Viele Schulen machen Angebote

Schüler im Kreis Hersfeld-Rotenburg können mit Lerncamps Lücken in den Ferien schließen

Anita Hofmann
+
Anita Hofmann

Endlich Ferien! Sechs Wochen lang die Schule allenfalls von außen sehen – für viele Schüler wird das in diesem Sommer anders sein. Zahlreiche Schulen im Kreis Hersfeld-Rotenburg bieten im zweiten Pandemie-Sommer Lerncamps in den Ferien an.

Während ein oder zwei Wochen sollen dann Lücken in den Hauptfächern geschlossen, aber auch sportliche und gemeinschaftsbildende Angebote gemacht werden. Die Angebote finden in diesem Jahr alle auf freiwilliger Basis statt, betont Schulamtsleiterin Anita Hofmann. Im vergangenen Jahr habe es viel Kritik an Zwangsverpflichtungen gegeben, obwohl die Erfahrungen mit den Ferienakademien durchaus positiv gewesen seien. Um die lernwilligen Schülerinnen und Schüler kümmern sich Lehrkräfte, Lehramtsstudenten, Pensionäre und Vertretungskräfte. Die Lerncamps in den Sommerferien sind integriert in das hessische Landesprogramm „Löwenstark – der Bildungskick“ (siehe Hintergrund).

Ob die Schulen Lerncamps anbieten und wie sie sie organisieren, bleibt ihnen im Wesentlichen selbst überlassen. Das Angebot richtet sich aber natürlich auch nach der Nachfrage der Eltern und Schüler. Die scheint an den Grundschulen größer zu sein als an den weiterführenden Schulen, hat Anita Hofmann anhand der Meldungen aus den Schulen festgestellt. Grundsätzlich sei das Staatliche Schulamt zufrieden mit der Bereitschaft der Schulen, Lerncamps in den Ferien anzubieten. Dabei ist Hofmann aber auch bewusst, dass Schulen mit großem Umbauprogramm in den Ferien Probleme haben, gleichzeitig auch Unterricht anzubieten.

Neben der Möglichkeit, Lücken in Deutsch, Mathe und Englisch zu schließen ist es Hofmann auch wichtig, dass es musische und Bewegungsangebote für die Kinder gibt. Und auch das soziale Lernen sei in den vergangenen Monaten sehr zu kurz gekommen.

Letzteres ist Schwerpunkt der Ferienspiel- und Betreuungsangebote, die es ebenfalls an vielen Schulen gibt und die oft über die Schulsozialarbeit oder die Betreuungskräfte organisiert werden.

Individuelle Lernpakete für jeden Schüler und jede Schülerin

Lerncamps oder Ferienakademien sind besonders effektiv, wenn sie individuell auf den Leistungsstand der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler ausgerichtet sind, wenn bestenfalls sogar die eigenen Lehrer unterrichten. Das haben die Erfahrungen aus dem letzten Sommer gezeigt.

Deshalb sind an den Schulen, die Angebote zum Lückenschließen in den Ferien machen, neben all den anderen Arbeiten, die zum Schuljahresende anfallen, auch ganz viele individuelle Pakete geschnürt worden, die die jeweiligen Schüler mit Unterstützung der Lehrkräfte und Betreuung nun bearbeiten können.

Wir haben an einigen Schulen nachgefragt:

An der Ernst-von-Harnack-Schule im Bad Hersfelder Stadtteil Hohe Luft ist die Bereitschaft der Lehrkräfte, sich um Schüler mit Lernlücken zu kümmern, ganz besonders groß. Sieben Lehrkräfte hätten sich für den Ferieneinsatz freiwillig gemeldet, berichtet Schulleiterin Karina Schnaar. Die Lerncamps laufen, je nach Klassenstufe, während der ersten drei Ferienwochen. 70 Kinder von insgesamt 250 Schülern hätten sich dafür angemeldet. Der Unterricht, unterbrochen von Bewegungspausen, findet Montag bis Donnerstag von der ersten bis zur vierten Stunde statt. Parallel gibt es während der ersten Ferienwoche eine Betreuung für Kinder berufstätiger Eltern mit einem Waldtag, einem Einsatz im Schulgarten und anderen Angeboten.

Gleich am heutigen Montag geht es auch an der Brüder-Grimm-Gesamtschule in Bebra weiter mit dem Lernen. 30 Mädchen und Jungen, vor allen aus den mittleren Klassen, die am längsten auf Distanzunterricht angewiesen waren, versuchen, intensiv und kompakt Defizite in Deutsch, Mathe und Englisch aufzuarbeiten. Spaß und Bewegung sollen dabei nicht zu kurz kommen, versichert Schulleiter Manfred Brill. „Wir haben ein tolles Sportgelände, bei dem uns die Stadt Bebra unterstützt hat“, sagt er. An der Gesamtschule gibt es außerdem ein umfangreiches, dreiwöchiges Ferienprogramm in Kooperation mit der Schulsozialarbeit und der Stadt.

In der dritten und vierten Ferienwoche finden die Lerncamps an der Astrid-Lindgren-Schule in Unterhaun statt. 26 von 130 Kindern, nehmen daran teil. Auch hier sind sportliche Aktivitäten wichen den Lerneinheiten eingeplant, erzählt Konrektor Stefan Kasper. Auch hier gibt es Arbeitsblätter und individuelle Arbeitshefte, die die Klassenlehrer für ihre Schülerinnen und Schüler vorbereitet haben. Damit habe man in der Notbetreuung während des Lockdowns gute Erfahrungen gemacht, berichtet Kasper.

Neben Deutsch und Mathe mit jeweils zwei Stunden am Tag steht an der Tannenbergschule in Nentershausen während der ersten beiden Ferienwochen auch eine Stunde soziales Lernen auf dem Programm. Das sei während des Lockdowns und des Distanzunterrichts sehr zu kurz gekommen, hat Schulleiterin Melanie Mangold-Jung festgestellt. 15 von 68 Kindern aus den Klassen eins, zwei und vier nehmen an dem Lerncamp, das von den Fachlehrern für jedes Kind individuell vorbereitet und von Lehramtsstudenten und Vertretungskräften betreut wird, teil. Aus den dritten Klassen habe es keine Anmeldungen gegeben, sagt Mangold-Jung.

An der Friedrich-Fröbel-Schule für Lernhilfe in Bad Hersfeld wird es kein Lerncamp während der Ferien geben. Hier sei ein Betreuungsangebot mit Sport- und Freizeitaktivitäten wichtiger für die Kinder, um soziales Miteinander zu pflegen und entsprechendes Verhalten zu trainieren, sagt Schulleiterin Erika Barten. Das Lerntempo an der Schule sei nicht so hoch, dass es nicht möglich sei, Defizite aufzuarbeiten, betont sie. Organisiert und betreut wird das zweiwöchige Ferienangebot von Lehrbeauftragten und Betreuungskräften. (Christine Zacharias)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.