Schule im Lockdown: Teil 3

Papier und Stift sind Geschichte: Besuch zuhause bei Achtklässlerin Enea Sippel in Bad Hersfeld

Lernen vor dem Bildschirm: Enea Sippel wird zur Zeit zuhause unterrichtet.
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Lernen vor dem Bildschirm: Enea Sippel wird zur Zeit zuhause unterrichtet.

Die Schule hat wieder begonnen – eigentlich. Wer geht trotz Corona in die Schule und wer bleibt zuhause? Wir begleiten Schüler in ihrem ungewöhnlichen Alltag.

Bad Hersfeld – Hochkonzentriert sitzt Enea Sippel an ihrem Schreibtisch. Doch statt Schulbuch, Heft und Federmappe stehen Laptop und Tablet vor ihr. Enea besucht an der Gesamtschule Obersberg die achte Klasse des Gymnasialzweigs. Momentan wird sie aber zuhause beschult. Alle Unterrichtsstunden laufen per Video ab.

Dazu trifft sich die gesamte Klasse mit 27 Schülern mit der Lehrkraft, die momentan ebenfalls von zuhause aus arbeitet, in einem virtuellen Raum im Internet. So werden die Kinder in allen Schulfächern unterrichtet. Enea sitzt dabei in ihrem Zimmer, hier hat sie Ruhe und kann sich gut konzentrieren. „Wir wiederholen gerade noch viele Themen. Das ist aber meistens so nach den Ferien“, sagt die 13-Jährige. Alle Kinder aus Eneas Klasse haben Zugriff zum Internet und können so am Unterricht teilnehmen. Ab und zu gebe es noch technische Probleme. „Manchmal versteht man einen Schüler schlecht oder ein Kind ist für ein paar Minuten weg. Bei mir funktioniert zum Glück alles.“

Die Arbeitsblätter werden von den Lehrern auf eine Online-Plattform hochgeladen. Die Schüler können die Übungen dann ausdrucken und ausgefüllt wieder einscannen – oder sie arbeiten wie Enea ausschließlich digital. „Meine Aufgaben erledige ich komplett auf meinem Tablet“, sagt die 13-Jährige. Stift und Papier benötigt sie momentan also gar nicht. Außer ihr arbeiten noch fünf Klassenkameraden so. Manchmal teilt sich Eneas Klasse dann während des Unterrichts auf verschiedene virtuelle Räume auf und arbeitet so in Kleingruppen. „So können wir uns gegenseitig helfen und am Ende vergleichen wir als Klasse zusammen die Ergebnisse“, sagt Enea. In Eneas Gruppe sind diesmal noch vier Klassenkameradinnen von ihr.

Das Arbeiten in der Kleingruppe verläuft weitgehend ruhig, obwohl keine Lehrkraft anwesend ist. Einmal stürmt der kleine Bruder einer Mitschülerin ins Zimmer und berichtet, die Pizza im Ofen sei nun fertig. Die Mädchen lachen kurz, lassen sich aber nicht von ihren Aufgaben ablenken. Sie lösen ihre Übungen selbstständig und bei aufkommenden Fragen erklären sie sich gegenseitig den Lösungsweg. Einmal wissen alle fünf nicht weiter und informieren die Lehrerin, die sich kurzerhand per Video zuschaltet. Der Austausch zwischen Schüler und Lehrer funktioniert gut, das Problem ist schnell gelöst. „Im Vergleich zum ersten Lockdown läuft der Distanzunterricht jetzt wirklich gut. Es gibt viel mehr Feedback von den Lehrern“, sagt Eneas Mutter Tina Lorenz.

Sie kritisiert jedoch die Menge der Hausaufgaben, die ihre Tochter jeden Tag erledigen muss: „Enea ist sehr diszipliniert und bemüht sich, alles zu schaffen. Nach dem Video-Unterricht ist sie aber wirklich erledigt, und trotzdem sitzt sie dann oft noch bis abends, um alle Hausaufgaben zu erledigen.“ Enea stimmt dem zu: „Man muss zwar nicht so früh aufstehen, aber das Arbeiten vor dem Laptop ist anstrengend.“ Die Schülerin findet es auch schade, dass praktischer Unterricht, wie Experimente in Chemie oder Physik, gerade nicht möglich sind. Außerdem fehlt der 13-Jährigen die Zeit mit ihren Freunden in den Pausen. „So sitze ich nur vor dem Bildschirm und warte, bis die neue Konferenz startet. Ich hoffe, dass ich bald wieder in die Schule gehen kann.“

Wie sieht es bei den Grundschülern aus? Die Kinder, die die Eltern nicht zu Hause betreuen können, dürfen in die Schule kommen. Wir haben die Grundschule in Philippsthal in der Corna-Zeit besucht.

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