das Projekt, das in Hessen Modellcharakter hat, von der Aktion Mensch unterstützt. Auch der Landeswohlfahrtsverband ist mit im Boot.

„Menschen mit geistiger Behinderung und hohem Unterstützungsbedarf haben bisher kaum Alternativen für die Lebensgestaltung, auch wenn sie gerne bei den Eltern ausziehen möchten“, erklärt Caroline Engel. Meist blieb nur die Unterbringung in einem Betreuungs- oder Pflegeheim – jetzt heißt das korrekt „besondere Wohnform“.

Da es bei der Lebenshilfe im Familien unterstützenden Dienst (FUD) sowohl Personen gab, die an dem Modellprojekt Interesse hatten, als auch eine Wohnung und mit Caroline Engel eine Leiterin gefunden wurde, entschloss sich der Verein, das Projekt „MitLeben – Wohnen wie andere auch“ zu wagen, berichtet Geschäftsführerin Sonja Ley.

Patrik, Annika und Nadine sind jedenfalls sehr glücklich über ihre Wohngemeinschaft. „Das ist meine Familie“, betont Patrik. Es findet es schön, auch etwas zusammen unternehmen zu können. „Mir gefällt es hier sehr gut. Wir passen aufeinander auf“, erklärt Nadine. Und Annika, die sehr still ist, nickt eifrig. Sie hat sich für das Zeitungsfoto extra schick gemacht.

Nadine erzählt voller Vorfreude, dass sie am nächsten Tag ins Kino gehen will, in ihrem Lieblingsfilm „Ostwind“. Für Annika ist diese Woche noch ein Einkaufsbummel geplant. Und Patrik will ebenfalls in die Stadt: zum Eisessen und um einen Bundesligaplaner zu kaufen. (Christine Zacharias)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.