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Nick Hoffmann aus Schlitz verkauft auf dem Weihnachtsmarkt Mutzen

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Von: Laura Hellwig

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Er liebt seinen Job: Nick Hoffmann kommt seit 2014 auf den Weihnachtsmarkt nach Bad Hersfeld..
Er liebt seinen Job: Nick Hoffmann kommt seit 2014 auf den Weihnachtsmarkt. © Laura Hellwig

Der Weihnachtsmarkt in Bad Hersfeld ist für Nick Hoffmann ein Heimspiel. Sonst ist der Puppenspieler aus Schlitz in ganz Deutschland unterwegs.

Bad Hersfeld – Nick Hoffmann steht vor seiner Mutzen-Bude im Bad Hersfelder Stiftsbezirk, Zigarette zwischen den Fingern. Er plaudert mit anderen Standbetreibern, es ist wenig los zu dieser Zeit am Mittag. „Das Wetter....“ sagt Hoffmann achselzuckend. Der 42-Jährige ist seit 24 Jahren selbstständig mit seinem mobilen Puppentheater, die süßen Teigwaren verkauft er nur auf dem Bad Hersfelder Weihnachtsmarkt – sein Wintergeschäft. Seit 2014 betreibt er die Bude auf dem Weihnachtsmarkt.

Hoffmann stammt aus einer Puppenspielerfamilie. „Ich bin da hineingeboren worden“, sagt er. Auch seine vier Geschwister sind in der Branche zuhause. Seine Frau Jasmin hat er über seinen Beruf kennengelernt – auch ihre Familie sind Puppenspieler. Ihr Zuhause haben die Hoffmanns, gemeinsam mit ihrer achtjährigen Tochter, in Schlitz-Queck. Der Weihnachtsmarkt ist für Nick Hoffmann damit nicht nur Saison-Abschluss, sondern auch Heimspiel. Von Dezember bis März wird dann nicht im Wohnwagen übernachtet, sondern in der geräumigen Wohnung.

Vor allem auch seine Tochter freut jedes Jahr auf Zuhause und auf die Freunde in der Heimat, erzählt Nick Hoffmann. Wenn die Familie mit ihrem mobilen Puppentheater in Deutschland unterwegs ist, wechseln sie etwa alle zwei Monate ihren Standort. Das bedeutet dann für die Achtjährige, die gerade neu gewonnen Freunde wieder zu verlassen und sich wieder in einer neuen Schule zurechtzufinden. Dabei sind nicht nur die wechselnden Freunde ein Problem, auch der Schulunterricht sei jedes Mal ganz anders, sagt er. Auch für die Schulen sei es etwas besonderes, ein reisendes Puppenspieler-Kind in der Klasse zu haben.

„Früher hatten wir es da schwerer. Wenn wir nur zwei Wochen irgendwo waren, hat man uns in die Ecke gesetzt und kaum beachtet“, erinnert sich der 42-Jährige an seine Schulzeit.

Bei ihrer Stückauswahl orientieren sich die Komödianten an dem, was bei den Kindern gerade beliebt ist, was sie aus Kino und Fernsehen kennen. „Den Kaschperle, mit dem ich aufgewachsen bin, kennen heute die Wenigsten“. Seine Tochter übernimmt jetzt auch schon mal eine Gastrolle. Ob sie das Geschäft eines Tages mal übernimmt, das möchte ihr Vater ihr selbst überlassen.

Dann kommt Kundschaft. Nick Hoffmann verschwindet in seiner weißen Kochjacke hinter dem Verkaufstresen, Der 42-Jährige bindet den jungen Mann, der eine Portion Churros bestellt hat, wie selbstverständlich ins Gespräch ein. Der Puppenspieler ist ein fröhlicher Mensch, seinen Kunden gibt er gerne ein Lächeln mit auf den Weg. „Man muss das hier einfach lieben“, sagt er. Nur beim Fotografieren wird er etwas zurückhaltend: „Ich bin so gar nicht fotogen“, sagt er und versucht, nicht zu verkrampft auszusehen.

Ernst wird Hoffmann, als er auf die vergangenen Corona-Jahre zu sprechen kommt, Während Pandemie-Hochzeiten, als die Familie kein Geld mit dem Puppenspielen verdienen konnte, haben Hoffmann und seine Frau sich mit Minijobs über Wasser gehalten. „Ich war immer mein eigener Chef. Das war einfach nicht meine Welt“, resümiert er.

Einigermaßen ist wieder Normalität eingekehrt. Voller Vorfreude erwartet der Vater jetzt die Feiertage. „Weihnachten ist unser Fest“. Zusammen sein mit der Familie, Plätzchen backen, Baum schmücken, gemeinsam essen. Der Heilige Abend ist für die Familie mit vielen Traditionen verbunden, auch der Kirchenbesuch in Queck gehört dazu.

Die Zeit mit der Familie ist für Nick Hoffmann wertvoll. Sollte sich Raum für Freizeit bieten, geht der 42-Jährige leidenschaftlich gerne angeln. „Das ist mein allergrößtes Hobby“, fängt er sofort an zu schwärmen. Gemeinsam mit anderen angelnden Puppenspielern hat sich eine feste Truppe gebildet, die regelmäßigen Kontakt hält und ihre „Reisende Angelmeisterschaft“ veranstaltet.

Wenn der Wintermarkt in Bad Hersfeld vorüber ist, macht das mobile Puppentheater zwei Wochen Pause. Danach bespielen Nick und Jasmin Hoffmann die Region rund um ihren Wohnort und ab März geht es dann wieder auf Tour, zu den Kindergärten, Schulen und sonstigen Puppenspielorten in Deutschland. „Das ist einfach aufregend, man sieht immer etwas anderes. Ein normaler Job würde mich wahrscheinlich langweilen“. (Laura Hellwig)

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