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Radeln gegen Angst und Ablehnung: MUT-Tour macht Station in Bad Hersfeld

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Von: Kim Hornickel

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Die MUT-Tour auf dem Linggplatz in Bad Hersfeld: Radler, Helfer und Interessierte waren gestern zum Gespräch über Depressionen, Angst und den Umgang mit Betroffenen in der Innenstadt zusammengekommen.
Die MUT-Tour auf dem Linggplatz in Bad Hersfeld: Radler, Helfer und Interessierte waren Dienstag zum Gespräch über Depressionen, Angst und den Umgang mit Betroffenen in der Innenstadt zusammengekommen. © Kim Hornickel

Die Radler der MUT-Tour waren am Dienstag in Bad Hersfeld. Sie werben mit ihrer Fahrradtour durch Deutschland für einen offenen Umgang mit dem Thema Depression.

Bad Hersfeld – Nicht zum ersten Mal machte die MUT-Tour Zwischenstopp in Bad Hersfeld. Am Dienstag warteten allerdings zum ersten Mal Initiator Michael Möller und seine Kollegen von der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft (PSAG) des Kreises auf das Radlerteam. Bei der gemeinsamen Aktion für einen offenen Umgang mit dem Thema Depression auf dem Linggplaz in Bad Hersfeld hatte die PSAG ihren Infostand aufgestellt, die MUT-Radler parkten ihre Tandems gleich daneben.

Mit Schildern, Bannern und Wasserflaschen in den prall gefüllten Packtaschen auf den Gepäckträgern, radelten die Teilnehmer auf den Linggplatz. Einer auf dem vorderen Sitz, einer dahinter – die Tandemteams trugen gelb-grüne T-Shirts, auf denen der Schriftzug „MUT“ zu lesen war.

Die Radler und die Mitarbeiter der PSAG wollten mit der Aktion aufrütteln, informieren, ins Gespräch kommen – mit Betroffenen und Angehörigen. „Es überrascht mich immer noch, wie vorsichtig viele Betroffene sind“, sagte Franziska Radczun aus Berlin. Die 33-Jährige ist Teil des 9. Tandemteams, das von Paderborn nach Würzburg unterwegs ist. In acht Tagen wollen die Radler die Strecke schaffen, unterwegs sprechen sie mit Passanten. „Es ist immer noch so, dass viele Menschen Probleme haben, Hilfsangebote anzunehmen“, erzählte Radczun. Die Berlinerin hat sich selbst Hilfe in der Therapie gesucht und will persönlichen Krisen zukünftig stärker begegnen, wie sie erklärte.

„Passende Angebote bei einem Depressionsleiden zu finden und anzugehen, bedeutet einen langen Weg für die Betroffenen“, erklärte auch Gundula Schmidt, die in diesem Jahr zum ersten Mal mitradelt und selbst unter Depressionen leidet. „Ich muss bei dieser Tour immer mit und raus“, das tue ihr gut, sagte sie.

Am Stand neben den geparkten Tandems waren die Helfer der PSAG im Einsatz, dazu gehören das Selbsthilfebüro Osthessen, das Diakonische Werk Hersfeld-Rotenburg, die Suchtberatung, die Wohnraumhilfe Bad Hersfeld, die Drogenhilfe Nordhessen, die Klinik am Hainberg und der Verein Die Brücke.

Die Idee zum gemeinsamen Infotag mit den MUT-Radlern hatte Michael Möller vom Selbsthilfebüro Osthessen. „Ich komme aus Fulda und dort wird die MUT Tour immer begleitet, das wollte ich für den Kreis Hersfeld-Rotenburg auch möglich machen.“ Die Mitglieder der PSAG stimmten für das gemeinsame Projekt.

Am Dienstagmorgen war es dann soweit, die Helfer standen mit Infos im Gepäck und einem großen Gummibärchenglas voller „Mutbären“ auf dem Linggplatz.

Die Helfer verteilten Süßigkeiten mit Motivationssprüchen darauf und beantworteten die Fragen der Passanten. Und die wollten so einiges wissen: Kann man bei der Brücke auch ein Zimmer bekommen? Woran erkenne ich, ob ich nur schlechte Laune habe oder an Depressionen leide? Wo rufe ich an, wenn ich Hilfe brauche? Die Experten hatten für jede Frage den richtigen Flyer.

Hinter dem Infotisch am Linggplatz stand auch Christian Lübeck. Der 40-Jährige hat das durchlebt, was viele noch vor sich haben: Er hat seine Angststörung und die Depression akzeptiert und sich Hilfe gesucht. Mit Therapiestunden und einer Selbsthilfegruppe in Bebra, die der 40-Jährige 2016 selbst gegründet hatte, greift er sich und anderen Betroffenen unter die Arme. Am Infostand der PSAG erklärte er den Zuhörern: „Früher hätte ich nicht so offen über das Thema reden können, aber dann habe ich Mut gefasst.“ Und den will Lübeck nicht nur am Tag der MUT-Tour an andere Betroffene weitergeben. (Kim Hornickel )

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