Pro Familia-Aktion auch in Bad Hersfeld

„Abtreibungsparagraf soll auf Prüfstand“

Das Bild zeigt rechts Maren Colton und links David Hohlwegler bei einer Kreidesprühaktion von Pro Familia Bad Hersfeld, die sich dafür einsetzt, den Abtreibungsparagrafen 218 aus dem Strafgesetzbuch zu nehmen.
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Mit einer Kreidesprühaktion beteiligt sich Pro Familia Bad Hersfeld an einer bundesweiten Aktion von 120 Organisationen, die sich dafür einsetzt, den Abtreibungsparagrafen 218 aus dem Strafgesetzbuch zu nehmen. Das Bild zeigt rechts Maren Colton und links David Hohlwegler.

Mit einer Kreidesprühaktion in der Bad Hersfelder Innenstadt hat sich Pro-Familia an einer bundesweiten Aktion gegen die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen beteiligt.

Bad Hersfeld – Unter dem Motto „150 Jahre Kriminalisierung sind genug“ ruft die Pro Familia bundesweit in diesem Jahr zu Aktionstagen auf. An den Protesten gegen die Verankerung des Abtreibungsparagrafen 218 im Strafrecht beteiligt sich auch die Beratungsstelle in Bad Hersfeld mit einer Kreidesprühaktion. „Der § 218 im Strafgesetzbuch ist nicht zeitgemäß und gehört auf den Prüfstand“, heißt es in einer Pressemitteilung zu der Aktion, die von 120 Organisationen in Deutschland getragen wird.

Mit zehn weißen Sprühflächen in der Fußgängerzone wollen Pro-Familie-Geschäftsführerin Maren Colton und David Hohlwegler darauf aufmerksam machen, wie schwierig und belastend die Situation von Frauen ist, die sich mit einer Schwangerschaft konfrontiert sehen, die sie nicht gewollt haben. „Frauen können jahrzehntelang schwanger werden. Da kann es immer wieder Gründe geben, warum eine Frau eine Schwangerschaft nicht austragen will“, erklärt Maren Colton.

Diese Situation sei für Frauen sehr belastend, weiß auch ihr Pro-Familia-Kollege David Hohlwegler. Ungewollte Schwangerschaft und Abtreibung seien nach wie vor Tabuthemen und blieben es auch, solange Abtreibungen strafbar seien. Abtreibungen gehörten nicht zur Ausbildung von Medizinstudenten und es sei schwer, überhaupt einen Arzt oder eine Ärztin zu finden, die dazu bereit sei. Weder im Landkreis Hersfeld-Rotenburg noch in den benachbarten Kreisen gebe es die Möglichkeit, eine ungewollte Schwangerschaft zu beenden. Frauen müssten weite Fahrstrecken auf sich nehmen.

Colton und Hohlwegler sind keine Befürworter von Abtreibungen. Aber sie fordern, dass Frauen die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden, ob sie zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Kind haben wollen oder nicht. Und sie sind der Meinung, dass der Schwangerschaftsabbruch zur medizinischen Grundversorgung gehören, also auch im Landkreis angeboten werden sollte. Die Kosten sollten die Krankenkassen übernehmen.

Die Pro-Familia-Beratungsstelle in Bad Hersfeld bietet dazu Schwangerschaftskonfliktberatungen an. Etwa 180 Frauen kämen jedes Jahr. Sie sind dazu verpflichtet, wenn sie eine Abtreibung legal vornehmen lassen wollen. Die allermeisten von ihnen hätten sich aber bereits im Vorfeld entschieden, stellt Colton immer wieder fest. Die Beratungen seien ergebnisoffen und informierten die Frauen auch über Unterstützungsmöglichkeiten, wenn sie sich für das Kind entschieden.

Bereits am 15. Mai hat ein Aktionstag vorwiegend digital stattgefunden. Ein weiterer zu diesem Thema ist am 28. September geplant. (Christine Zacharias)

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