1. Startseite
  2. Lokales
  3. Rotenburg / Bebra
  4. Bad Hersfeld

Philosoph Richard David Precht beim Sparkassen-Forum in Bad Hersfeld

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Christine Zacharias

Kommentare

Unser Bild zeigt (von links) die Sparkassenvorstände Thomas Walkenhorst und Reinhard Faulstich, Richard David Precht und Markus Pfromm beim Sparkassenforum in der Bad Hersfelder Schilde-Halle.
600 Besucher waren in die Bad Hersfelder Schilde-Halle gekommen, um einem inspirierenden Vortrag des Philosophen Richard David Precht beim Sparkassen-Forum zu lauschen. Unser Unser Bild zeigt (von links) die Sparkassenvorstände Thomas Walkenhorst und Reinhard Faulstich, Richard David Precht und Markus Pfromm. © Laura Hellwig

Aktualisiert am 4. Juni um 15:37 Uhr.

„Verändern Krisen unsere Gesellschaft?“ Dieser Frage ging der Philosoph, Publizist und Autor Richard David Precht beim Sparkassen-Forum am Freitagabend in der Schilde-Halle in Bad Hersfeld nach.

Bad Hersfeld - Jede Krise verändert eine Gesellschaft, beantwortete Richard David Precht gleich zu Beginn seines Vortrags dessen eher rhetorische Fragestellung. Der bekannte Philosoph, Publizist und Autor, der in diesem Jahr zu Gast beim Sparkassen-Forum in der Bad Hersfelder Schilde-Halle war, wünscht sich jedoch, dass diese Veränderungen bewusst gestaltet werden und dass dabei Aspekte der Nachhaltigkeit und der Gerechtigkeit eine entscheidende Rolle spielen.

„Wir befinden uns in der schwierigsten Situation, in der die Menschheit je war“, lässt Precht es nicht an Dramatik fehlen. Es gehe jetzt darum, die Überlebenschancen zukünftiger Generationen zu sichern. Und die dafür nötigen Veränderungen seien viel zu langsam. Sie müssten zudem global gedacht werden, denn wenn die Menschen auf der Südhalbkugel keine Lebensgrundlagen mehr hätten, bliebe ihnen nichts anderes übrig, als nach Norden zu wandern.

Dabei seien die Probleme, die durch die Ausbeutung der Natur, Mobilität, immer mehr Konsum und Luxus für das Klima entstünden seit Jahrzehnten bekannt. Doch die Menschen seien nicht bereit, das zu glauben, was sie wüssten und daraus die nötigen Konsequenzen zu ziehen.

Die Politik handele, so monierte Precht, nicht strategisch, also auf ein langfristiges Ziel ausgerichtet, sondern taktisch, immer nur an der nächsten Wahl orientiert. Politiker, die mit anderen Ideen an die Öffentlichkeit gingen, würden sofort medial geschlachtet.

Richard-David Precht beim Sparkassen-Forum in der Schilde-Halle in Bad Hersfeld.
Richard-David Precht beim Sparkassen-Forum in der Schilde-Halle in Bad Hersfeld. © Steffen Sennewald

Precht hat es sich zur Aufgabe gemacht, solche anderen Ideen in die Öffentlichkeit zu tragen und Diskussionen anzustoßen, um Veränderungsprozesse planvoll und zukunftsorientiert zu gestalten, anstatt immer wieder von Krisen und Katastrophen überrascht zu werden.

Eines seiner Themen ist die gravierende Veränderung unserer Erwerbsgesellschaft. Precht erläuterte eine Oxford-Studie über die Zukunft der Arbeit, die unter anderem zu dem Schluss kam, dass viele Berufe durch Maschinen und künstliche Intelligenz überflüssig gemacht werden könnten. Als Reaktion darauf sei auch eine Veränderung des Bildungssystems nötig, um Kindern ihren Wissensdurst und ihre Motivation zu erhalten, anstatt sie ihnen abzuerziehen.

Zudem lebten wir inzwischen in einer Sinngesellschaft, in der es den Menschen nicht in erster Linie darum geht, überhaupt eine Arbeit zu haben, sonder wo sie das Ziel hätten, ein gutes Leben zu haben.

Der Philosoph ist überzeugt, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen sowohl für den Fachkräftemangel eine Lösung sein kann als auch für die Krise des Rentensystems. Die Umlagefinanzierung funktioniere angesichts der demografischen Veränderungen nicht mehr.

Seinen Vortrag, den der Philosoph eigens mit Impulsen, die er vom Sparkassenvorstand Reinhard Faulstich und Moderator Markus Pfromm bekommen hatte, angereichert hatte, würzte er immer wieder auch mit Humor, sodass auch alle diejenigen, die sich im Vorfeld Gedanken gemacht hatten, ob so ein philosophischer Vortrag nicht hochgestochen und langweilig sei, mit vielen Anregungen zum Nachdenken.

Unternehmen ist gut aufgestellt

Jede Krise erfordert auch von der Sparkasse eine Veränderung, eine flexible Reaktion. Das machte Vorstandsvorsitzender Reinhard Faulstich deutlich, der zu Beginn des Forums einen kurzen Überblick über die wirtschaftliche Situation gab. So habe die Corona-Pandemie unter anderem dazu geführt, dass die digitalen Angebote enormen Zuwachs erfahren hätten. Trotzdem erbringe die Sparkasse als regionaler Anbieter nach wie vor ihre Dienstleistungen im persönlichen Kontakt, betonte Faulstich.

Sparkassen-Vorstand Reinhard Faulstich.
Sparkassen-Vorstand Reinhard Faulstich. © Steffen Sennewald

Die Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg habe ihr Geschäftsjahr mit einem soliden Ergebnis abgeschlossen und freue sich über gute Wachstumsraten und überwiegend zufriedene Kunden. „Die wirtschaftliche Substanz der Sparkasse hat sich verbessert“, betonte Faulstich.

Die Auswirkungen des Krieges in die Ukraine spürt das Unternehmen zum Beispiel, weil innerhalb von kurzer Zeit zahlreiche Konten für geflüchtete Menschen eingerichtet werden mussten. Die Inflation und die hohen Energiekosten machten den Menschen zu schaffen, Schon jetzt seien 42 Prozent der Haushalte nicht mehr in der Lage, etwas zu sparen. Faulstich befürchtet, dass es bald 60 Prozent sein werden. Er fordert, dass alle Teile der Bevölkerung von der wirtschaftlichen Entwicklung können profitieren müssen. Die Regierenden müssten grundlegende Reformen anstoßen und die Augenblicksbezogenheit ihres Handelns hinter sich lassen. „Wir brauchen mehr Resilienz“, sagte der Finanzfachmann.
(Christine Zacharias)

Auch interessant

Kommentare