Bad Hersfelder Festspiele

Im Labyrinth der Justiz - heute Premiere für Kafkas "Der Prozess"

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Die Justizmaschine: Josef K. (Ronny Miersch, mit rotem Schlips) ist in die Mühlen einer undefinierten Gerichtsbarkeit geraten.

Am heutigen Freitag, 5. Juli, beginnen die 69. Bad Hersfelder Festspiele mit Franz Kafkas "Der Prozess" in der Inszenierung von Intendant Joern Hinkel.

Es gibt Menschen, die setzen sich sehenden Auges unter Druck. Bad Hersfelds Festspielintendant Joern Hinkel scheint zu ihnen zu gehören, denn das „Prozess“-Projekt hat er sich im vergangenen Herbst ebenso spontan wie kurzfristig aufgebürdet.

Der Fall Kashoggi war ein Auslöser, der Blick auf Willkürherrschaften in aller Welt und der Sittenverfall in den sozialen Netzwerken kamen hinzu: Für Hinkel Anlass genug, Kafkas Roman auf den Spielplan der Festspiele zu setzen und selbst Regie zu führen. Und damit nicht genug: Eine zeitgemäße Spielfassung sollte es ebenfalls sein. Die allerdings erst noch geschrieben werden musste.

Im Konflikt: Die Loyalität von Zi mmerwirtin Frau Grubach (Marianne Sägebrecht) wird auf die Probe gestellt. Im Konflikt: Die Loyalität von Zimmerwirtin Frau Grubach (Marianne Sägebrecht) wird auf die Probe gestellt.

Hinkel war schon lange von Kafkas Text fasziniert. „Der Roman ist ausgesprochen vielschichtig. Auf den ersten Blick ist es eine Geschichte über den Verlust von Rechtsstaatlichkeit, ausgelöst durch eine undurchdringliche Organisation, ein anonymes ,Gericht’, das durch seine Vorgehensweise elementare Menschenrechte verletzt. Aber es ist auch die Geschichte über eine schweigende Masse, die das Unrecht als gegeben hinzunehmen scheint.“

Josef K. begehrt auf. Er versucht, hinter das Unrechts-System zu blicken, und wird dafür bestraft.

Hinkel sieht in der Vorlage auf den zweiten Blick eine Parabel über die Befreiung aus den Fesseln eines unzumutbaren, willkürlichen Gesetzes, über die Auflehnung gegen einen ungerechten Gott, der den Menschen in einer absurden Welt allein zu lassen scheint.

Prösterchen auf eine zweifelhafte Vereinbarung: Die beiden Gerichtsbeauftragten Franz (Thomas Maximilian Held, links) und Willem (Markus Majowski, rechts) mit dem stellvertretenden Direktor (Jürgen Hartmann) .

Kafkas „Prozess“, so hat Hinkel beim Schreiben seiner Spielfassung herausgefunden, sprüht aber auch vor absurden Situationen, ist manchmal tiefsinnig und traurig, aber genauso naiv und verspielt. „Dass Kafka ein begeisterter Kinogänger und Witze-Erzähler war, merkt man den slapstick-haften Szenerien hier ganz besonders an“, sagt er.

Das soll sich nun auch auf der Bühne widerspiegeln. Joern Hinkel hat in seiner Textfassung einige Rollen weiterentwickelt, Szenen, die im Original nur angedeutet werden, auserzählt, und einigen Figuren, die bei Kafka nur ein einziges Mal auftauchen, einen weiteren Auftritt verschafft.

Wie das alles zusammenpasst, ist heute Abend in der Stiftsruine zu erleben. Beginn der Premiere ist um 21 Uhr.

Festspieler:

Josef K.

Ronny Miersch

Frau Grubach

Marianne Sägebrecht

Advokat Huld

Dieter Laser

Titorelli, Maler

Thorsten Nindel

Felice Bürstner

Corinna Pohlmann

Fräulein Montag

Ingrid Steeger

Leni, Gehilfin des Advokaten

Lou Zöllkau

Franz, Beauftragter des Gerichts

Thomas Maximilian Held

Willem, Beauftragter des Gerichts

Markus Majowski

Aufseherin

Maria Radomski

Stellv. Direktor

Jürgen Hartmann

Gerichtsdiener

Mathias Schlung

Onkel Albert, Kaplan

Günter Alt

Erna, K’s Cousine

Nicole Sydow

Buch und Regie

Joern Hinkel

Bühne

Jens Kilian

Kostüme

Kerstin Micheel

Musik

Jörg Gollasch

Choreografie

Jurriaan Bles

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