Kritik an Informationspolitik des Reiseveranstalters

Nach Pleite von Thomas Cook: Ratlosigkeit in den Hersfeld-Rotenburger Reisebüros

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Nach der Pleite des britischen Reiseveranstalters Thomas Cook herrscht Ratlosigkeit und Ärger über den spärlichen Informationsfluss in den Reisebüros im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. 

Von der Pleite von Thomas Cook sind auch viele Urlauber aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg betroffen. Die Reisebüros beklagen zu wenig Informationen vom britischen Reiseveranstalter.

Das haben Recherchen unserer Zeitung ergeben. Wie viele Urlauber aus der Region wegen der Insolvenz gestrandet sind, ist schwer zu beziffern.

„Für uns war die Insolvenz eine katastrophale Nachricht“, sagt Consuela Olmedo vom Reisebüro Zilch in Rotenburg. Dass Thomas Cook finanziell angeschlagen ist, sei in der Branche kein Geheimnis gewesen. „Aber das es so schnell geht, ist ein Schock.“ Etliche Kunden des Reisebüros seien betroffen, sagt sie, ohne konkrete Zahlen nennen zu wollen.

Das Reisebüro habe sämtliche Kunden per E-Mail informiert. „Mehr können wir leider im Moment nicht tun, weil wir so gut wie keine Informationen bekommen. Uns sind die Hände gebunden.“

"Entscheidend sind die nächsten 48 Stunden"

„Als direkter Partner von Thomas Cook sind viele unserer Kunden betroffen, das trifft uns hart“, sagt Michael Klöppner, Geschäftsführer des Reisebüros Solatour in Bad Hersfeld. Die Telefone stünden nicht still. Flüge, die Montag oder Dienstag stattfinden sollten, wurden abgesagt. 

Entscheidend seien die nächsten 48 Stunden, ob und wie der Konzern gerettet werden kann. „Die Reisenden sollten abwarten“, rät Klöppner. Gleichzeitig sucht er nach Alternativen für seine Kunden. Der Imageschaden sei jedenfalls groß.

Hans-Jürgen Mannel, Geschäftsführer des Reisebüros am Rathaus in Bad Hersfeld, spricht von einer „furchtbaren Katastrophe für alle Beteiligten“. Man versuche jetzt, die betroffenen Kunden zu erreichen, obwohl auch die Reisebüros kaum konkreten Informationen hätten und von Pressemeldungen abhängig sind. 

Auch Ellen Persch, Geschäftsführerin des Tui-Reisecenters in Rotenburg, kritisiert, dass Thomas Cook selbst die Reisebüros nur mit Pressemitteilungen versorgt, in denen bei Licht betrachtet nichts drin stehe. „Wir wissen lediglich, dass gebuchte Thomas-Cook-Reisen mit Abreisedatum 23. und 24. September nicht gewährleistet werden können, was aber danach passiert, wissen wir nicht“, so die Reiseexpertin.

Nach dem Aus für Thomas Cook wächst die Sorge um Condor 

Glücklicherweise seien nur wenige Kunden des Reisecenters akut betroffen, sagt Persch. Sie macht sich allerdings Sorgen um die zum Thomas-Cook-Konzern gehörende Condor. Nach den Insolvenzen von Air Berlin und Germania sei Condor mit Tuifly die einzig verbliebene große deutsche Charterfluggesellschaft. „Sollte Condor mitgerissen werden, wäre das ganz schlimm für den deutschen Reisemarkt“, sagt Persch, die schon jetzt von einem „Imageschaden für den gesamten Pauschaltourismus“ ausgeht.

So fällt auch die Einschätzung von Dennis Krug aus, einer der Geschäftsführer bei der Reisewelt von Theiser und Hüter in Neuhof: „Diese Insolvenz wird Auswirkungen auf die ganze Tourismusbranche haben". 

Auch „mehrere Dutzend“ Reisewelt-Kunden seien von der Pleite betroffen. „Wir versuchen, die Leute heimzubringen“, sagt Krug und zeigte sich optimistisch, dass das auch gelingen werde. Auch Krug kritisiert den spärlichen Informationsfluss. „Die Infos tröpfeln hier nur so langsam ein."

Hintergrund: Konzern stoppt den Verkauf

Der britische Reisekonzern Thomas Cook ist pleite und hat gestern den Betrieb eingestellt. Die Hiobsbotschaft trifft auch Urlauber aus Deutschland, die nicht in die Ferien starten konnten. 

Die deutsche Thomas Cook GmbH stoppte den Verkauf und erklärte, man könne nicht gewährleisten, dass gebuchte Reisen mit Abreisedatum 23. und 24. September stattfinden. Der zum Konzern gehörende Ferienflieger Condor darf betroffene Urlauber nicht mehr an ihr Ziel bringen.

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