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Sie spricht kein Wort: Karla Sengteller spielt bei den Festspielen die Ziege Djali

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Von: Christine Zacharias

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Fühlt sich zu Fabelwesen hingezogen: Karla Sengteller, die die Ziege Djali in „Notre Dame“ spielt, mit Skulpturen von Bernd Weyland im Stiftsbezirk.
Fühlt sich zu Fabelwesen hingezogen: Karla Sengteller, die die Ziege Djali in „Notre Dame“ spielt, mit Skulpturen von Bernd Weyland im Stiftsbezirk. © CHRISTINE ZACHARIAS

„Frühstück mit ...“ heißt unsere neue Reihe, in der wir Mitwirkende der Bad Hersfelder treffen. Heute Karla Sengteller, die die Ziege Djali in „Notre Dame“ spielt.

Bad Hersfeld – Das Frühstück ist nicht wirklich Karla Sengtellers Lieblingsmahlzeit. Oft genug lässt sie es ausfallen oder isst das, was sich so im Schrank findet. „Das beste Frühstück“, so betont die Schauspielerin, „ist Kaffee. Ein doppelter Espresso mit ein wenig Kardamom und einem Schuss Hafermilch“ – damit fühlt sie sich fit für den Tag.

Ihre Lieblingsmahlzeit ist das Abendessen. Doch das gestaltet sich im Moment schwierig. Denn zu der Zeit, zu der sie normalerweise essen würde, muss sie sich für ihren Auftritt fertigmachen. Und wenn das Stück vorbei und sie wieder abgeschminkt ist, dann ist es in der Regel nach Mitternacht und da gibt es in Bad Hersfeld kaum noch etwas zu essen.

Sehr viel hat Karla Sengteller aber ohnehin noch nicht von Bad Hersfeld gesehen. Zu intensiv war die Probenarbeit. Aber sie liebt es, direkt vom Haus zum Joggen aufbrechen zu können und dann im Wald niemandem zu begegnen. Auch nach der Premiere geht die Probenarbeit weiter. Von „Notre Dame“ soll es eine Version für Kinder ab zwölf als Familienstück geben.

Karla Sengteller hatte vor drei Jahren das erste Mal Kontakt nach Bad Hersfeld, als sie zum Vorsprechen bei Joern Hinkel war. Umso mehr freute sie sich, als Hinkel Anfang des Jahres anrief und ihr eine ganz besondere Rolle anbot: die Ziege Djali. Da Esmeralda die Ziege als ihre Schwester bezeichnet, wünschte Hinkel sich, dass sie von einer Frau gespielt wird. Wie das jedoch aussehen könnte, davon gab es zu Beginn der Proben noch keine feste Vorstellung. „Ich hatte ganz viel Freiraum bei der Gestaltung der Rolle. Joern Hinkel hat mir da vertraut“, erzählt Karla Sengteller. Ziege Djali spricht kein einziges Wort, auch kein Mäh. Sie wird über Sengtellers Körpersprache erfahrbar. Die Schauspielerin liebt das Tanztheater, wo Gefühle und Handlung ausschließlich mit dem Körper und der Mimik vermittelt werden.

Richy Müller, der gerade zufällig vorbeikommt, ist voll des Lobes für seine Kollegin. „Sie hat die Rolle erfunden. Die gab es vorher so nicht“, betont er.

Karla Sengteller hat sich nicht nur intensiv damit auseinandergesetzt, wie sie die Ziege darstellen könnte – unter anderem in Gesprächen mit Ensemblemitgliedern und vor allem mit Cathrine Sophie Dumont, die die Esmeralda spielt – sie hat sich auch inhaltlich mit der Figur auseinandergesetzt. „Djali steht für die Fähigkeit bedingungslos zu lieben“, erklärt sie. Esmeralda sei nur dann stark, wenn Djali in der Nähe sei. Als Esmeralda sich trotz Djalis Warnungen mit bedingungsloser Liebe dem rücksichtslosen Phöbus zuwende, verlören beide ihre Kraft, die aus der engen Beziehung entstanden sei. Karla Sengteller freut sich, dass ihre Figur, die Ziege, am Schluss gerettet wird. Sie sei schon so oft in Bühnenrollen vergewaltigt, ermordet, geschlagen und gedemütigt worden, da sei es schön, dass in diesem Stück, in dem so viele Figuren sterben, Djali, die Quelle der Unschuld und der Liebe, überlebe und dem Dichter Gringoire zum Erfolg verhelfen könne.

Immer schon vom Theater geträumt

Dass sie Schauspielerin werden wollte, das war Karla Sengteller schon in ihrer Jugend klar. „Ich habe immer gewusst, dass ich das tun muss“, betont sie. In der Schule versuchte sie, da es dort keine Theatergruppe gab, selbst eine zu starten. Und spätestens als in ihrer Heimatstadt Bremen ein Jugendtheater eröffnete, in dem auch Unterricht für Schauspiel, Tanz oder Clownerie angeboten wurde, war die damals 15-jährige für alle anderen Karrierepläne verloren.

„Ich habe da meine ganze Zeit verbracht“, erzählt Karla Sengteller. Das Theater bot die Möglichkeit, für Projekte und Auftritte vom Unterricht befreit zu werden, und das nutzte die Theaterbegeisterte ausgiebig. „Ich bin schließlich gar nicht mehr zur Schule gegangen“, gesteht sie. Stattdessen bewarb sie sich an Schauspielschulen und war beglückt, als sie an der Universität der Künste in Berlin angenommen wurde. Denn das sei immer ihr Plan gewesen, Schauspielerin zu werden und nach Berlin zu gehen, betont Sengteller. Während ihres Studiums trat sie unter anderem am Maxim-Gorki-Theater, am Hans-Otto-Theater in Potsdam und am Deutschen Theater in Berlin auf. 2014, nach Abschluss ihres Studiums, engagierte Claus Peymann sie am Berliner Ensemble, wo sie in mehreren seiner Inszenierungen die Hauptrolle übernahm. Seit 2017 ist sie als freischaffende Schauspielerin unterwegs und auch im Kino in Leander Haußmanns Stasikomödie zu sehen (Christine Zacharias)

Karla Sengteller trägt in ihrer Rolle als Djali ein kleines Ziegenbärtchen.
Karla Sengteller trägt in ihrer Rolle als Djali ein kleines Ziegenbärtchen. © Steffen Sennewald

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