Prozess in Bad Hersfeld

Missbrauch? 17-Jährige erhebt schwere Vorwürfe gegen Stiefvater

Das Amtsgericht in der Dudenstraße in Bad Hersfeld (Symbolbild).
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Das Amtsgericht in der Dudenstraße in Bad Hersfeld (Symbolbild).

Eine junge Frau berichtet von dem vermeintlichen Missbrauch durch ihren Stiefvater. Der Prozess offenbart gestörtes Verhältnis.

Bad Hersfeld - Was sich am 25. 08.2018 zwischen einem heute 39-jährigen Hersfelder und seiner damals 17 Jahre alten Stieftochter tatsächlich zugetragen hat, das war in einem Missbrauchsprozess vor der Jugendrichterin des Amtsgerichts Bad Hersfeld im ersten Anlauf nicht herauszufinden.

Auf der einen Seite der bislang völlig unbescholtene Angeklagte, der die Vorwürfe der Fuldaer Staatsanwältin Lambiel rundweg bestritt. Auf der anderen Seite das vermeintliche Opfer, das unter Tränen vom nächtlichen Besuch des Stiefvaters in ihrem Schlafzimmer und Berührungen an den Brüsten und im Intimbereich erzählte.

„Sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen“ ist mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren bedroht, entsprechend gründlich gingen Richterin Michaela Kilian-Bock, die Staatsanwältin und Verteidiger Jochen Kreissl auf Wahrheitssuche.

In der mehrstündigen Vernehmung von Vater und Stieftochter wurden das zutiefst gestörte Verhältnis der beiden und die schwierige familiäre Situation offenbar. So war der Teenager während eines Krankenhausaufenthalts der Mutter über längere Zeiträume mit der Betreuung und Versorgung der heute vierjährigen Halbschwester betraut. Nach einem Einbruch in die elterliche Wohnung wurde sie verdächtigt, ihrem Freund einen Tipp oder gar den Schlüssel gegeben zu haben. Auch erste sexuelle Kontakte der Jugendlichen und Gelddiebstähle innerhalb der Familie waren Streitpunkte.

In der fraglichen Nacht war die 17-Jährige erst gegen vier Uhr in der Früh nach Hause gekommen. Aus ihrer Tasche seien Kondome und ein Gleitgel gefallen, berichtete der Stiefvater, was lautstarke Diskussionen mit der Mutter zur Folge hatte. Warum der Stiefvater anschließend beide Fundstücke ins Schlafzimmer der Stieftochter brachte und nicht konfiszierte oder vernichtete, blieb offen.

Ebenso blieb das behauptete Verhalten der 17-Jährigen nicht nachvollziehbar: Der Übergriff des Stiefvaters habe etwa fünf Minuten gedauert, es sei dabei kein Wort gefallen und sie habe es in Schockstarre über sich ergehen lassen.

Bei der Polizei hatte jedoch die Mutter angegeben, ihr Mann sei schon nach wenigen Augenblicken aus dem Zimmer der Tochter ins Ehebett zurückgekehrt. Zu einer Aussage der Mutter vor Gericht kam es jedoch nicht mehr, weil zuvor die Einholung des Gutachtens beschlossen wurde. (Karl Schönholtz)

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