BLICK NACH ENGLAND

So hat Malmesbury die Corona-Zeit erlebt: In den Pubs schmeckt wieder das Bier

Jeff Penfold mit einem Glas Bier vor dem Whole-Hog-Pub.
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Das zischt: Jeff Penfold vor dem Whole-Hog-Pub in Malmesbury.

Zwischen Bad Hersfeld und Malmesbury besteht dank Lullus seit einigen Jahren eine enge Bindung. Auch in der englischen Stadt haben die Pubs inzwischen wieder geöffnet.

Bad Hersfeld/Malmesbury- Die Corona-Pandemie hat den Austausch und die persönlichen Begegnungen mit befreundeten Städten und Gemeinden im Ausland beeinträchtigt. Wir wollten wissen, wie Malmesbury in England die schweren Monate überstanden hat.

Nach den langen Monaten des Lockdowns schmeckt inzwischen auch in Malmesbury längst wieder das heimische Flying-Monk- Bier im Whole-Hog Pub nahe der alt-ehrwürdigen Abtei und in den anderen Kneipen der kleinen Stadt im Süden Englands, mit der Bad Hersfeld seit einigen Jahren durch ein Freundschaftsabkommen verbunden ist. In Malmesbury hatte einst Stiftsgründer Lullus seine Ausbildung zum Mönch absolviert.

Sein erstes gezapftes Bier seit vergangenen September hat Jeff Penfold mit Genuss vor dem beliebten Whole-Hog am Market Square getrunken, berichtet der frühere „Town-Clerk“ mit dem markanten weißen Bart, der schon oft zu Gast in Bad Hersfeld war. Auch Alt-Bürgermeister Ray Sanderson, ebenfalls ein regelmäßiger Gast beim Lullusfest, sei wohlauf. Er hatte vor einiger Zeit seine Frau verloren und werde von seinen Töchtern umsorgt.

Das Market-Cross im Herzen der Stadt: Hier bieten bis heute die Händler ihre Waren feil. Nebenan sind Pubs, Geschäfte und der weitläufige Park der alten Abtei.

In der High-Street, der Hauptstraße von Malmesbury, hat inzwischen die letzte von früher drei Banken ihre Tore geschlossen. Auch eine Apotheke und das örtliche Sportgeschäft mussten schließen, was aber nicht allein auf die Corona-Folgen zurückzuführen ist. Denn Malmesbury hat nur 5000 Einwohner. „Immerhin haben alle Pubs überlebt und auch viele kleinere Geschäfte konnten die Pandemie offenbar ganz gut abwettern“, erzählt Penfold. Während der Pandemie hatte die Stadtverwaltung die Parkmöglichkeiten am Straßenrand eingeschränkt, um die Bürgersteige breiter und damit das Abstandhalten leichter zu machen. Das freilich kam nicht bei allen Ladenbesitzern gut an. „Kostenloses Parken ist bei uns genauso ein kontroverses Thema wie in Bad Hersfeld“, berichtet Penfold.

Auch mit Blick auf die Infektionszahlen seien Malmesbury und der Kreis Wiltshire glimpflich davon gekommen. Härter habe es Swindon, Sailsbury und Bristol getroffen, was aber auch an der Größe und Bevölkerungsstruktur liege. Auch die Arbeitslosenquote liege in der Region um Malmesbury unter dem Landesdurchschnitt.

Unterdessen hat Malmesbury einen neuen Bürgermeister gewählt. Er heißt Paul Smith und ist erst vor einigen Jahren nach Malmesbury gezogen. Der Bürgermeister in der kleinen Gemeinde ist ehrenamtlich tätig und wird aus den Reihen des Stadtrats gewählt. Die eigentlichen Geschäfte führt der „Town-Clerk“, dessen Amt Jeff Penfold bis zur Pensionierung bekleidet hatte. Paul und seine Frau Francis sind ebenfalls bereits im Ruhestand und leben in einem uralten historischen Haus im Zentrum von Malmesbury, in dem früher die White Lion Tavern untergebracht war, das sie restauriert haben.

„Paul ist sehr interessiert an der Verbindung zu Bad Hersfeld und hat fest vor, gemeinsam mit seiner Frau einen Besuch abzustatten, sobald es die Covid-Lage gestattet“, berichtet Penfold.

„Schade, dass wir nicht ‘Dead Poets Society’ bei den Festspielen sehen können, aber wenn die Covid-Lage sich weiter gut entwickelt, kommen wir gern wieder zum Lullusfest“, sagt Jeff Penfold. (Kai A. Struthoff )

Friends of Malmesbury planen für die Zeit nach Corona

Die Freundschaftsvereine „Friends of Lullus“ in England und „Friends of Malmesbury“ in Bad Hersfeld sind die tragenden Säulen der Verbindung zwischen beiden Städten. „Die Pandemie hat tatsächlich unsere Vereinsarbeit fast zum Erliegen gebracht. Unser Mitgliederstand ist zurzeit 50 und stagniert“, berichtet Heinz-Jörg Kretschmer, 1. Vorsitzender des Bad Hersfelder Vereins. Trotzdem habe man versucht, digital den Kontakt nach England, aber auch zu den hiesigen Mitgliedern zu halten.

Für die Zeit nach Corona schmieden die „Friends of Malmesbury“ fleißig Pläne: Neben der Optimierung des Malmesbury-Platzes mit der roten Telefonzelle, sucht Kretschmer die Kooperation mit den anderen Bad Hersfelder Partnerschaftsvereinen. Geplant ist zudem eine Ausstellung von Werken des Fotoclubs „Malmesbury Snappers“ von Ende September bis Anfang November 2021 in Bad Hersfeld. Falls das Lullusfest stattfindet, soll es natürlich wieder die üblichen Aktivitäten wie Lollslauf, Lolls-Festzug, Empfänge und Treffen mit Vereinsmitgliedern geben. Außerdem sei eine Vereinsfahrt nach England und Malmesbury im Jahr 2022 vorgesehen, die für alle offen steht. Auch eine Kooperation mit Kirchengemeinden in Bad Hersfeld und Malmesbury sowie eine Konfirmandenfahrt nach Malmesbury seien geplant.

Ganz aktuell ist die Einladung, an einem Online-Event des Aethelstan Museums in Malmesbury teilzunehmen. Am Mittwoch, 16. Juni, ab 19.30 Uhr MEZ wird der Historiker Tony McAlevy, der gemeinsam mit Dr. Sigmar Gleiser 2019 die Eröffnungsrede zum Lullusfest in der Stiftruine hielt, über Daniel von Daniels Well berichten, einen jungen Mönch aus Malmesbury, der wie Lullus Berater von Königen und Päpsten war. Der Vortrag ist über diesen Link zu erreichen (Anmeldung über Link erforderlich): www.athelstanmuseum.org.uk/event/the-surprising-life-of-daniel-of-daniels-well-by-tony-mcaleavy/

Infos über die Vereinsarbeit unter: friends-of-malmesbury.de

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