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Schauspieler Nils Eric Müller hat ein genaues Bild von seiner Rolle

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Von: Eden Sophie Rimbach

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Zu einer Limonade am Nachmittag statt zum Frühstück haben wir Nils Eric Müller getroffen. Er ist auch ohne Frühstück fit für einen aktiven Tag.
Zu einer Limonade am Nachmittag statt zum Frühstück haben wir Nils Eric Müller getroffen. Er ist auch ohne Frühstück fit für einen aktiven Tag. © Eden Sophie RImbach

Nils Eric Müller spielt bei den Bad Hersfelder Festspielen im Stück „Club der toten Dichter“ den Steven Meeks. Wie er seine Figur sieht, hat der Schauspieler im Gespräch mit der HZ verraten.

Bad Hersfeld – Frühstück? Das braucht Nils Eric Müller nicht, um in einen aktiven Tag zu starten. Er schmunzelt. „Und ich glaub, bei Steven ist das ähnlich.“

Von Steven Meeks, den er in „Der Club der toten Dichter“ verkörpert, hat er ein genaues Bild. Gerade bei einer Figur mit weniger Text sei es wichtig, zwischen den Zeilen zu lesen. Wenn überhaupt würde der aktive Meeks laut Müller wohl beim Frühstücken in Bücher gucken oder noch Listen schreiben.

„Steven Meeks ist ein Mensch, der ganz genau weiß, was gerade wichtig ist“, weiß Müller und fügt hinzu: „Der auch berechnend ist, in dem Fall.“

Im Gegensatz zu Charlie Dalton wisse der technikaffine Meeks, dass es am Ende niemandem mehr helfe, den Helden zu spielen. Müller sieht in der Rolle auch einen wohlwollenden Jugendlichen, der nach mehr suche, als ihm auferlegt wird, und sich wünsche auszubrechen.

Für Müller ist die Marschier-Szene ein Schlüsselmoment für seine Figur, in der etwas deutlich werde: „Sich diese Individualität zu behalten.“

Generell ist diese Szene für ihn essenziell. „Wir sind alle individuelle Wesen und es geht darum, seinen Weg zu finden“, sagt Müller mit Blick auf die Szene. In einer Zeit, in der das Aufbegehren unter den Jugendlichen so groß wie nie zuvor sei und es darum gehe, Haltung zu zeigen, sei das ohnehin zeitlose Stück besonders aktuell.

Für den 1995 geborenen Müller liefen die Arbeit mit jungen Menschen und die im Theater anfangs zusammen. Vor seinen ersten Erfahrungen im Theaterbereich während der Oberstufe machte er unter anderem Standard-Paartanz, absolvierte Medaillenkurse. „Mein Hobby ist definitiv das Singen“, sagt er.

Erste Schauspielerfahrungen sammelte Müller in der 8. Klasse

Erste Spielerfahrungen hatte er bei einem Projekt in der achten Klasse gesammelt. Doch im ländlichen Raum im Münsterland habe es wenig Möglichkeiten zum Theaterspielen gegeben. Es folgte das duale Abitur mit Ausbildung zum Erzieher. Müller wollte das in der Theaterpädagogik mit dem Theater verbinden.

Der Gedanke, selbst auf der Bühne zu stehen, ließ ihn nicht los. Er gab sich ein Jahr Zeit, suchte nach Schauspielschulen. Hätte er in der Zeit keinen Platz erhalten, wäre er Theaterpädagoge geworden. Sein sechstes Vorsprechen verlief erfolgreich, womit er nicht mehr gerechnet habe. Beim Absolventenvorsprechen in Berlin fiel er schließlich Joern Hinkel auf.

„Ich fühle mich noch gar nicht aus diesem Schüler*innen-Alltag rausgewachsen“, gesteht Müller mit Blick auf das Verkörpern einer Figur, die etwa zehn Jahre jünger ist als er. Die Schülerrolle sei ihm noch näher als die eines jungen Lehrers. Sein Abitur liegt sechs Jahre zurück.

Auf die Frage, wie man sich beim Wechsel von Götz Schubert und Michael Rotschopf der jeweiligen Lehrerfigur anpasse, erklärt Müller: „Anpassen gar nicht: Überraschen lassen!“ Genau der Wechsel sei es, der es lebendig halte.

„Es hält wach!“, sagt der Schauspieler begeistert über die „180-Grad-Drehung“, die er mit dem Probenbeginn zu „Der Club der toten Dichter“ erlebte. Am Sonntag vor dem ersten Probentag stand er in Berlin im Stück „Seymour“ vor 100 Menschen auf der Bühne. Nach vier Stunden Schlaf traf er hier auf eine Bühne mit viel größerem Zuschauerraum. Als Schauspieler müsse man flexibel sein: „Was aber auch ein Geschenk dieses Berufs ist.“

Über sich und Meeks sagt Müller schmunzelnd: „Ich bin definitiv schlechter in der Schule als er.“ Durch die Abiturprüfung zu fallen und ein Jahr zu wiederholen, das würde Meeks laut dem Schauspieler nie passieren. Doch er betont, dass man eine Rolle immer mit seinem Körper fülle, Meeks daher in dieser Inszenierung genauso übergewichtig wie er selbst sei, das seine Berechtigung habe.

(Eden Sophie Rimbach)

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