1. Startseite
  2. Lokales
  3. Rotenburg / Bebra
  4. Bad Hersfeld

Selbstfahrende Fahrzeuge: Magistrat in Bad Hersfeld tritt bei Dromos-Projekten auf die Bremse

Erstellt:

Kommentare

Ausgebremst: Bei den selbstfahrenden Dromos-Fahrzeugen sind noch viele Fragen offen.
Ausgebremst: Bei den selbstfahrenden Dromos-Fahrzeugen sind noch viele Fragen offen. © Dromos

Der Magistrat in Bad Hersfeld tritt bei den Plänen für selbstfahrende Fahrzeuge in der Kreisstadt auf die Bremse.

Bad Hersfeld- Man sei zwar grundsätzlich für die neue Technologie und würde die daraus entstehenden Chancen begrüßen, aber das Tempo der Vorgehensweise sei zu hoch, heißt es in einer Mitteilung aus dem Rathaus.

Eigentlich wollte Bürgermeister Thomas Fehling mit der Dromos GmbH jetzt eine Absichtserklärung abschließen. Dabei ging es um die zukünftige Anbindung des Klinikums in Bad Hersfeld und eine mögliche Verbindung zwischen Bad Hersfeld und Schenklengsfeld ins Werratal (wir berichteten). Ziel war es, schnell Planungsgrundlagen zu erarbeiten, um dann zügig einen Förderantrag stellen zu können.

Verunsichert sind die Stadtpolitiker unter anderem über die jüngste Insolvenz der Dromos Technologies AG, die wie berichtet nach Aussagen des Geschäftsführers Dr. Martin Dürr lediglich eine neue Rechtsform ermöglichen sollte. An dieser Darstellung gibt es nach Informationen unserer Zeitung allerdings erhebliche Zweifel in Kreisen der Stadtpolitik.

Im Magistrat gab es aber noch weitere offene Fragen, so zum Beispiel wie die Streckenführung zum Klinikum konkret aussehen soll und welche finanziellen Auswirkungen sich für die Stadt ergeben. Überlegt wird auch, ob das Projekt nicht doch besser bei den Wirtschaftsbetrieben der Stadt angesiedelt werden sollte. Ob trotz der Magistratsentscheidung am morgigen Donnerstag im Haupt- und Finanzausschuss das Dromos-Projekt auf der Tagesordnung bleibt, ist derzeit offen. Dazu müsste der Bürgermeister selbst einen Antrag stellen.

Thomas Fehling unterstrich unterdessen die „enorme Dynamik“ des Vorhabens, weil die Erweiterung des Klinikums in Bad Hersfeld 2023 beginnen soll und für die Baugenehmigung ein überzeugendes Verkehrskonzept erforderlich sei. „In den bislang durchgeführten Verkehrsanalysen und -simulationen wurde deutlich, dass der Verkehr ohne ein neues Verkehrssystem rund ums Klinikum kollabieren wird. Aus meiner Sicht ist es völlig inakzeptabel, die Anwohner durch noch mehr Pkw- und Lkw-Verkehr und damit mehr Lärm, mehr Schadstoffen und mehr Staus zu den Leidtragenden der Klinikums-Erweiterung zu machen“, sagt Fehling. Auch sei unklar, wer etwa die Kosten für die notwendigen Straßenbauarbeiten und der späteren Verkehrsanbindung trägt.

Unbenommen von der Magistratsentscheidung soll die geplante Dromos-Demonstrationsstrecke sein, für die schon bald im Schilde-Park erste Vorbereitungen beginnen sollen. Allerdings gibt es auch dabei noch ungeklärte Fragen, heißt es aus politischen Kreisen, so zum Beispiel darüber, wo am „wortreich“ die geplante Werkstatt untergebracht werden soll.

Für die Bürgermeister im Ostkreis zeigte Hohenrodas Rathauschef Andre Stenda Verständnis für die Bad Hersfelder Vollbremsung in Bad Hersfeld: „Offene Fragen müssen beantwortet werden.“ Auch er wisse um die Risiken des Projekts. „Trotzdem sollten wir offen für innovative Projekte sein“, meint Stenda. Für das Werratal bestehe so die große Chance, den ländlichen Raum an Bad Hersfeld und den neuen ICE-Bahnhof anzubinden. (Kai A. Struthoff)

Zweifel am Konzept der autonomen Fahrzeuge hatte kürzlich auch der GDL-Verkehrsexperte Patrick Rehn im Interview mit unserer Zeitung geäußert.

Auch interessant

Kommentare