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Regionalmanager Kai Georg Bachmann setzt auf Wasserstoff für die Energiewende

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Von: Barbara Will

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Der von der Firma Alstom gebaute Zug soll noch in diesem Jahr Fahrt in Niedersachsen aufnehmen.
Statt Strom oder Diesel: Wasserstoff gilt als ein Treibstoff der Zukunft. Der von der Firma Alstom gebaute Zug soll noch in diesem Jahr Fahrt in Niedersachsen aufnehmen. © Alstom

Seit Kurzem zählt auch Nordhessen zu den vom Bundesverkehrsministerium geförderten HyExperts-Regionen, die an Wasserstoffprojekten arbeiten.

Hersfeld-Rotenburg – Regionalmanager Kai Georg Bachmann sieht darin die Chance, die Region bei einem Zukunftsthema nach vorn zu schieben. Mit ihm sprach Barbara Will.

Herr Bachmann, Nordhessen hat die Ausschreibung als Wasserstoffregion gewonnen. Es gibt bis zu 400 000 Euro Fördergeld. Was werden Sie damit anfangen?

Wir wollen mit dem Geld das tun, was ohnehin geboten ist, nämlich die Frage beleuchten, wie wir mit einer regionalen nordhessischen Wasserstoffstrategie zur Energiewende beitragen und wie wir auch im Hinblick auf Speicherung der Erneuerbaren noch eine zweite Stufe zünden können.

Warum ist Nordhessen dafür besonders geeignet?

Die Region hat mit einer Million Einwohner auf rund einem Drittel der Fläche des Landes Hessen alles zu bieten: Wir haben das große Oberzentrum Kassel, das mehr Energie verbraucht, als es selbst je erzeugen kann. Wir haben aber auch viele ländliche Bereiche, die diese Energie zu großen Teilen liefern können, insbesondere im Bereich Wind und Photovoltaik. Wir haben interessante Mittelzentren und eine gute Verkehrsinfrastruktur, die jetzt weiterentwickelt werden kann und fit für 2050 gemacht werden muss.

Der neue Regionalmanager Kai Georg Bachmann im Porträt.
Er macht die Region fit für die Zukunft: Nordhessens neuer Regionalmanager Kai Georg Bachmann. © Dieter Schachtschneider

Es geht um die Wasserstofferzeugung, um die Anwendung in Industrie und Mobilität, sowie ein Tankstellennetz. Welche Investitionen stehen dahinter?

Die Kernfrage der Investition steht manch technisch möglicher Lösung noch im Weg. Gerade die Energieversorger müssen jetzt darüber nachdenken, Elektrolyseure für die Wasserstoffproduktion zu beschaffen. Doch diese sind per se nicht wirtschaftlich zu betreiben. Wir müssen deshalb als Region die vom Bund angekündigten Fördermittel nutzen, um über eine agile Pilotfunktion möglichst schnell in die Fläche zu kommen. Zunächst wollen wir mit dem HyExpert-Projekt ein Bild zeichnen, wer was dafür tun muss. Dabei gilt es auch, zu identifizieren, wie groß die Wirtschaftlichkeitslücke ist und welche Anwendungsfälle für Nordhessen von besonderer Relevanz sind.

Will Nordhessen in erster Linie Technologie bereitstellen oder auch Wasserstoff produzieren?

Das eine schließt das andere nicht aus. Den größten Mehrwert für den Wirtschaftsstandort Nordhessen werden wir heben können, wenn wir zeigen, wie es geht und wenn wir Anwendungen präsentieren können: Wie etwa aus einem Windparkplus einer Photovoltaikanlage in der Region Wasserstoff aus Wasser erzeugt werden kann und dieser dann die Busse des NVV antreibt. Es wird auch darum gehen, den Wasserstoff dann zu produzieren, wenn so viel Strom zur Verfügung steht, dass Anlagen abgeschaltet werden müssten und ihn für die Mobilität zu nutzen. Wenn Unternehmen solche Beispiele erfolgreich in Nordhessen erproben können, wird es zu einem Exportschlager für die Region.

Dann wäre die Region ein Musterhaus für Technologie. Aber wie weit könnte sie sich selbst mit Wasserstoff versorgen?

Wir müssen noch ermitteln, wie viel Wasserstoff die Region braucht und welche Kapazitäten sie realisieren kann. Auf jeden Fall bedeutet „grüner Wasserstoff“ auch, dass wir mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien schneller vorankommen müssen. Ein Windpark wie im Reinhardswald muss eine Selbstverständlichkeit werden.

Gäben die erneuerbaren Quellen überhaupt die Kapazität für eine Wasserstoffproduktion her?

Selbst wenn wir möglichst effizient mit Energie umgehen, werden wir in Zukunft viel mehr Strom brauchen, als wir es jetzt schon sehen. Nehmen Sie allein die Entwicklung der E-Mobilität und von Heizungssystemen wie Wärmepumpen. Wenn wir dann auch noch Wasserstoff aus erneuerbarem Strom erzeugen wollen, sollten wir Wasserstoff nur dort einsetzen, wo man nicht direkt Strom nutzen kann. Das wird zum Beispiel im Verkehrssektor zunächst vornehmlich im Schwerverkehr und im Schiffsverkehr stattfinden. Es wird nicht möglich sein, die gesamte Energie, die wir für den Wasserstoffverbrauch in der Region benötigen, hier zu generieren.

Wer wären industrielle Anwender für den neuen Energieträger?

Ich gehe davon aus, dass wir frühestens in zehn Jahren eine Wasserstoff-Pipelineversorgung haben werden. Aber wir können kleine Netzwerke aufbauen, wo es Sinn hat. Wasserstoff kann als Prozessgas genutzt werden, etwa in Gießereien und anderen Hochtemperaturprozessen. Seine Kernfunktion ist für mich jedoch, dass er ein chemischer Energieträger ist, der Strom speichern und damit die Volatilität der Erneuerbaren mittel- und langfristig ausgleichen kann. Solche Lösungen könnte man beispielsweise in Gewerbegebieten und in Wohnquartieren zum Einsatz bringen.

Die Förderung für das Projekt läuft nur über ein Jahr. Woher kommt dann das Geld?

Das Thema weiterzutreiben, muss uns etwas wert sein: den Unternehmen, den Gesellschaftern des Regionalmanagements und den Energieversorgern. Ich rechne damit, dass wir in den ersten ein bis zwei Jahren schon die ersten Anwendungen haben.

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