1. Startseite
  2. Lokales
  3. Rotenburg / Bebra
  4. Bad Hersfeld

Premiere von „Der kleine Glöckner“ in der Bad Hersfelder Stiftsruine

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Laura Hellwig

Kommentare

Ausgezeichneter Schauspieler: Quasimodo (Mitte), gespielt von Robert Nickisch, wurde kurz vor der Premiere des Familienstücks am Sonntag mit dem Hersfeld-Preis gewürdigt.
Ausgezeichneter Schauspieler: Quasimodo (Mitte), gespielt von Robert Nickisch, wurde kurz vor der Premiere des Familienstücks am Sonntag mit dem Hersfeld-Preis gewürdigt. © steffen sennewald

Am Sonntag fand die Uraufführung des Familienstückes „Der kleiner Glöckner“ statt. In der Stiftsruine wird eine gekürzte Version der Geschichte um Quasimodo und Esmeralda gezeigt.

Bad Hersfeld – Quasimodo, der Glöckner von Notre Dame, wird von der Bevölkerung verspottet. Die junge Tänzerin Esmeralda ist fürsorglich, sie hilft Quasimodo, ebenso dem Dichter Pierre. Sie ist zudem blind vor Liebe für einen Soldaten. Der Archidiakon Claude Frollo wiederum ist verliebt in Esmeralda, eine Sünde.

Die Geschichte ist grundsätzlich gleich, nur das Publikum ist ein anderes: „Der Kleine Glöckner“ ist das Familienstück der 71. Bad Hersfelder Festspiele. Am Sonntag (17. Juli) hatte es Premiere, vier weitere Vorstellungen folgen noch im Juli. Es spielen dieselben Darsteller, die verkürzte Handlung nach Vorbild des Romans von Victor Hugo (1831) haben Intendant und Regisseur Joern Hinkel und Tilman Raabke parallel zum Premierenstück „Notre Dame“ entwickelt.

Starke Emotionen auch im Kurzformat von „Notre Dame“

Es schmerzt, wenn man Quasimodo (Robert Nickisch) am Boden sieht, gefoltert und von allen verachtet. Es berührt, wie Esmeralda (Cathrine Sophie Dumont) sich um den Glöckner kümmert, wenn keiner es sieht. Und es erheitert, wie sich der Dichter Pierre Gringoire (Mathias Schlung) mehr um die Ziege Djali (Karla Sengteller) sorgt, als um seine Ehefrau Esmeralda, die ihn nur zum Ehemann genommen hat, um sein Leben zu retten.

„Der kleine Glöckner“ bringt Victor Hugos Erzählung auch in knapp 90 Minuten gut auf den Punkt, beachtet die verschiedenen Handlungsstränge und zeigt die Facetten der Figuren auf. Hinkel hat dem Stück – entsprechend dem adressierten Publikum – einiges an Brutalität genommen, aber nicht alles.

Das Ende jedenfalls ist eindeutig weniger tragisch: Esmeralda und Djali werden vom König freigesprochen, keine der Hauptfiguren ist tot.

Besucher haben das Stück unterschiedlich aufgenommen

Empfohlen wird das Stück für Kinder ab zehn Jahren. Nach Ende der Premiere haben sich Familien unterschiedlich zum Stück geäußert: Marilena (11) fand es schwierig zu verstehen. Ihrer Mutter fehlte es an der Fröhlichkeit, die sie für ein Familienstück erwartet hatte. Charlotte (6) hat es gut gefallen, sie fand das Ende schön. Ihre Mutter fand es stellenweise ungeeignet für die jungen Besucher. „Zu wenig Glöckner“ kritisierten andere.

„Der kleine Glöckner“ ist definitiv nicht die fröhliche Unterhaltung für einen Familiennachmittag, wie es etwa „Emil und die Detektive“ in 2019 bot. Das diesjährige Familienstück greift allerlei Themen auf, die für Kinder entweder im Vorfeld des Theaterbesuchs oder aber danach der Erklärung bedürfen.

Was passiert da in der Hochzeitsnacht, was in dem dunklen Schlafzimmer, vor dessen Eingang eine Frau sitzt und die Leute reinlässt? Wieso wird Quasimodo geschlagen und warum hilft ihm niemand? Warum wird diese Tänzerin als „Zigeunerin“ beschimpft?

Der Wechsel zwischen Spielszenen und Erzähler-Episoden – wie es sie auch in „Notre Dame“ gibt – macht es nicht leichter, der komplexen Handlung mit ihren vielen Figuren zu folgen, jedenfalls für unerfahrenere, junge Theaterbesucher.

Nichtsdestotrotz leisten die Bad Hersfelder Festspiele mit einem Theaterangebot für die ganze Familie einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Bildung und ein Besuch in der Stiftsruine ist sicher für jedes Kind ein aufregendes Erlebnis.

„Der kleine Glöckner“

Vorstellungen: 19. und 21. Juli, 10 Uhr, sowie 29. und 31. Juli, 15 Uhr.

Familienticket: Die Familienkarten für zwei Erwachsene und zwei Kinder kosten je nach Preisgruppe zwischen 52 und 36 Euro. Jedes weitere Kind kostet fünf Euro.

Mitwirkende: Regie: Joern Hinkel, Dramaturgie: Tilman Raabke, Bühne: Jens Kilian, Kostüm: Daniela Selig, Musikalische Leitung: Jörg Gollasch, Lichtdesign: Ulrich Schneider, Sounddesign: Joerg Grünsfelder, Choreographie: Richard Weber.

Spieldauer: 90 Minuten, ohne Pause.

(Laura Hellwig)

Auch interessant

Kommentare