Nach Ankündigung nicht erneut kandidieren zu wollen

Respekt und Kritik für Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling

Thomas Fehling im Porträt
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Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling will kein drittes Mal kandidieren.

Der angekündigte Rückzug von Bürgermeister Thomas Fehling aus der Bad Hersfelder Stadtpolitik hat ein gemischtes Echo ausgelöst. Das sagen die Fraktionsvorsitzenden:

Bad Hersfeld - Auf seiner Facebook-Seite erhält Thomas Fehling Dank für seine bisherige Arbeit, Respekt für die Entscheidung und gute Wünsche für die Zukunft. Auf anderen Internetseiten wird sein Rückzug auch begrüßt, hämische Kommentare gibt es aber nur wenig. Das Echo der Stadtpolitik hat Kai A. Struthoff zusammengetragen.

SPD-Fraktionschef Karsten Vollmar meint, „Herr Fehling schafft mit seiner sehr frühen Ankündigung Klarheit für alle Beteiligten, das ist gut. Sein Schritt ist natürlich zu respektieren, auch wenn eine Bilanz über seine Zeit im Amt sicherlich erst später gezogen werden kann.“ Jetzt gelte es dringend, die aktuellen Probleme der Stadt anzupacken, die nicht geringer geworden sind und die Stadtpolitik bei den Haushaltsberatungen stark fordern.

Zu einer möglichen Nachfolge hält sich Vollmar noch bedeckt. „Die SPD ist vor Ort inhaltlich und personell gut aufgestellt und die Kommunalwahlen vom März haben die Mehrheitsfraktionen und deren Spitzenkandidaten eindeutig gestärkt. Jeder ist sich da seiner Verantwortung bewusst.“ Die SPD setze weiter auf Zusammenarbeit. „Gute und vertrauensvolle Kommunikation war schon nach der Kommunalwahl sehr hilfreich – wir sollten in Bad Hersfeld diesen Weg als erstes wählen, denn die Bürger erwarten zurecht Problemlösungen und keine quälenden Personaldebatten auf offener Bühne.“

Kurz und knapp äußert sich Andreas Rey, Fraktionsvorsitzender der CDU: „Die Entscheidung, im kommenden Jahr nicht mehr zur Bürgermeisterwahl anzutreten, verdient Respekt. Da Thomas Fehling das Amt über ein Jahrzehnt innehatte, kann ich mir vorstellen, dass ihm dieser Schritt nicht leicht gefallen ist.“ Er biete der Stadt die Chance für einen Neuanfang. „Ich wünsche ihm persönlich alles Gute und für die dann künftige Aufgabe viel Erfolg.“ Wie sich die CDU in Bezug auf die Bürgermeisterwahl aufstellen werde, wolle man parteiintern und zeitnah, aber in aller Ruhe besprechen.

Für die Grünen nimmt Fraktionsvorsitzende Andrea Zietz Fehlings Rückzug „zur Kenntnis“. Neben wenigen Erfolgen gehe seine Amtszeit mit viel Stillstand in Bad Hersfeld einher. Viele Projekte seien vollmundig angekündigt worden und im Sande verlaufen. „Der Unmut über die mangelnde Kommunikation des Bürgermeisters ist enorm. Eine positive Bilanz sieht für mich anders aus.“ Mit der frühen Ankündigung seines Rückzugs könnten auf jeden Fall die nötigen Weichen für die Nachfolge rechtzeitig gestellt werden.

Für die Entscheidung über eine eigene Kandidatin oder einen Kandidaten sei es noch zu früh. Das komme auch stark auf die weiteren Bewerber an. „Wer sich auch immer für dieses Amt zur Verfügung stellt, geht einer schwierigen Amtszeit entgegen. Corona hat die städtischen Finanzen gebeutelt.“ Diesen Aufgaben müsse sich jemand stellen, der viel arbeiten will und sehr gut kommunizieren kann „Die kommenden Jahre werden kein Spaziergang und man schafft das nur mit einem Höchstmaß an Leidenschaft für diese Stadt.

Für die FDP nennt der Fraktionsvorsitzende Bernd Böhle die Leistungsbilanz von Thomas Fehling „ambivalent“. Sie habe ihre Stärken vorwiegend in der ersten Amtszeit, die einen politischen Aufbruch der „Nach-Boehmer-Ära“ einleitete, gehabt. Er nennt die Fertigstellung des Schilde-Parks, den Umbau des Parkhauses am Neumarkt, die Entschuldung der Vitalisklinik und der Modernisierung der Bad Hersfelder Festspiele als Erfolge von Fehling, die dazu geführt hätten, dass die FDP ihn auch nach seinem Parteiaustritt im Jahr 2014 bei der Wiederwahl unterstützt hat.

In der zweiten Amtszeit habe Fehling nicht an diese Erfolge anknüpfen können, meint Böhle und kritisiert dessen „mangelnde Präsenz in der Öffentlichkeit“ und die „unprofessionelle Art und Weise im Umgang mit dem Ersten Stadtrat Gunter Grimm und den Dauerstreit mit der Hersfelder Zeitung“. Dadurch seien wichtige Projekte wie das Wever-Gelände oder die Kaufland-Ansiedlung vernachlässigt worden. „Die Vision einer Smart-City versagt bereits an der fehlenden Antragstellung und die mangelnde Durchsetzungskraft rund um das Thema Lullusfest macht einem nur noch sprachlos“, so Böhle.

Für die FWG-Fraktion erklärt deren Vorsitzender Jürgen Richter, Fehling habe seine Entscheidung „durchaus nachvollziehbar erläutert“. Er kritisiert, dass sich die Bad Hersfelder Stadtpolitik in Teilen „häufig gegen den Bürgermeister und seine Ideen verschworen“ habe und sich damit vorsätzlich gegen eine mögliche positive Entwicklung in der Stadt entschieden habe. Als Beispiel nennt der die Projekte der Digitalisierung, aber auch den Lullussportpark, „der aus Prinzip mehrheitlich verhindert wurde“. Richter meint aber auch, dass sich der Bürgermeister oftmals selbst im Weg stand. „Die Fähigkeit Brücken zu bauen, mit Empathie Menschen zu führen, diplomatisch zu verbinden und zu versöhnen, gehört nicht zu seinen Stärken.“ Für eine abschließende Bilanz sei es aber noch zu früh. Die FWG werde sich die nächsten Monate weiter loyal für ein erfolgreiches Bad Hersfeld engagieren und die erforderliche Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister pflegen. „Ob der FWG-Stadtverband eine Kandidatin oder einen Kandidaten zur Bürgermeisterwahl präsentieren wird, werden wir zu gegebenen Zeit intern beraten und beschließen.“

UBH- Fraktionschef Hans-Jürgen Schülbe erklärt, man respektiere die Entscheidung von Thomas Fehling. „Er hat insgesamt einen ordentlichen Job gemacht und gute Akzente gesetzt.“ Dennoch sei es gut, nach zwölf Jahren mit einem neuen Bürgermeister neue Impulse zu geben – etwa, um die Leerstände in der Innenstadt aktiver als bislang zu bekämpfen oder auch im Bereich der Festspiele, die „für unseren Ruf als dynamisches Mittelzentrum enorm wichtig sind“. Die UBH werde keinen eigenen Kandidaten ins Bürgermeister-Rennen schicken. „Aber sie wird die Kandidat-Innen zu intensiven Gesprächen einladen und gegebenenfalls eine Empfehlung abgeben“, sagt Schülbe.

Horst Zanger, der einzige Linke im Parlament erklärt, es sei höchste Zeit für einen Wechsel. Die Linke werde keinen eigenen Kandidaten für die Bürgermeisterwahl aufstellen. Ob und für wen die Linke eine Empfehlung abgeben wird, hänge ganz davon ab, welche Kandidatin oder welcher Kandidat von welcher Partei und Fraktion aufgestellt werde. (kai)

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