Samenernte mit Wiesefix

Neues Gerät soll regionalen Artenreichtum im Landkreis fördern

Der Samen des Großen Wiesenknopfes in den Wiesen der Obersuhler Aue wird hier von den Pflanzen abgebürstet. Das Bild zeigt von links Nabu-Kreisvorsitzenden Michael Herzog, Siegrid Wetterau, die Regionalmanagerin, Bernd Sauer vom Nabu und Karl-Heinz Both von der Naturkundlichen Gesellschaft Mittleres Fuldatal.
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Der Samen des Großen Wiesenknopfes in den Wiesen der Obersuhler Aue wird hier von den Pflanzen abgebürstet. Das Bild zeigt von links Nabu-Kreisvorsitzenden Michael Herzog, Siegrid Wetterau, die Regionalmanagerin, Bernd Sauer vom Nabu und Karl-Heinz Both von der Naturkundlichen Gesellschaft Mittleres Fuldatal.

Die Naturschützer im Kreis Hersfeld-Rotenburg freuen sich über eine neue und bisher nicht allzu bekannte Errungenschaft namens Wiesefix.

Hersfeld-Rotenburg - Zukünftig soll verstärkt auf gebietsheimisches Saatgut gesetzt werden. Im Rahmen der Biodiversitätsverpflichtungen soll es verwendet werden, um artenreiche Wiesen in der Region neu anzulegen oder wiederherzustellen. Mit diesem Gerät kann man ganz gezielt den Samen bestimmter Pflanzenarten von einer Wiese ernten, um diese an anderer gewünschter Stelle wieder anzusiedeln. Durch die Wahl des Sammelzeitpunktes und die Möglichkeit der Höheneinstellung der rotierenden Bürste kann gezielt Saatgut von gewünschten Pflanzenarten gesammelt werden.

Die Pflanzen bleiben stehen und eine anschließende Heunutzung ist möglich. An den abgeernteten Pflanzen entsteht kein Schaden, und Insekten werden als Beifang unverletzt wieder in die Freiheit entlassen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Mit dem Wiesefix kann laut Michael Herzog, dem Vorsitzenden des Nabu-Kreisverbandes sichergestellt werden, dass nur gebietseigenes Saatgut gesammelt wird. Dieses kommt von heimischen Wildpflanzen, die genetisch perfekt an die regionalen Bedingungen angepasst sind. Viele Insektenarten benötigen genau solche Wildpflanzen, etwa als Raupenfutter oder Nektarquellen.

Deshalb sei es von großer Bedeutung, langfristig stabile Pflanzengesellschaften zu etablieren, um den heimischen Insekten die passenden Nahrungsquellen anbieten zu können. Meist wird bei der Neuanlage oder Wiederherstellung von artenreichen Wiesen auf handelsübliches Saatgut zurückgegriffen, das oft Samen gebietsfremder Arten enthält. Das kann zu Veränderungen wie Verminderung der regionalen Biodiversität bis hin zur Verdrängung von lokalen Arten führen.

Seit 2020 darf nach dem Bundesnaturschutzgesetz nur noch regionales Saatgut verwendet werden, um Gefährdungen durch nichtheimische oder invasiver Arten entgegenzuwirken. Der Wiesefix soll die Gewinnung von lokalem Saatgut im Landkreis zukünftig erleichtern, denn er kann von einer Person bedient werden und das Saatgut selbstfahrend abernten.

Der Antrieb erfolgt über einen Elektromotor, der mit aufladbaren Akkus versorgt wird. Anschließend wird der gewonnene Samen im Transportanhänger des Wiesefix getrocknet und zur weiteren Verwendung gekennzeichnet in Behältern aufbewahrt.

Finanziert wurde der Wiesefix durch auch durch Geld aus dem Leader-Programm. In Vorleistung bezüglich der Gesamtkosten traten der Nabu-Kreisverband Hersfeld Rotenburg sowie die Naturkundliche Gesellschaft Mittleres Fuldatal. Vorstellbar sei eine Kooperation mit dem neuen Landschaftspflegeverband Hersfeld-Rotenburg, heißt es weiter.

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