Fundstück ist jetzt Exponat

Skulptur des Heiligen Matthias, die im Museum Bad Hersfeld entdeckt wurde, ist jetzt restauriert

Einweihung der restaurierten Skulptur des Heiligen Matthias: (von links) Die Finder Gerhard Kraft und Leni Donceva, Restaurator Jörg Büchner aus Fulda und Bertold Schmidt vom Förderkreis Museum.
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Einweihung der restaurierten Skulptur des Heiligen Matthias: (von links) Die Finder Gerhard Kraft und Leni Donceva, Restaurator Jörg Büchner aus Fulda und Bertold Schmidt vom Förderkreis Museum.

Das neueste Exponat im Bad Hersfelder Stadtmuseum hat eine bewegte Geschichte hinter sich, jetzt hat die Skulptur des Heiligen Matthias aber einen festen Platz in der Kapelle des Museums gefunden.

Bad Hersfeld - Im Frühjahr 2020 entdeckten Gerhard Kraft und Leni Donceva die in alte Zeitungen eingewickelte Holzfigur auf dem Dachboden, „in einem völlig desolaten Zustand“, wie Restaurator Jörg Büchner bei der feierlichen Einweihung erzählte.

Bei der Skulptur handelt es sich um ein Abbild des Apostels Matthias, der auch als Patron der Bauhandwerker, Metzger, Zuckerbäcker und Schneider bekannt ist. In der Hand hält er eine Axt, andere Statuen oder Bilder zeigen ihn auch mit einem Schwert. Beide Werkzeuge stehen stellvertretend für seinen Märtyrertod – der Heilige Matthias wurde enthauptet. Er ist der einzige Apostel, dessen Gebeine in Deutschland begraben liegen, sie wurden um das Jahr 1050 bei Trier gefunden, informiert Erster Stadtrat Gunter Grimm in seiner Rede.

Nachdem die Skulptur, die komplett aus Lindenholz besteht, gefunden wurde, wurde sie dem Restaurator Büchner übergeben. „Der Holzwurm hat ganze Arbeit geleistet“, berichtet Büchner. Die Skulptur sei völlig durchlöchert und verschmutzt gewesen, auch die Farbe löste sich. Diese sei aber ohnehin nur aufgetragen worden, um das eigentliche Erscheinungsbild der Figur zu verdecken und die Statue so vor Diebstahl zu schützen, berichten die Redner.

In rund 200 Arbeitsstunden wurde der Heilige Matthias wieder hergestellt. Dabei ging es Büchner weniger darum, Einzelteile gänzlich zu erneuern, sondern darum, möglichst viel von dem zu erhalten, was der Skulptur ihren historischen Charakter verleiht. Auf der Suche nach der Herkunft des Heiligen Matthias fand Gerhard Kraft einen Hinweis in einem Inventarbuch von 1926.

Dort wurde festgehalten, dass es sich bei der Skulptur um ein Geschenk handelt und der Heilige Matthias zuvor in einer Kirche in Waldniel am Niederrhein sein Zuhause hatte. Ebenfalls im Inventarbuch erwähnt sind ein Sockel sowie eine Axt in der rechten Hand. Beides wurde bei der Restauration ersetzt.

Über den Bildhauer sind bis heute keine Informationen bekannt, die Entstehungszeit der Matthias-Skulptur wird aber im 17. Jahrhundert verortet. Auch über die genaue Herkunft gibt es keine stichhaltigen Belege, sondern nur Hinweise, unter anderem von einem Heimatforscher aus Waldniel.

Fest steht, dass der Heilige Matthias im Jahr 1926 nach Bad Hersfeld kam und viele Jahrzehnte auf dem Dachboden geschlummert hat. Sein neuer Standort in der Kapelle im Museum liegt genau ein Stockwerk unterhalb seiner Fundstelle.

Die Restaurationskosten in einer Höhe von circa 8000 Euro wurden von verschiedenen Spendengebern sowie vom Förderkreis Museum getragen. (Laura Hellwig)

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