Amtsgericht Bad Hersfeld

Schmuck im Garten vergraben: Angeklagte tischten dem Gericht verschiedene Versionen auf

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.
+
Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.

Mit jeder Aussage bekam das Schöffengericht eine neue Tatversion aufgetischt. Angeklagt wegen mehrerer Einbrüche sind ein 24-Jähriger aus Cornberg und ein 34-Jähriger aus Bebra.

Bad Hersfeld - Hauptthema am Amtsgericht Bad Hersfeld an diesem Verhandlungstag war ein Einbruch in die Wohnung einer in der Innenstadt von Bad Hersfeld lebenden Familie. Dort wurde am 16. September 2018 Goldschmuck im Wert von 4000 Euro gestohlen. Zudem fanden die Eigentümer die Wohnung verwüstet und teilweise zerstört vor. Ausführlich und detailverliebt schilderte der 24-Jährige, der zu diesem Zeitpunkt keine Wohnung hatte und bei dem 34-Jährigen untergeschlüpft war, die Ereignisse im Umfeld der Tat und reagierte ungehalten auf alle Versuche der Vorsitzenden Christina Dern, durch Fragen auf den Kern der Geschichte zu kommen. „Sie wollen doch die Wahrheit hören, dann muss ich auch die ganze Geschichte erzählen“, meinte der junge Mann, und verlor sich in weiteren Details.

Dass er es gewesen war, der an diesem Tag in die Wohnung eingebrochen war, in der der Ältere vormittags noch eine Wand tapeziert hatte, das gab er unumwunden zu. Allerdings behauptete er, von dem 34-Jährigen angestiftet und mit Einbruchswerkzeug ausgestattet worden zu sein. Beide benötigten Geld und hatten in der Wohnung nicht nur Schmuck, sondern größere Mengen Bargeld erwartet, berichtete der 24-Jährige. Sie hätten abgewartet, bis die Familienmitglieder die Wohnung verließen, dann hätte der 34-Jährige einen Nachbarn zum Kaffeetrinken aufgefordert, um für den Jüngeren freie Bahn zu machen, erzählte dieser. Den Schmuck habe er dann später im Schrebergarten des Älteren in Bebra vergraben. Eine Anstiftung des Jüngeren bestritt der 34-Jährige dagegen. Die verwendeten Tatwerkzeuge, einen großen Schraubenzieher und ein Nageleisen, habe er zwar im Auto, benötige sie aber für seine Arbeit beim Bau und der Renovierung von Wohnungen – Schwarzarbeit übrigens, wie sich auf Nachfrage von Staatsanwalt Patrick Greyer herausstellte.

Er sei mit einem Freund tatsächlich Kaffeetrinken gegangen, während der 24-Jährige vorgab, etwas erledigen zu wollen, berichtete der 34-Jährige mit Unterstützung einer Dolmetscherin. Als die Geschädigten den Einbruch entdeckten, sei ihnen ziemlich schnell klar gewesen, dass wohl die beiden Angeklagten dafür verantwortlich seien, sagte der Inhaber der Wohnung als Zeuge aus. Er bestätigte, dass die beiden mutmaßlichen Täter abends in die Wohnung bestellt und dort von mehreren Männern befragt worden seien. Dann sei man gemeinsam zum Schrebergarten des 34-Jährigen nach Bebra gefahren, wo sich auch der Schmuck fand. Dass der 24-Jährige dort etwas vergraben habe, will der 34-Jährige nicht mitbekommen haben. Für den Besuch in seinem Schrebergarten nannte er eine Absprache mit einem Nachbarn als Grund.

Während der 24-Jährige den Einbruch in Bad Hersfeld einräumte, bestritt er weitere Tatvorwürfe. Dabei ging es unter anderem um Einbrüche in Wohnungen in der Asylbewerberunterkunft in Tann, in der er einige Zeit lang gelebt hatte, und weitere Einbrüche, bei denen er laut Anklage unter anderem Küchengeräte, einen Fernseher, eine Stichsäge und Fahrräder gestohlen haben soll. Aussagen von Zeugen trugen wenig zur Klärung der Vorwürfe bei. Die Verhandlung wird mit weiteren Zeugenaussagen am Mittwoch, 27. Januar, um 9 Uhr fortgesetzt. (Christine Zacharias)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.