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Sanierung der Zuse-Scheune hat begonnen: Bis zu 13 Wohnungen geplant

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Architekt Björn Trieschmann in einer der zukünftigen Wohnungen im Erdgeschoss des alten Gebäudes. Deutlich erkennt man die bereits sanierten helleren Balken.
Aus alt mach neu: Architekt Björn Trieschmann in einer der zukünftigen Wohnungen im Erdgeschoss des alten Gebäudes. Deutlich erkennt man die bereits sanierten helleren Balken. Von der Gebäudestruktur und ihrer Patina soll nach dem Umbau möglichst viel erhalten bleiben. © Kai A. Struthoff

Seit sechs Wochen wird an der Zuse-Scheune in Bad Hersfeld gebaut. In dem vom Verfall bedrohten Gebäude sollen 13 Wohnungen entstehen.

Bad Hersfeld – Jahrzehntelang lag die Zuse-Scheune im Dornröschenschlaf. Jetzt haben der aus Heringen stammende Architekt Björn Trieschmann und sein Partner Dennis Knöpp vom Büro „studio aw“ aus Gießen das alte Gebäude gleichsam wachgeküsst. Dabei offenbart es eine unerwartete Schönheit.

„Je kaputter ein Haus ist, desto mehr Spaß haben wir“, erzählen die beiden jungen Architekten gut gelaunt bei einem Ortstermin in Bad Hersfeld. Seit rund sechs Wochen wird an der Zuse-Scheune gebaut. Die alten, oft zerborstenen Fenster wurden bereits ausgetauscht. Das Haus ist eingerüstet, die Dachdecker-Kolonne kümmert sich gerade um die alten Schindeln.

Endlich kann man auch das Innere des bislang verrammelten Hauses betreten – wobei Vorsicht geboten ist. Teilweise sind die alten Holzböden brüchig, an anderen Stellen wurden sie bereits entfernt und geben den Blick auf einen gestampften Erdboden frei. Einige der morschen Balken wurde gegen neue ausgetauscht. Hinter bröckelndem Putz blitzt altes Mauerwerk hervor. Die Luft ist schwer von Staub und dem Geruch vergangener Zeiten. Trotzdem wirkt der Innenraum größer als von außen vermutet. „Das liegt an der Raumhöhe, die in diesem ehemaligen Lagergebäude höher ist als in alten Wohnhäusern“, erklärt Björn Trieschmann.

Die Scheunen-Retter: Die beiden Architekten Dennis Knöpp (links) und Björn Trieschmann.
Die Scheunen-Retter: Die beiden Architekten Dennis Knöpp (links) und Björn Trieschmann. © Kai A. Struthoff

Er und Dennis Knöpp planen, in dem 360 Quadratmeter großen Gebäude auf drei Etagen etwa 13 kleine Appartements mit Bad und Küche einzubauen, die voll-möbliert zu möglichst günstigen Preisen vermietet werden sollen. Da das Haus keinen Fahrstuhl hat, richtet sich das Angebot an mobile Menschen – als Dependance für Berufspendler, als Zweitwohnsitz oder auch als Büro.

Bei der Sanierung soll die Außenhaut des Gebäudes so weit wie möglich erhalten bleiben, die Wohnungen sollen hinter der alten Fassade wie „Würfel-Module aus Holz“ eingesetzt werden. „Wir bauen quasi eine neue Hütte in das alte Haus und erzielen damit eine gute Isolierung und halten die Schadstoffbelastung gering“, erklärt Dennis Knöpp. Die meisten Wohnungen sollen eine Art Loggia erhalten, die durch die ursprüngliche Fassade mit ihren Fenstern begrenzt wird. Einige der 20 bis 60 Quadratmeter großen Appartements sollen sogar einen kleinen Balkon oder Zugang zum Garten erhalten. Die Energie, auch für die Heizung, soll möglichst durch Fotovoltaik erzeugt werden.

Größer als gedacht: Hinter der alten Fachwerkfassade sollen die neuen Wohnungen wie „kompakte Würfel aus Holz“ eingebaut werden.
Größer als gedacht: Hinter der alten Fachwerkfassade sollen die neuen Wohnungen wie „kompakte Würfel aus Holz“ eingebaut werden. © Kai A. Struthoff

Als besonderen „Clou“ wollen Trieschmann und Knöpp möglichst viele der alten Stilelemente erhalten und hinter Glas präsentieren. Die hintere Giebelwand soll ein großes Bild von Computer-Pionier Zuse schmücken.

Die beiden Architekten, die ausschließlich auf denkmalpflegerische Projekte spezialisiert sind und dazu eigene Baufachkräfte haben, investieren rund eine Million in das Projekt und können dabei auf die Erfahrung mit ähnlichen Vorhaben, etwa in Alsfeld und Gießen bauen. Spätestens zum Jahresende soll die Zuse-Scheune fertig sein und in neuem Gewand wider zum Leben wachen. (Kai A. Struthoff)

Die wechselvolle Geschichte der „Zuse-Scheune“ in Bad Hersfeld

Das im Volksmund als „Zuse-Scheune“ bezeichnete Gebäude ist Teil der früheren Textilfabrik Rehn, deren Hauptgebäude für den Bau der Wohnanlage Zuse-Höfe abgerissen wurde. Die Firma Rehn bestand bis 1956. Ab 1957 hatte Computerpionier Konrad Zuse die Fabrik zur Unterbringung seiner Computerfertigung gemietet. Im weitesten Sinne wurde also in der Zuse-Scheune der Computer entwickelt, was das Gebäude, das zwischen 1865 und 1930 entstanden ist, gewissermaßen zur Wiege des Computers macht. Durch dem Bau der Wohnanlage durch die ISB Projekt GmbH von Ingo Sauer kam es zum Rechtsstreit, nachdem der ehemalige Eigentümer eine im Vertrag mit der Stadt zugesicherte Sanierung ablehnte und vor Gericht recht bekommen hatte. Dagegen hatte dann das Hessische Landesamt für Denkmalpflege Berufung angekündigt. Um einem jahrelangen Rechtsstreit zu entgehen, kam es zu einem überraschenden Verkauf. Architekt Björn Trieschmann erwarb das Gebäude von Investor Ingo Sauer für einen „mittleren fünfstelligen Betrag“, wie es hieß.  (kai)

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