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Rückschlag für Dromos-Projekt in Bad Hersfeld: Neue Auflagen für Fördergeld aus Berlin

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Das Bild zeigt den Weg am Ufer der Geis im östlichen Schildepark.
Endstation Schilde-Park? Wo am Ufer des Geisbaches die Mohnblumen blühen, hätte zwischen „wortreich“ und Malmesbury-Platz schon längst der Bau der Teststrecke für autonome Dromos-Fahrzeuge beginnen sollen. © Kai A. Struthoff

Steht die geplante Dromos-Teststrecke im Bad Hersfelder Schilde-Park vor dem Aus? Laut der Initiatoren gibt es lediglich neue Anforderungen. Die Stadtpolitiker sind skeptisch.

Bad Hersfeld – Das Bundesverkehrsministerium hat für die Förderung des Dromos-Projekts für selbstfahrende Fahrzeuge weitere Auflagen und Anforderungen formuliert, damit das Geld für die geplante Teststrecke im Bad Hersfelder Schilde-Park auch wirklich fließen kann. Das bestätigen Bürgermeister Thomas Fehling und der Geschäftsführer der Dromos GmbH, Dr. Martin Dürr, auf Anfrage unserer Zeitung.

„Wir sind aber in enger Abstimmung mit dem Ministerium und haben von dort auch ein klares Commitment zur Fortsetzung des Vorhabens wie geplant“, erklärt Dürr. „Es braucht weiterhin viel Geduld und Beharrlichkeit“, sagt Fehling.

In Kreisen der Stadtpolitik ist man weniger optimistisch. „Ich halte es derzeit für äußerst schwierig, Mehrheiten für das Projekt zu organisieren“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende und Bürgermeisterkandidat Karsten Vollmar, der sich unter Hinweis auf seine Verschwiegenheitspflicht als Aufsichtsratsmitglied der Wirtschaftsbetriebe allerdings nicht näher äußern will. Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Dromos GmbH formuliert die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Andrea Zietz. „Spätestens mit der Insolvenz der ersten Firmierung musste man das Geschäftsgebaren von Dromos kritisch sehen“, teilt sie mit und kündigte eine entsprechende Anfrage in der nächsten Stadtverordnetenversammlung an. Zugleich warnt sie davor, für das Dromos-Projekt „weitere Gedanken zu verdaddeln“.

Dromos-Chef Dürr und Bürgermeister Fehling wollen an dem Projekt weiter festhalten. Dürr will deshalb vor dem Hintergrund des Klinik-Umbaus und der ICE-Entscheidung in dem neuen Förderantrag auch „alternative Standorte“ für die Teststrecke einbringen und spricht von einer „Riesen-Chance“ für Bad Hersfeld. Für alternative Standorte neben dem Schilde-Park spricht sich auch Fehling aus: „Auch ein Standort am Bahnhof würde viel Sinn machen. Oder sogar der Bahnhof Schenklengsfeld mit dem angrenzenden Gewerbegebiet, um aus der Verknüpfung mit der Kreisbahnstrecke Schenklengsfeld-Heimboldshausen zu profitieren.“

Teststrecke im Schilde-Park ist dritter Versuch

Die Einführung des autonomen Fahrens ist eines der Herzensprojekte von Bürgermeister Thomas Fehling. Erste Versuche einer Teststrecke beim Hessentag oder der Anbindung des geplanten Kaufland-Marktes am Peterstor sind gescheitert. Nun plante die Firma Dromos eine Teststrecke im Schilde-Park, für die es seit Mai letzten Jahres auch eine „Genehmigung für einen vorgezogenen Maßnahmenbeginn“ gab. Hinzu kamen zuletzt auch Pläne für eine Anbindung des Werratals. (kai)

Bürgermeister warnt vor „Maschinenstürmern“

Ist es nur ein holpriger Start für das Dromos-Projekt? Oder ist es schon vor die Wand gefahren? Fest steht, dass die geplante Teststrecke im Bad Hersfelder Schilde-Park vorerst nicht gebaut wird, weil das Bundesverkehrsministerium weitere Auflagen und Anforderungen gestellt hat, bevor es die in Aussicht gestellten Fördermittel bereitstellt.

„Es handelt sich hauptsächlich um formelle Gründe der Antragstellung und des Genehmigungsprozesses. Die Umfirmierung ist einer davon“, erklärt Dromos-Geschäftsführer Dr. Martin Dürr. Hintergrund ist die Insolvenz der ursprünglichen „Dromos Technologies AG“, die einen Gesellschafter aus Singapur hatte, was mit der Förderung der Bundesregierung inkompatibel war, weil das Bundesverkehrsministerium Bedenken hatte, dass deutsche Fördermittel ins Ausland abfließen könnten (wir berichteten). Am neuen Förderantrag solle sich hinsichtlich Art, Umfang und Volumen des Projektes nichts ändern, versichert Dürr.

Die Umstände der Umfirmierung mittels Insolvenz sind es allerdings auch, die bei den Stadtpolitikern in Bad Hersfeld ernste Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Firma Dromos wecken. Hinter vorgehaltener Hand sagen Stadtverordnete, sie fühlten sich von Dromos „dreist belogen“. Ohnehin fühlen sich die politischen Mandatsträger nicht ausreichend eingebunden und kritisieren mangelnde Transparenz.

Dennoch verfolgt die Dromos GmbH weiterhin größere Ziele als nur eine Teststrecke im Schilde-Park. Angesichts der jüngsten Entwicklungen im Bereich Mobilität in der Region plädiert Dromos Chef Dürr dafür, das Projekt in einen größeren Zusammenhang zu stellen, und nennt den Erweiterungsbau des Klinikums, die Entscheidung für den ICE-Halt in Bad Hersfeld beim Neubau der Trasse sowie den Verkauf der stillgelegten Bahnstrecken – etwa ins Werratal. „Auch wenn der Schilde-Park aus unserer Sicht eine sehr gute Lösung darstellt, bietet die Überarbeitung des Förderantrags die Chance, zu überlegen, ob sich für die Dromos-Teststrecke alternative Standorte vielleicht sogar noch besser eignen – zumal die Anlage ja ohnehin nur temporärer Natur ist und der Bevölkerung das Thema zu Beginn greifbar und erlebbar machen soll“, sagt Dürr.

Ähnlich äußert sich auch Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling. „Für die Strecke zum Klinikum wurde aufgrund des negativen Magistratsbeschlusses kein Förderantrag beim Land gestellt. Wir sind nun gespannt, welche Verkehrskonzepte der Bauträger für die Baugenehmigung vorlegt, welche zusätzlichen Belastungen für die Anwohner entstehen sollen und wer die neuen Straßen bezahlen wird“, erklärt Fehling. Beim Teilprojekt Bahnstrecke Werratal liefen jedoch die Verhandlungen zwischen der Dromos und dem Bahnverein. Es liege ein Vertragsentwurf vor.

„Die Thematik belegt mal wieder sehr anschaulich, wie schwer wir uns in Deutschland mit Innovationen tun“, beklagt Fehling. „Da sind andere Länder einfach agiler, während wir das Haar in der Suppe suchen und uns an bürokratischen Formalitäten festbeißen“. Er sieht in dem Dromos-Projekt eine echte Chance, „einen nachhaltigen, klimafreundlichen, bedarfsorientierten und zudem eigenwirtschaftlichen ÖPNV aufzubauen“. Fehling zieht den Vergleich zu den Protesten gegen die industrielle Revolution im 19. Jahrhundert und warnt davor, dass „es die Maschinenstürmer des 21. Jahrhunderts am Ende schaffen, dass die Dromos-Technologie im Ausland umgesetzt wird und dort attraktive Wertschöpfung produziert.“ (Kai A. Struthoff)

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