Mitgliederentwicklung zwischen Zuwachs und Stagnation

Sieben Wochen vor der Kommunalwahl: So stehen die Parteien im Kreis Hersfeld-Rotenburg da

Drei Wäscheklammern in Schwarz, Rot und Grün hängen an einer Leine.
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Symbolbild Parteienlandschaft

Knapp sieben Wochen vor der Kommunalwahl haben sich die meisten Parteien im Landkreis positiv über die Mitgliederentwicklung geäußert. Das ist das Ergebnis einer Umfrage.

Hersfeld-Rotenburg - Stärkste Partei im Kreis bleibt die SPD mit 1642 Mitgliedern in 59 Ortsvereinen. Das sind aber etwa 100 Mitglieder weniger als vor zwei Jahren, weil die Zahl der Eintritte unter der Summe der Gestorbenen, der Wegzüge und Austritte liege, erklärt SPD-Geschäftsführer Thomas Giese. Dennoch verzeichne die SPD 64 Neueintritte, darunter 23 im Juso-Alter. „Die SPD ist in allen vier Städten und 16 Gemeinden in den Parlamenten aktiv“, sagt Giese.

Ähnlich ist die Lage bei der anderen Volkspartei CDU, die ungefähr gleich viele Eintritte wie Abgänge verzeichnet – auch hier vor allem durch Todesfälle. Die Mitgliederzahl der CDU habe sich bei etwa 700 stabilisiert, so Geschäftsführer Dr. Martin Schörner. Das Durchschnittsalter liege bei etwa 60 Jahren, wobei die ersten 30 Kandidaten der Kreistagsliste im Mittel 48 Jahre alt sind.

Die Mitgliederzahl der FDP „verbessert sich stetig, liegt aber noch im niedrigen dreistelligen Bereich“, berichtet der Vorsitzende der Kreistagsfraktion Bernd Böhle. Der Altersdurchschnitt im Kreisverband liege bei 49 Jahren. Es gebe einen neuen Ortsverband in Philippsthal, sodass die Liberalen mit neun Listen zur Kommunalwahl antreten. Für den Kreistag kandidieren 80 Bewerber, das „mit Abstand größte bürgerliche Angebot“, so Böhle.

Die Grünen haben 88 Mitglieder und verzeichnen damit einen Zuwachs von 25 Prozent seit 2019, erklärt die Sprecherin des Kreisverbands Martina Selzer. Mit Alheim und Bebra treten die Grünen in zwei weiteren Kommunen an. Das Durchschnittsalter betrage 53 Jahre.

Keine genauen Angaben über die Mitgliederzahl kann Kreistagsmitglied Hans Georg Vierheller für die FWG machen, weil die Ortsverbände relativ autonom organisiert sind. „Wir haben uns personell verstärkt, weil sich uns aus vielen Gemeinden Wählergruppen und Bürgerinitiativen angeschlossen haben“, sagt Vierheller.

Die AfD macht „aus Datenschutzgründen“ keine Angaben zur Mitgliederzahl, so der stellvertretende Vorsitzende Peter Fricke. Der AfD-Kreisverband habe aber „einen 16-prozentigen Mitgliederzuwachs, den stärksten in Hessen“, so Fricke.

Die Linke hat unsere Anfrage nicht beantwortet.

Der Kreis liegt im Landestrend

Die Mitgliederentwicklung der Parteien im Kreis entsprich tdem Landestrend in Hessen. Grüne, FDP und Linke freuen sich auch landesweit über einen Zuwachs. Dagegen gab es bei SPD und CDU Verluste (wir berichteten). Größter Gewinner sind die Grünen mit jetzt 8229 Mitgliedern (+950). Die SPD indes verzeichnet hessenweit einen Rückgang um 1300 Mitglieder auf 47 117, die CDU hat aktuell 35 625 Mitglieder, 2019 waren es noch 36 000. Die AfD nannte keine Zahlen. (red/kai)

Volksparteien sehen „Trend zur Individualisierung“

Die ehemals großen Volksparteien haben es schwer – auch bei uns im Kreis Hersfeld-Rotenburg. Obwohl – oder vielleicht gerade weil sie seit Jahren in Berlin in der Regierungsverantwortung stehen, gehen die Mitgliederzahlen zurück oder stagnieren zumindest.

So auch bei SPD und CDU im Kreis, obwohl beide Parteien immer noch die mitgliederstärksten Organisationen sind. Dennoch boomen die Bürgerlisten, die sich auf lokaler Ebene bilden. Einen „langfristiger Trend zur Individualiseriung“ registriert daher der CDU-Kreisgeschäftsführer Dr. Martin Schörner.

Kleine Parteien gewinnen an Mitglieder, die großen verlieren. „Die Anzahl unterschiedlicher Lebensstile und Wertvorstellungen ist sehr stark gewachsen und entsprechend ist die Bindung der Menschen an Großorganisationen gesunken“, meint Schörner. Das bekämen auch Gewerkschaften oder Kirchen zu spüren. „Aus den individuellen Interessen resultiert, dass man diese Menschen kaum mehr zu einer großen Gemeinschaft mit gemeinsamen Vorstellungen zusammenfassen lassen.“

Das gilt aber offenbar nicht für alle Parteien. Allein im noch jungen Jahr 2021 melden die Grünen sechs Neumitglieder. „Es gab die meisten Eintritte in jüngster Zeit im Zusammenhang mit einem verstärkten Interesse an Grüner Kommunalpolitik“, erklärt Kreissprecherin Martina Selzer. Das Interesse an Mitarbeit nehme stetig zu, sodass ein weiterer Mitgliederzuwachs erwartet werde.

Die SPD sieht hingegen vor allem demografische Gründe für den Mitgliederschwund. „Der leichte Rückgang in der Mitgliedschaft sei vor allem dadurch zu erklären, dass die Zahl der Eintritte seit geraumer Zeit unter der Summe der der Verstorbenen, der Wegzüge und auch einiger Austritte läge“, sagt Kreisgeschäftsführer Tom Giese und betont zugleich: „Die SPD ist in allen vier Städten und 16 Gemeinden des Landkreises in den Parlamenten aktiv.“

Auch die Kreis-FDP meldet einen „starken Mitgliederzuwachs, der jeweils zur Hälfte auf unsere politische Arbeit vor Ort und auf bundespolitische Themen zurückzuführen ist“, so Bernd Böhle, der Fraktionschef im Kreistag. „Politikverdrossenheit gibt bei uns nicht“, beteuert er.

Die AfD nennt aus Datenschutzgründen keine Zahlen, behauptet aber, im Kreis einen 16-prozentigen Mitgliederzuwachs zu haben, heißt es von Peter Fricke, dem stellvertretenden Vorsitzenden. Er beklagt, die Medien und die „demokratischen“ Parteien hätten sich gegen die AfD verschworen und würden sie ausgrenzen, sodass die AfD ihre politischen Anliegen „nicht wertneutral“ an die Bürger bringen könne. (Kai A. Struthoff)

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