Neue Serie

Oldtimer-Schätzchen in neuem Glanz: Bad Hersfelder hat DKW 3=6 restauriert

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61 Jahre altes Luxus-Coupé: Mit dem DKW 3=6 startete Auto Union in den 50er-Jahren wieder voll durch. Der deutsche Hersteller verkaufte von dem Modell von 1955 bis 1959 insgesamt 137 800 Wagen. Die vier Ringe auf dem ovalen Kühlergrill symbolisieren den Zusammenschluss der vier Marken Audi, DKW, Horch und Wanderer.

In einer neuen Serie stellen wir talentierte Schrauber aus Hersfeld-Rotenburg und ihre Oldtimer vor. Der Auftakt: Fritz Habermehl mit seinem DKW 3=6 von Auto Union.

Wenn Fritz Habermehl bei bestem Cabriowetter eine Ausfahrt ins Grüne machen möchte, hat er die Qual der Wahl: Der 90-jährige Bad Hersfelder besitzt nämlich nicht nur einen Oldtimer, sondern gleich gut ein halbes Dutzend aus gut einem halben Dutzend Jahrzehnten. Doch eines haben sie alle gemeinsam: vier Ringe auf dem Kühlergrill.

„Wenn, dann Audi“, sagt Habermehl. Seine Vorliebe für die Autos mit dem markanten Markenzeichen, das für den Zusammenschluss von Audi, DKW, Horch und Wanderer steht, ist eng mit seiner beruflichen Vergangenheit verknüpft. Fritz Habermehl ist gelernter Kfz-Mechaniker, begann 1944 beim Autohaus Limberger in Bad Hersfeld (damals DKW-Händler) und war später Werkstattleiter im Autohaus Fink. Kurzum: Er hatte vor allem mit Audi-Modellen und deren Vorgängern zu tun.

Ein Oldtimer-Schätzchen in neuem Glanz: Der DKW 3=6 von Auto Union in Bildern

 © Sebastian Schaffner, Carolin Eberth
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 © Sebastian Schaffner, Carolin Eberth
 © Sebastian Schaffner, Carolin Eberth
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 © Sebastian Schaffner, Carolin Eberth
 © Sebastian Schaffner, Carolin Eberth
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 © Sebastian Schaffner, Carolin Eberth
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 © Sebastian Schaffner, Carolin Eberth
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 © Sebastian Schaffner, Carolin Eberth
 © Sebastian Schaffner, Carolin Eberth
 © Sebastian Schaffner, Carolin Eberth

Einer seiner Favoriten, die er liebevoll in Eigenarbeit restauriert hat, ist ein Luxus-Coupé DKW 3=6 von Auto Union, Baujahr 1959. „Es war auch das Lieblingsauto meiner verstorbenen Frau“, sagt er. Mit der etwas seltsamen Modellbezeichnung 3=6 sollte damals suggeriert werden, dass der ventillose Dreizylinder-Zweitakter die gleiche Leistung wie ein Sechszylinder-Viertakter entfalten könnte. 

Voll versenkbar: Per Handkurbel verschwinden die Seitenscheiben des heute seltenen Oldtimers.

„In Wahrheit war der Zweitakter nicht sehr beliebt“, erinnert sich Habermehl. Kurbelwellenschäden sorgten dafür, dass der DKW F 102, ein Nachfolgemodell des 3=6, Mitte der 60er-Jahre der letzte westdeutsche Serien-Pkw mit Zweitakter war.

Der 3=6 war das Geschenk einer langjährigen Kundin

Dass Fritz Habermehl überhaupt in den Besitz des Coupés kam, verdankt er einer langjährigen Werkstattkundin. 1959 hatte er das Auto vom Werk persönlich an sie ausgeliefert. „Ich bin also schon die ersten Kilometer mit dem Auto gefahren.“ 18 Jahre später wollte die Frau sich ein moderneres Modell anschaffen, einen VW Golf. „Als sie ihren Neuwagen bekam, hat sie mir ihren alten einfach geschenkt.“

Die 18 Betriebsjahre sah man dem Auto zwar durchaus an. Habermehl störte sich aber nicht daran: „Ich ahnte, dass dieses Modell einmal eine Rarität sein wird.“

Originalzustand: Bis auf die neu gepolsterten Sitze erstrahlt das Luxus-Coupé in altem Glanz.

Der Kfz-Mechaniker zerlegte den 3=6 komplett und gönnte ihm eine originalgetreue Generalüberholung. Wie viel Zeit und Geld er investiert hat? „Ich habe es nicht gezählt.“

Die Mühe hat sich aber gelohnt. Heute, 61 Jahre nachdem das Coupé in Düsseldorf vom Band gelaufen ist, ist von den 117 000 gefahrenen Kilometern so gut wie nichts zu sehen. Im Gegenteil: Ob des optisch makellosen Zustands könnte es auch im Ingolstädter Audi-Museum stehen. „Ich bin pedantisch belastet“, sagt Habermehl über sich. Das sieht man all seinen Fahrzeugen an – egal ob Audi 100, NSU Ro 80 oder DKW-Motorrad samt Beiwagen.

Regelmäßige Ausflüge sind gut für den Motor

Trotz seines hohen Alters ist der rüstige Rentner, der in den 50er-Jahren mehrfacher hessischer Geländemeister auf dem Motorrad war, immer noch oft unterwegs mit seinen alten Schätzchen. „Man muss sie regelmäßig fahren, das ist besser für die Motoren.“

Kostete 275 D-Mark Aufpreis: Auf Wunsch wurde der DKW 3=6 auch mit Saxomat ausgeliefert, einer elektro-pneumatischen Kupplung. Diese Halbautomatik-Technik konnte sich aber nicht durchsetzen.

Automobile Ausflüge rund um seine Heimatstadt – dabei will Fritz Habermehl es jetzt auch belassen. Denn eines steht für den 90-jährigen Audi-Fan fest: „Noch ein Auto werde ich mir nicht mehr anschaffen.“

Wir stellen auch Ihr Oltdtimer-Schätzchen vor

Besitzen auch Sie ein altes Schätzchen? Haben Sie aus einer Rostlaube einen glänzenden Oldtimer gemacht? Oder aus einem Allerweltsauto einen Hingucker? Dann melden Sie sich bei uns per E-Mail an rotenburg@hna.de oder redaktion@hersfelder-zeitung.de, mit einem Brief an die HNA Rotenburg-Bebraer Allgemeine oder die Hersfelder Zeitung, Stichwort „Oldtimer“, Benno-Schilde-Platz 2, 36251 Bad Hersfeld. 

Autogramm: Auto Union DKW 3=6

  • Geschwindigkeit (km/h): 123
  • 0 - 100 km/h (Sekunden): 31
  • Hubraum (ccm): 906
  • Zylinder: 3
  • KW/PS: 29/40
  • Verbrauch (l/100 km): 10
  • Leergewicht (kg): 950
  • Baujahr: 1959
  • Originalpreis: etwa 7000 DM

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