Regeln werden nicht akzeptiert

"Es ist schlimm geworden": Zunehmende Aggressivität in Hersfelder Schwimmbädern

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Hersfeld: Zunehmende Aggressivität in Schwimmbädern

Pöbeln, drohen, schubsen: Immer wieder tauchen  Berichte über aggressive Schwimmbadbesucher auf. Auch der Bundesverband deutscher Schwimmbäder warnt vor zunehmender Aggressivität.

Dass das kein reines Großstadt-Problem ist, bestätigt Schwimmmeister Kay Thimet, der Bäder in Bad Hersfeld, Philippsthal, Schenklengsfeld, Kirchheim und Nentershausen betreibt, zumindest für die Kreisstadt. „Es ist schlimm geworden. Es nervt und man verliert die Lust am Job“, sagt Thimet mit Blick auf Badegäste, die sich nicht an die Regeln halten und aggressiv reagieren, wenn sie darauf hingewiesen werden. 

Das habe sich in den vergangenen Jahren extrem verändert. Erst kürzlich sei die Polizei ins Geistalbad gerufen worden, nachdem vier Jugendliche sehr aggressiv reagiert hätten, die zuvor zu laut getobt hätten.

Regelmäßiges Deeskalationstraining

Nicht immer, aber meist handele es sich um junge Männer mit Migrationshintergrund und ohne Angst vor Konsequenzen, erzählt Kay Thimet, ohne alle über einen Kamm scheren und Hersfeld mit sozialen Brennpunkten vergleichen zu wollen. Wesentlich weniger Vorfälle gebe es indes in den dörflicheren Bädern im Landkreis, wo es nicht so anonym zugehe.

Er und seine Mitarbeiter nehmen regelmäßig an Deeskalationstrainings teil, um schwierige Situationen beruhigen zu können. Sobald die Polizei eingeschaltet werde, gebe es auch ein Hausverbot – in der Regel für ein Jahr, geht es um Handgreiflichkeiten auch für zwei Jahre. Zehn Hausverbote seien in der vergangenen Saison im Aquafit ausgesprochen worden.

Deutlich positiver äußern sich andere Schwimmmeister. „Ich habe in 25 Jahren keinen Polizeieinsatz erlebt“, so Klaus Schnabel vom Rotenburger Waldschwimmbad, der auf Kommunikation und Erklärungen setzt. Auch in Heringen kämen Hausverbote nur ganz selten vor, sagt Michael Heinz. Und Maurice Hobert, Betriebsleiter des Bebraer Biberbads, berichtet: „Es tanzt immer mal einer aus der Reihe, aber Worte helfen meist weiter.“ 

In Düsseldorf wurde ein Bad wegen aggressiver Gäste gleich an zwei Tagen hintereinander geräumt, die Polizei rückte mit mehreren Streifenwagen an. In einem Halterner Freibad kam es zu einer Schlägerei am Pommesstand, an der zehn bis 20 Personen beteiligt gewesen sein sollen. In Essen griff  eine Männergruppe zwei Bademeister und ein Mädchen an. In Mannheim versprühte ein Mann Pfefferspray. 

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