Festspiel-Momente

Schauspieler Christian Nickel findet Bad Hersfeld inspirierend

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Ausgezeichnet: Schauspieler Christian Nickel erhielt für seine Darstellungen des John Proctor in der „Hexenjagd“ 2016 und für seinen Martin Luther 2017 jeweils den Großen Hersfeld-Preis. 2018 erhielt er den Zuschauerpreis für Peer Gynt.

In unserer Serie "Festspiel-Momente" erzählt diesmal der Hersfeld-Preisträger Christian Nickel über seine Erinnerungen an Bad Hersfeld und neue Projekte.

Die Natur intensiv erleben, Fahrrad fahren, Brot backen – seit Beginn der Corona-Pandemie hat Christian Nickel versucht, sich zu erden und das Beste aus der Situation zu machen. Die hat er als Freiberufler allerdings als sehr anstrengend erlebt.

Zwei Produktionen, die ihm ein Einkommen für vier Monate sichern sollten, seien komplett weggebrochen, erzählt der Schauspieler und Regisseur, der in Bad Hersfeld unter anderem als John Proctor in der Hexenjagd, als Martin Luther und Peer Gynt zu erleben war und der im vergangenen Jahr „A Long Way Down“ im Eichhof inszenierte. Der Vertrag für vier Monate: Makulatur. Sein Einkommen: 0 Euro.

„Das ist eine wirklich heftige Sache“, sagt Christian Nickel. „Ich bin ja nicht nur für mich alleine verantwortlich, sondern Teil eines Systems. Ich habe drei erwachsene Kinder, die von mir abhängig sind.“ Auf staatliche Unterstützung, also auf Arbeitslosengeld, braucht Nickel nicht zu hoffen. Denn eine Stelle hat er noch: Er hat einen Lehrauftrag in Wien, ein paar Stunden die Woche. „Darüber bin ich versichert“, erklärt er. Doch zum Leben reicht dieses Einkommen bei Weitem nicht.

Dass Freiberufler das Risiko dieser Krise und den finanziellen Schaden alleine tragen sollen, das findet Christian Nickel nicht in Ordnung. „Das sollte man sich teilen“, meint er. Von Kollegen weiß er, dass das bei einigen Theatern durchaus der Fall gewesen sei.

Nun sollen die Termine nachgeholt werden, doch auch das gestaltet sich schwierig, weil auch andere Projekte im Kalender stehen und Termine dicht gestaffelt sind.

Zurzeit bereitet Christian Nickel sich auf seine erste Rolle in einer Oper vor. An der Wiener Staatsoper wird er den Bassa Selim in Mozarts „Entführung aus dem Serail“ spielen. Eine Sprechrolle, wie er betont. Denn obwohl Christian Nickel in einem sehr musikalischen Haus aufgewachsen ist und Opern liebt, kann er nicht professionell singen. Danach geht es gleich in Hamburg weiter mit zwei Stücken am Ernst-Deutsch-Theater: „Die Affäre Rue de Lourcine“ von Eugène de Labiche und „Gespenster“ von Ibsen, ein „finsteres Stück“, sagt Nickel.

Gerade ist er zu einem Besuch in Hamburg bei seiner Mutter, die er wegen der Corona-bedingten Beschränkungen lange nicht hat besuchen können. Seinen Hauptwohnsitz hat Nickel derzeit in Wien.

Wie wird es mit dem Theater und der Kultur weitergehen? Mit Freude hat Nickel festgestellt, dass Theater, das direkte Erlebnis dessen, was Menschen auf der Bühne zeigen, nach wie vor einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert hat. „Das Live-Erlebnis ist nicht zu ersetzen“ ist Nickel überzeugt, ebenso wie die intensive Auseinandersetzung mit dem Text und dessen Durchdringung. „Das ist etwas anderes als Stegreiftheater.“

Doch da nun wegen der Abstandsregelungen weniger Menschen die Theater besuchen können, wird es wohl teurer werden, vermutet Nickel. Er hofft, dass das System Theater die Krise überlebt.

Trotz aller Sorgen erlebt Christian Nickel die Corona- Krise nicht nur negativ. Das intensive Naturerleben, die Entschleunigung, „das ist auch etwas Schönes“, sagt er und hofft, dass er von diesen Erfahrungen ein wenig in seinen Alltag retten kann.

Dabei könnte ihn sein Weg durchaus wieder nach Bad Hersfeld führen. „Ich bin nach vier sehr intensiven Sommern in Bad Hersfeld in diesem Jahr etwas auf Entzug“, sagt Christian Nickel. „Ich finde die Stadt und die Festspiele nach wie vor sehr inspirierend.“

Quelle: Hersfelder Zeitung

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